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Konzert-Bericht
 
Pop ohne Publikum

Voltaire
Alpha Saloon

München, Salon Erna
09.06.2005

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Voltaire
Was passiert eigentlich, wenn die Booking-Agentur denkt, der Veranstalter würde sich um Werbung kümmern und umgekehrt? Es kommt niemand, eigentlich logisch. So, oder so ähnlich ist es der Bonner Formation Voltaire ergangen, erzählt Mastermind Roland Meyer de Voltaire nach dem Konzert. Dass überhaupt jemand da war, hatte das Quintett der Fangemeinde von Alpha Saloon zu verdanken, die kurzfristig als Support angeheuert worden waren.
Das Münchner Quartett trat diesmal als Trio auf: Sugar, normalerweise an Trompete, Keyboards und Turntables tätig, war verhindert und so gab es eine reduzierte und verhältnismäßig rockigere Fassung des eigentümlichen Stilmixes zwischen Britpop und Country, Heulsusenmusik und Neokraut. Mit der Katalogisierung des Materials hat die Formation selbst so ihre Schwierigkeiten: "Während Reggaebands Reggae spielen und Metalbands Metal, spielen Alpha Saloon Ultrapop und lassen also stattdessen jedem einzelnen ihrer Songs das Recht, danach zu klingen, wonach er klingen will." So zieht man sich im Bandinfo aus der Affäre und der Unwille zur Schubladisierung ist dann neben der durchgehend hohen Qualität der Songs auch das vorherrschende, einende Moment der Band. Die trat übrigens, die Heterogenität auch optisch illustrierend, als eine Art auf popkulturelle style-wars bezogener "Village People" Verschnitt auf: verkleidet als Mod, als Cowboy und als Blackmetaller.

Voltaire hingegen nehmen das, was sie da tun, äußerst ernst und verzichten auf jegliche ironische Brechung. Auch für sie ist Britpop offensichtlich ein wichtiger musikalischer Bezugspunkt, Radiohead und Muse werden später als Referenzen genannt. Dazu gibt es deutsche Texte, die sich schwerpunktmäßig in etwas bedeutungsschwangerer Manier mit dem zwischenmenschlichen Hin und Her des Postadoleszenten befassen: "...die Klauen im Fleisch des Anderen / um mitzunehmen, was noch geht" - dank einer schadhaften PA war von den Texten jedoch ohnehin eher wenig zu verstehen. Kam das Ganze zu Anfang des Konzertes noch eher gefällig, radio- und VIVA-tauglich daher, wurde es allmählich deutlich mehr Alternative und gemahnte schließlich sogar an Tom Liwas Flowerpornoes und auch an Sigur Ros.

Die Band spielte sich tight und dynamisch durch die elaborierten Arrangements, wechselte immer wieder zwischen poppig-sphärischen und schrammelig-rockigen Momenten, das wandlungsfähige und auch gerne ins Falsett sich aufschwingende Organ des Sängers erinnert bisweilen an Thom Yorke oder auch mal an, ja doch, Jochen Distelmeyer. Besonders positiv hervorzuheben ist, dass Voltaire trotz der für sie enttäuschenden Publikumssituation ohne Abstriche eine korrekte Show ablieferten und mit ihrer Energie und Spielfreude sogar die Alpha Saloon-Fans so weit überzeugen konnten, dass diese noch eine Zugabe erklatschen. Wie sagte schon Francois-Marie Arouet alias Voltaire (auch wenn die Bonner mit dem berühmten Namensvetter gar nichts am Hut haben): "Es hat Verzweiflung oft die Schlachten schon gewonnen."

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Surfempfehlung:
www.voltaire-musik.de
www.alphasaloon.de
Text: -Dirk Ducar-
Foto: -Dirk Ducar-


 
 

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