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Konzert-Bericht
 
Trollgroll & hungernde Kühe

W:O:A 2005, 3. Teil

Wacken, Festivalgelände auf der Wiese
06.08.2005

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Wacken 2005
[In Kooperation mit popfrontal.de]

Die dritte Stufe der Wackenrakete zündet mit - natürlich - Regen satt und einem zünftigen Frühstückchen im Metal-Breakfast-Zelt. Die Tafelmusik dazu: Mob Rules quengeln (kein Anlass, sich dafür in die Fluten zu stürzen) und Zyklon dengeln (siehe oben). Unterdes legten Offizielle das Reisfeld, das sich als Festivalgelände auszugeben versuchte, mit Stroh aus. Mit genügend Strohballen, wie Wacken-Pressefee Britta Kock uns sagte, um die Kühe der Region mit dem Hungertod zu bedrohen - insgesamt an die 200. Aber nicht genug, um zu verhindern, dass sich im Dauerregen des heutigen Tages komplett unpassierbare Passagen bildeten.

Egal, man war ja nicht zum Schönwetter-Promenieren hier, auch nicht für Bands wie die gerade aufspielenden Drachenfurz, sondern für Überraschungen wie die mit dem tollen, teils bluesigen Doom vom uns noch unbekannten Count Raven erlebte. Einen erstaunlich fetten Sound, den dieses offensichtlich reformierte, nun auch mit Plattenvertrag versehene schwedische Trio hinbekommt. Mehr davon!

Mehr gab es aber zunächst vom Himmelsnass. Und vom US-Death von Suffocation. Die wahrlich gestandene Truppe stellt seit '90 unermüdlich Old School- (in Wacken etwa: "Infecting The Crypts" mit ultratiefem Gegurgel vom Klassiker "Effigy Of The Forgotten") aber auch technischer werdende Death Metal-Grabsteine ins Gelände (z.B. "Catatonia", das einen wunderbaren, Sepultura-artigen Groove besitzt. Schließlich ist ja auch hier mit Mike Smith ein wahrer Rhythmus-Meister zugange). Das so neue wie großartige "Tomes Of Acrimony" war ein weiteres Beweisstück dafür, wie komplex ein solches Death Metal-Riffmonster ausfallen kann.

Zeit für Overkill und für eine Gutelaune-Behandlung gegen nun von Böen schräg ins Gesicht gedrückten Regen. Obwohl die meisten die Band als Thrasher auf dem Zettel haben, erweist sich live schnell, dass kaum eine Band im diesjährigen Billing so unter schweinerockigem AC/DC-Strom steht, wie Blitz Ellsworths Truppe. "Wrecking Crew", "Bastard Nation", das Manowar-(grusel...)Cover "In Union We Stand", praktische Lebenshilfe von Blitz (die traditionelle Ansage "If You See The Ceiling, You're Lying On The Floor") - alles machte einfach Laune, vergleichbar etwa einem (guten) Motörhead-Auftritt.

Holy Moses mit der Kreischmutter der Nation, Sabina Classen, hatte uns schon beim W:O:A 2003 die Schuhe fest geschlossen gelassen, um so ungeteilter konnte man sich der Live-Reunion des Jahres widmen, Dissection. Der legendäre Black Metal-Act war ja 1997 seines Sänger / Gitarristen-Hauptes Jon Nödtveidt verlustig gegangen, der wegen (Beihilfe zum) Mord bis 2004 hinter schwedische Gardinen geschickt worden war. Nach seiner Entlassung rief Nödtveidt Dissection mit neuer Besetzung wieder ins Leben. Während der unverschämt laute Drum-Soundcheck auf der True Metal-Stage diesmal echt stört, riskiert die Truppe es, nach traditionellem Intro gleich mit einem neuen Stück (vermutlich "Xeper-I-Set"?) einzusteigen, was aber von den ehrfürchtig Lauschenden nicht ungünstig vermerkt wurde. Schließlich ging's gleich mit dem typischen Intro des gottlosvollen "Frozen" von "The Past Is Alive" weiter, gefolgt von u.a. einer Nödtveidt-Beteuerung, dass sie bereit seien, für das, woran sie glauben, "zu töten und zu sterben". Na, da hat das Wiedereingliederungsprogramm wohl versagt... Niemals versagend jedoch die majestätisch-keltisch-kalte Schönheit von "Where Dead Angels Lie" oder die Power von "Storm Of The Light's Bane". Ebenfalls flammenneu ist das wieder sehr melodische "Starless Aeon" und auch "Fight Until You Die" (?) mit wunderbaren zweistimmigen Gitarrenleads war uns noch nicht begegnet.

Über Axel Rudi Pells Auftritt breiten wir an dieser Stelle den Regenmantel des Schweigens, und auch die Black Metal-Biester von Marduk fielen einem Aufenthalt im Pressezelt sowie daselbst aber dann doch nicht stattgefundenem Interview zum Opfer. Es soll bei den Schweden, denen man rechtsradikale Sympathien nachsagt, aber mal wieder heftig zugegangen sein.

Bei Finntroll war es vor der Party Stage so gepackt voll, dass kaum noch ein Durchkommen war. Wie schön für diese schwerarbeitende Troll- und Waldschratetruppe, die mit "Jaktens Tid" das fröhliche Jagen begannen. Das für den köstlichen Humppa-Metal der Finnen unverzichtbare Schifferklavier kam live soweit erkennbar zwar nur aus der Konserve, das tat der ausgelassenen Stimmung bei Hämmern wie "Trollhammaren" (sic!) oder dem sehr folkig dargebrachten "Midnattens Widunder" aber keinen Abbruch. Passend für eine so naturverbundene Band wie Finntroll, dass zu "Nattfoedd" die Wolken genug aufrissen, um einen wunderschönen, doppelten Regenbogen entstehen zu lassen.

Nach diesem subjektiven Höhepunkt des gesamten Festivals gab es da noch den zweiten Surprise Act (Martin Kesici alias EmKay - ohne Worte), Hammerfall (peinlich wie immer: "Renegade", "Hammerfall", "Crimson Thunder", vieleviele Stichflammen und abschließend "Heart Of Fire") und Kreator (gut wie immer, z.B. "Impossible Brutality" oder "Extreme Aggression", naja, nomen est omen bei Mille & Co.). Von den Bazis Equilibrium ist dem von Regen- und Musikfluten langsam überfließendem Auge nur die hübsche Bassistin in Erinnerung geblieben.

Nun wurden in Wacken erstmals eigene Awards ("Wacken Hall Of Fame") verliehen, was zum Reunion-Gig von Accept überleitete. Ein Greatest Hit-Programm aus z.B. "Starlight", "Princess Of The Dawn", "Balls To The Wall" aber auch dem "klassischer Hausschatz"-Gitarrensolo inclusive Bolero (Ravel), Säbeltanz (Katchathurian) und "In der Halle des Bergkönigs" (Grieg) ließen kaum Wünsche über. Auf die vielbejubelte Abschiedsvorstellung von Sentenced und ihren Kuschelmetal hatte unsereinerwelcher zugegeben nach der wunderbar üppigen Metalvollbedienung dieses Tages ebenso wenig Lust wie auf die Plattdeutschrocker Torfrock ("Beinhart") oder den traditionellen Onkel Tom-Schunkelabend (diesmal mit den Wacken Firefighters und einem zehnminütigen Überraschungsspot mit den Sputniks!).

PS: Inzwischen war der Matsch so tief geworden, dass außer Unimogs und Defenders kaum ein Auto aus eigener Kraft mehr den Weg vom Gelände fand (wie viele weniger unsere mit zartem Profil versehenen Straßenmotorräder). Der gut koordinierte, diesmal dem Vernehmen nach kostenlose Einsatz von bis zu 30 Treckern sorgte aber doch noch dafür, dass in der Samstagnacht und am Sonntag alle, die sich dazu schon wieder in der Lage sahen, das musikalischste Moorgebiet der Welt wieder verlassen konnten.

PPS: Für das 17. W:O:A vom 03. - 05.08.06 sind heute schon Children Of Bodom, Subway To Sally, In Extremo, Soilwork sowie die Apokalyptischen Reiter bestätigt.

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Surfempfehlung:
www.wacken.com
www.dragonforce.com
www.dissection.nu
www.finntroll.net
www.hammerfall.net
www.kreator-terrorzone.de
www.equilibrium-metal.de
www.acceptarchive.com
www.sentenced.org
www.sputniks-beat.de
Text: -Klaus Reckert-
Foto: -Stephan Kunze-


 
 

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