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Helden und welche, die es bald sein werden

Franz Ferdinand
The Rakes

Hamburg, Colorline Arena (kl. Variante)
09.11.2005
Franz Ferdinand
The Rakes touren gerne mit musikalisch Gleichgesinnten. Sie waren bereits mit Maximo Park unterwegs, tourten mit Bloc Party durch Japan und sind aktuell im Vorprogramm von Franz Ferdinand zu bewundern. Und auch wenn Kollege Willhelm ihrer Debüt-Platte "Capture / Release" nicht viel abgewinnen konnte, das Londoner Quartett ist mehr als "nur eine weitere UK-Band", sie sind ein heißes englisches Eisen und haben lediglich das Pech, dass eben Bloc Party und Maximo Park ihre Alben ein paar Monate zuvor veröffentlichten.
Den Fans in der gut gefüllten, aber sicher nicht ausverkauften Colorline Arena, die sich heute in der kleinen Variante präsentierte, war das schnurz und egal, sie freuten sich zwar größtenteils mehr auf Franz Ferdinand, doch auch The Rakes wurden gebührend abgefeiert. Und was soll man sagen? Zu Recht! Denn die vier Herren machten einen wirklich tollen Job auf der großen Bühne. Der dänische Drummer (da war doch was?) Lasse prügelte ununterbrochen auf sein kleines Set, Basser Jamie erledigte seinen Job lässig bis cool, ohne abweisend zu wirken, Gitarrist Matthew wirkte mit Brille und Wollpulli wie der Streber vor dem Herren, entlockte seinem Instrument aber wundervolle Klänge und Sänger Alan erwies sich als einer der sympathischsten Frontmänner, die man seit langem live erleben durfte. Immer wieder sang er ein ehrliches "Dankeschöööön" ins Mikro, verteilte Handküsschen, tanzte wie eine Mischung aus Mick Jagger und Thomas Hermans und verneigte sich dankbar vor dem kleinen Mob und dem großen Applaus. "Wie geht es euch?", fragte er und nachdem die Zuschauer durch lautes Jubeln eine positive Antwort gaben, schmunzelte Alan ein liebes "Wir auch" zurück. Charmant. Und weil zwischendurch nahezu das komplette Album zum Besten gegeben wurde und die Songs wie das famose "Strasbourg", die Singles "22 Grand Job" und "Retreat" sowie all die anderen eine gute Nummer zackiger und punkiger dargeboten wurden, war diese halbe Stunde schlicht toll. Im Interview mit Gaesteliste.de (siehe unten) kündigten Lasse und Jamie bereits an, dass sie bald wieder kommen würden. Dann aber doch bitte als Headliner und in einen kleinen Club. Danke.

Den kleinen Clubs sind Franz Ferdinand längst entwachsen. Sie sind jetzt große Popstars und stehen dazu. Die Bühne war in rot und mintgrün gehalten, eine Leinwand mit Live-Bildern (toll!), bewegliche Banner links und rechts neben ihr und massig das Publikum erleuchtende Scheinwerfer sorgten für ein opulentes Bild und mittendrin stehen vier Herren, spielen eine Hymne nach der anderen und machen deutlich: Franz Ferdinand sind superfantastisch. Und natürlich flippten deshalb alle aus, die da waren. Die Britpopper und Punkrocker, die Muttis und Söhne, die Pärchen, Familien, Metalheads und Snobs. Sie tanzten auf den Tribünen, sie sprangen im Innenraum und sie wippten am Bier- und Bratwurststand. Und für diese Begeisteung mussten die Schotten gar nicht viel tun. Einfach mal erwähnen, dass man das Konzert "saugeil" findet, ein wenig tänzeln, mal die Musiker vorstellen und eben die besten Songs ihrer zwei Alben spielen. Fertig. Doch spielten sie eigentlich irgendeinen Hit nicht? Ließen einen persönlichen Lieblingssong aus? Vermutlich nicht. 90 Minuten wurden sowohl "Franz Ferdinand" als auch "You Could Have It So Much Better" ausgeglichen dargeboten und so toll das Debüt auch ist, gerade live merkte man, dass die neue Scheibe den Erstling tatsächlich noch übertrifft. Songs wie das fulminante und mit Herrn Kapranos an der Akustik-Gitarre gespielte "Walk Away", das hymnische "Do You Want To" (absolutes Highlight des Abends!), die Single "You're The Reason I'm Leaving" oder der Punkrock-Brocken "Evil And A Heathen" sind einfach unfassbar schöne Knaller und stehen "alten" Songs wie "Tell Her Tonight", dem überraschend früh gespielten "Take Me Out" oder dem immer noch wieder gern gehörten "Darts Of Pleasure" einfach in nichts nach. Und so war der Sound zwar zum Teil wirklich unschön, weil anfangs sehr Bass-lastig und später einfach viel zu laut (oder werden wir tatächlich alt?), doch nach 90 Minuten Franz Ferdinand war ein überaus schöner Abend zu Ende. Zu dessen Gelingen aber auch The Rakes einen nicht gerade kleinen Teil beitrugen, das sollte hier erwähnt werden.

The Rakes
NACHGEHAKT BEI: THE RAKES

Viele Stunden vor dem Konzert. In den Backstage-Räumen der riesigen Arena herrscht noch entspannte Gemütlichkeit. Der Rakes-Tourmanager (der wohl netteste Tourmanager, den die Welt je gesehen hat) verteilt Pässe, Sänger Alan reicht Tee, FF-Drummer Paul zeigt seinen nackten Oberkörper (bitte kreischen Sie jetzt) und Gaesteliste.de macht es sich mit Drummer Lasse und Bassist Jamie bequem um über folgende Dinge zu reden:

Die Anfänge
Wir haben The Rakes als Hobby begonnen, um etwas zu tun zu haben und einfach unser Ding zu machen. Dabei gab es keine Pläne wie diese oder jene Band zu klingen. Uns war es nur wichtig, schnell und energetisch zu sein und gute Lyrics zu haben. Dann haben wir mit kleinen Gigs angefangen und mit der Zeit kamen immer mehr Leute. Das Ganze wuchs recht natürlich. Doch uns war nie klar, dass wir damit mal unser Geld verdienen würden. Erst als wir unsere Jobs aufgaben und unseren Plattenvertrag unterschrieben, wurde uns bewusst, dass wir etwas erreichen und mit unserer Musik Geld verdienen können.

Der Plattenvertrag
Wir haben lange überlegt, wo wir unterschreiben würden. Uns war nicht ganz klar, ob wir lieber zu einem kleinen Independet-Label oder einem großen Major gehen sollten. V2 liegt ja irgendwie dazwischen, was uns als beste Wahl erschien. Sie sind unabhängig, haben aber einen guten Ruf. Und wir sind mit der Wahl sehr zufrieden. Schon als wir das erste Mal in deren Büro kamen, haben wir alle Leute persönlich getroffen. Das Ganze ist fast wie eine Familie.

Das Album
Wir sind immer noch stolz darauf und wenn wir es uns anhören, finden wir es immer noch gut. Natürlich findet man immer wieder kleine Fehler, aber die gehören ja irgendwie dazu. Und auf der Bühne kann man diese dann korrigieren. Aber im Ganzen klingt "Capture / Release" schon so, wie wir es und vorher vorgestellt haben.

Der Produzent
Wir haben mit Paul Epworth aufgenommen, aber nicht, weil er auch mit Bloc Party und Maximo Park gearbeitet hat. Die Wahrheit ist, dass er schon vor über 1 1/2 Jahren zu uns kam, als wir noch gar keinen Plattenvertrag besaßen. Er hatte unseres Demos gehört und sagte, dass er mit uns arbeiten wollte. Und wir wussten gar nicht, wer er war. Wir haben dann jedenfalls die Songs "Strasbourg", "Terror" und "We Are All Animals" an einem Wochenende aufgenommen und erst dann hat er das Bloc Party- und Maximo Park-Album gemacht. Ein paar Monate später hatten wir den Vertrag und dadurch das nötige Geld und haben ihn gefragt, ob er nicht auch das Album produzieren wollte. Und er wollte.

Der Hype
Wir kennen uns durch gemeinsame Gigs inzwischen alle und mögen und inspirieren uns auch, aber als wir die ersten Songs aufnahmen, hatten wir noch nie von Bloc Party oder Maximo Park gehört. Vor 1 1/2 Jahren haben wir zusammen mit Bloc Party dann vor 60 Leuten gespielt, seit dem ist das Ganze mächtig gewachsen. Das ist zum einem ein Vorteil für uns, weil die Leute neugierig auf andere Bands werden, auf der anderen Seite ist es für uns ein Nachteil, weil uns viele vorwerfen, wir würden andere Bands nur kopieren. Aber das stimmt nicht, als wir das Album aufnahmen, waren wir der Meinung, wir wären die ersten. Nur haben andere ihre Platten vor uns veröffentlicht.

Die Ursache für die hohe Dichte an guten UK-Bands ist der Konkurrenz-Kampf zwischen der US- und UK-Szene. Das begann bei der Punk-Bewegung in England, dann ging es immer zwischen US- und UK-Hypes hin und her. Es geht um Rebellion und neue Ideen und Stile, jeder will einzigartig und neu sein. Nach dem Britpop-Hype kam bei uns noch die Garage-Szene, aber auch von der und schlimmen Bands wie Jet - definitiv ein Tiefpunkt in der Musikgeschichte - waren die Leute bald gelangweilt. Also suchten die Fans nach Bands mit intelligenten Texte und schönen Melodien. Und wenn sie die nicht fanden, haben sie selbst welche gegründet.

Der Erfolg
Wir sind in England zwar keine Stars, stehen aber schon etwas besser da als hier. Zuletzt haben wir bei uns vor 1 500 Leuten gespielt, demnächst spielen wir Hallen, in die 2 500 Zuschauer hinein passen. Und die scheinen dann auch ausverkauft zu sein. Wir sind natürlich nicht so groß wie Franz Ferdinand, aber wir sind auch noch am Anfang und wollen noch viel erreichen.

Das nächste Album
Wir haben bereits erste Ideen gesammelt und werden Anfang nächsten Jahres wohl mit den Arbeiten beginnen. Es wird sicher ein völlig anderes Album werden, schließlich ist das erste in den letzten drei Jahren entstanden, diesmal aber müssen wir richtig hart arbeiten, können uns nicht wieder drei Jahre Zeit lassen, um genügend Material zu haben.

Weihnachten
Wir sind bis zum 26. Dezember unterwegs, aber wir werden wohl einen Weihnachtsbaum im Bus aufstellen.

Surfempfehlung:
www.franzferdinand.co.uk
www.therakes.co.uk
www.malzkornfoto.de
Text: -Mathias Frank-
Fotos: -Pressefreigabe / Stefan Malzkorn-

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