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Mogwai
The Magnificents

Köln, Live Music Hall
15.04.2006
Mogwai
Der Philosoph Arthur Schopenhauer sagt sinngemäß, dass das Leben Leiden bedeutet, und dass es nur einen Weg gibt, sich dem zumindest kurzzeitig zu entziehen - sich im zweckfreien Kunstgenuss zu verlieren. Das klingt einleuchtend, auch wenn ich nicht weiß, welche Form von Kunstgenuss ihm da vorschwebte.
Sicher ist, dass sich die Musik von Mogwai für dieses "Verlieren" sehr gut eignet. Ihre mäandrierenden, rauschartigen Kompositionen laden dazu ein, Raum und Zeit zu vergessen und ganz im Moment der Verzückung zu verweilen, denn Mogwai haben die besondere Fähigkeit, Musik in Magie zu verwandeln. Leider waren an diesem Abend die zauberhaften Momente eher dünn gesät. Es ist schwer zu sagen, woran es lag - war es der Mischer, der sinnloser Weise den Gitarristen in der Mitte am lautesten machte, in der irrigen Annahme, wer in der Mitte stehe, müsse auch am wichtigsten sein? Dadurch geriet die raffinierte Balance der drei sich sonst perfekt verzahnenden Gitarren aus dem Gleichgewicht und offenbarte mehr schlichte Rockigkeit als man geahnt hätte. Ein Zeichen dafür, dass bei Mogwai die vielzitierte Summe mehr ist als die einzelnen Teile.
Mogwai
Vielleicht lag es aber auch daran, dass die Band kaum Zeit hatte warm zu werden. Nach 50 Minuten, von denen alleine 20 für "My Father - My King" drauf gingen, verließ die Band die Bühne, um für nur zwei Songs noch einmal zurückzukehren. Danach wurde gnadenlos das Licht angeschaltet und das Publikum hinausgetrieben. Schließlich musste alles für den Discobetrieb vorbereitet werden. Bei allen Anwesenden machte sich das ungute Gefühl breit, um etwas betrogen worden zu sein. Mogwai hatte große Momente an diesem Abend, und zwar vermehrt gegen Ende. Drei oder vier Songs mehr hätten es gerne sein dürfen. Wenn man weiß, dass der Saal um zehn Uhr geräumt wird, muss man nicht erst um neun Uhr anfangen zu spielen. Liegt der Fehler bei den Veranstaltern, die lieber Disco machen, als einem saalfüllenden Publikum ein schönes Konzert zu bereiten, oder bei den Bands (Vorband waren die höflich beklatschten Magnificents), die ihren Zeitbedarf falsch kalkuliert haben? Fazit: Alle, die an diesem Abend vergeblich Schopenhauer in die Praxis umsetzten wollten, dürften sich mit seiner Erkenntnis getröstet haben, dass das Leben zwischen Schmerz und Langeweile hin- und herpendelt, man eigentlich nichts hätte erwarten dürfen und es dafür eigentlich doch nicht so schlecht war.
Surfempfehlung:
www.mogwai.co.uk
www.themagnificents.com
Text: -Stefan Claudius-
Fotos: -Pressefreigabe / Stefan Claudius-


 
 

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