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Ja, es hat gerockt und es war Kunst!

Operation Pudel

Hamburg, Schauspielhaus
03.03.2001
Operation Pudel
Das Hamburger Schauspielhaus, bereits seit Jahren für seine Experimentierfreudigkeit, Kreativität und Weltoffenheit bekannt, erlebte ein weiteres Mal die Fusion mit seinem Club-Pendant. Für eine Nacht fand der Golden Pudel Club, sonst am Elbufer beheimatet, in den altehrwürdigen Theatergemäuern statt. Um genau zu sein, machte die "Operation Pudel", nach etlichen Events in den letzten Wochen, nun endlich in der Heimat Station. Dass Hamburgs Partycrowd sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen würde, war klar. So überraschte es auch nicht wirklich, daß bereits frühzeitig ausverkauft gemeldet werden konnte.
Im nikotinfreien (!) Inneren eröffnete gegen 22 Uhr Studio Braun auf der großen Bühne. Dirk von Lotzow (Tocotronic) und Thies Mynther (Stella, Superpunk) folgten mit einem halbstündigen Set irgendwo zwischen Britisch-Hamburger Schule und krachiger Elektronik. An der Grenze zum großen Fragezeichen im Gesicht stand sicher Justus Köhnkes Elektrominimalismus. Spass machte es trotzdem und spätestens, als ein weiteres Mal der Tocotronic-Frontmann die Bühne enterte und beide ein herzzerreißendes "Tomorrow Will Be Like Today" (von der "K.O.O.K Variationen") schmetterten, waren vorherige Längen verziehen. Schorsch Kamerun mit Band ließ es in dieser Nacht dann zum ersten Mal etwas lauter krachen und machte der bisherigen Besinnlichkeit den Garaus. Highlight aber war sicherlich der, von vielen heiß erwartete, erste Auftritt von Hamburgs derzeit führender SoulPunkRock-Firma Superpunk. Mit "Wasser Marsch!" haben diese Fünf derzeit eine Scheibe am Start, die von allen Kritikern in den vergangenen Wochen bereits hochgelobt wurde, und die man jedem DTH oder DÄ Hardliner zwecks Horizonterweiterung wärmstens ans Herz legen möchte. Die Liveumsetzung wurde dann auch zu einer entsprechend launigen Angelegenheit im rappelvollen Foyer des Malersaals, einer Nebenbühne. Wohl selten in der Geschichte der Rockkonzerte hat der größte Teil des Publikums während der Show auf einer Betontreppe verharrt. Ob den anwesenden Brandschützern ebenso zum Lachen zumute gewesen sein mag, darf allerdings stark angezweifelt werden.

Die Nacht wurde sehr lang und klang noch viele Stunden später im Kopf des Rezensenten nach. Musik vom Plattenleger Erobique, Bier vom Segelschiff und mitunter die eine oder andere süßliche Rauchschwade strengen nun mal alle Sinne an. Soll aber gleichzeitig auch bedeuten: Es gab keine erwähnenswerten Ausfälle, die einer Wiederholung in Deutschlands größtem Sprechtheater entgegenwirken könnten. Ob es nun an der spürbaren Friedfertigkeit des Endzwanziger-Publikums oder an der Omnipräsenz der Security lag - die Wahrheit liegt, wie so oft, irgendwo in der Mitte. Hamburg hatte jedenfalls einmal mehr eine knallbunte Nacht.

Text: -Michael Kellenbenz-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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