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Vs. Bratwurst und Laola

Pearl Jam
The Black Keys

Berlin, Wuhlheide
23.09.2006

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Pearl Jam
Sechs Jahre hat es gedauert. Sechs traurige Jahre. Und es schien als ob Eddie Vedder, Mike McCready, Stone Gossard, Jeff Ament, Matt Cameron und Boom Gaspar diese lange Durststrecke auf einen Schlag vergessen machen wollten. Was blieb ihnen auch anderes übrig?
The Black Keys aus Akron, Ohio, sind das jüngste Beispiel dafür, dass Pearl Jam seit jeher ausschließlich hochkarätige Support-Bands engagieren. Dennoch waren die Reaktionen, die das Duo auf Seiten des Berliner Publikums provozierte, mehr als nur artig und z.B. bei "Stack Shot Billy" wohl auch für die Musiker etwas unerwartet. Auf die anstehenden Club-Konzerte im Oktober darf man gespannt sein.

Und dann kam sie, die letzte große und noch existente Band aus Seattle, die mehr ist als nur eine Fußnote der Popmusik. Ohne Ansage ging es los mit "Go", "Save You" und "Animal". Eine erste Verschnaufpause wurde dem Publikum erst mit "Elderly Woman Behind The Counter In A Small Town" gegönnt, das wie fast alle Songs – auch die eher obskuren – derart lauthals mitgesungen wurde, dass man denken konnte, die Fußball-WM wäre noch im Gange. Dass Pearl Jam-Konzerte zur bierseligen Mitgröhlveranstaltung werden können, war unabhängig davon, ob es einem gefiel, dann auch eine Erkenntnis des Abends. Der Band schien es jedenfalls zu gefallen, und Eddie Vedder gab sogar zu, dass man zwar vor zwei Wochen den Italienern wohl zu Unrecht gesagt hätte, sie seien die besten Sänger. Spätestens als Vedder mit einer Hand gen Himmel gestreckt "Black" sang und 16 000 Menschen an seinen Lippen hingen, war dies umso klarer.

Da kein Pearl Jam-Konzert dem nächsten gleicht, sind Überraschungen an der Tagesordnung. Die gab es im Zusgabenteil mit dem selten gespielten "Come Back" vom aktuellen selbstbetitelten Album. Zuvor hatte Vedder den Song auf deutsch dem vor zwei Jahren verstorbenen Johnny Ramone gewidmet und sich beim Ablesen der Worte ein bisschen wie Bruce Springsteen angehört. Nach der fast schon souligen Ballade sang Vedder allein und völlig unerwartet die Coda von "Today Your Love, Tomorrow The World", jenem alten Ramones-Song über Nazi-Deutschland, nur um danach gemeinsam mit dem Rest der Band und "I Believe In Miracles" eine der eingängigsten Hymnen des Abends zu liefern. Wer allerdings dachte, das Konzert hätte seinen Höhepunkt bereits überschritten, wurde mit einem grandios ausufernden "Crazy Mary" eines Besseren belehrt, mit "Footsteps" zum Weinen gebracht und mit dem einminütigen Punksong "Lukin" zurück auf den Boden der Tatsachen geprügelt.

Am Ende war es mit "Baba O'Riley" die Tambourin zerschmetternde Verbeugung vor allen Jugendbewegungen dieser Welt, die bewies, dass es tatsächlich funktioniert, trotz Millionenpublikum eine unkorrumpierte, wohltuende Indierock-Intimität zu bewahren. Wie diese Band das immer wieder schafft, ist wohl eines ihrer größten Rätsel.

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Surfempfehlung:
www.pearljam.com
www.theblackkeys.com
Text: -Christian Spieß-
Foto: -Marko Kuosmanen-


 
 

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