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Schalke 04 vs. Fortuna Düsseldorf 3 - 1

The Lodger
Joycehotel

Gelsenkirchen, Lokal ohne Namen/ Düsseldorf, Pretty Vacant
03.10.2006/ 04.10.2006

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The Lodger
In diesem Oktober kommen einige Bands der im Moment sehr lebendigen Musikszene in Leeds nach Deutschland, um zu beweisen, dass Musik aus England nicht unbedingt mit dem tausendsten Bloc Party-Abklatsch gleichzusetzen ist. Neben iLiKETRAiNS und ¡Forward, Russia! spielen auch The Lodger einige Konzerte, davon zwei in NRW. Leider ist Schlagzeugerin Katie krank und musste zu Hause bleiben – und so gibt es die Band in einer abgespeckten Version zu sehen.
Gelsenkirchen war bis jetzt nicht unbedingt als Pophauptstadt bekannt. Zum Glück gibt es einige Leute, die alles daran setzen, dies zu ändern. Das Lokal ohne Namen in Gelsenkirchen-Buer hat im Moment ein beachtenswertes Programm zusammengestellt (eine Woche zuvor spielte beispielsweise Pelle Carlberg dort). Nicht nur, dass man bei Einlass von Revolver-Club-T-Shirt tragenden Menschen empfangen wird, sorgt dafür, dass man sich als Popliebhaber an diesem Ort gleich wohl fühlt. Auch das namenlose Lokal an sich ist eine weitläufige, aber gemütliche Studentenkneipe. "Heute Abend: The Lodger – Gitarrenpop aus Leeds. Trotzdem Campusnacht." bekommt man an der Tür zu lesen. Der Nachsatz ist entscheidend: Das Bier für einen Euro im Rahmen der Campusnacht sorgt für etwas, das The Lodger alleine wohl nie geschafft hätten: Einen wirklich gut mit jungen Menschen gefüllten Raum. Als Veranstalter ist man sichtlich stolz auf den Besuch aus dem Ausland. Bevor Ben und Joe die Bühne betreten, werden sie im großen Rahmen angekündigt, ebenso wie die Tatsache, dass das Konzert mitgefilmt wird und am Ende des Jahres eine DVD mit den besten Auftritten im L.O.N. erscheint – eine gute Idee.

Durch die Abwesenheit ihrer Drummerin sind The Lodger zum Duo geschrumpft. Dadurch klingen ihre Lieder live natürlich anders als auf Platte, aber die durch die Umstände erzwungene Zurückgenommenheit schadet ihnen nicht. Ältere Stücke wie "Many Thanks For Your Honest Opinion" oder "You Got Me Wrong", sowie viele Sachen vom noch nicht erschienenen Album sorgen für viel Freude beim Publikum. Auch wenn die Beiden manchmal etwas verloren und ängstlich auf der Bühne aussehen, hört man ihnen bereitwillig zu. Lediglich in den etwas längeren Pausen zum Stimmen der Instrumente brausen die Gespräche wieder auf. Nach Ende des mit 30 Minuten natürlich viel zu kurzen, regulären Sets lässt man die Band nicht gehen, bis sie nicht einmal, sondern gleich zweimal die Bühne für eine weitere Zugabe betreten haben. Dafür, dass schätzungsweise 95% der anwesenden Leute The Lodger vorher nicht einmal vom Namen her kannten, ist dies ein voller Erfolg.

Düsseldorf, einen Abend später. Der Altersdurchschnitt der Leute, die sich im Pretty Vacant eingefunden haben, liegt gut 15 Jahre über dem im L.O.N. am Abend zuvor. Anstelle von Studenten (und solchen, die es gerne schon wären) hier also hippes Großstadtpublikum. Man sieht gut aus, man ist gut angezogen, und man hat alles schon gesehen. Was sollen an einem solchen Ort zwei schüchterne junge Männer mit Gitarre, Bass und einer Hand voll Popsongs im Gepäck noch bewegen können? An diesem Abend gibt es zwei Bands im Pretty Vacant zu sehen. Den Anfang machen Joycehotel aus Dänemark. Ihr melancholisch-düsterer Indierock scheint einige Leute dazu bewegt zu haben, hierher zu kommen. Leider ist ihr Auftritt viel zu laut für das kleine Kellergewölbe und zieht sich unnötig in die Länge (nachdem die Band ankündigt: "Next up are The Lodger" spielt sie noch sieben Stücke). Zwei Bands zum Preis von einer sind schön und gut, aber als Konzertbesucher hat man davon recht wenig, wenn die Musik der auftretenden Künstler so wenig zueinander passt. So finden dann auch The Lodger, als sie endlich spielen dürfen, kaum Anklang bei den Besuchern, was daran zu erkennen ist, dass sich der Raum schnell leert. Zugegeben, Ben und Joe sind vielleicht nicht die größten Entertainer, doch ihre Musik spricht für sich und ist alleine schon ausreichend, um dem Zuhörer eine gute Zeit zu bereiten. Aber wir sind in Düsseldorf, und die Leute sind offensichtlich nicht hier, um Spaß zu haben. Der Auftritt gestaltet sich zu einer frustrierenden Angelegenheit. Das Publikum bleibt lieber hinten im Raum stehen, es gibt kaum Applaus und daher auch keine Zugabe zu hören (weswegen die Single "Let Her Go", die als solche geplant war, unter den Tisch fällt). Fast könnte man meinen, die beiden Herren sind froh, den Abend hinter sich gebracht zu haben. Einen solchen Empfang hat eine so sympathische Band definitiv nicht verdient. Es wäre wohl eine bessere Idee gewesen, The Lodger als erstes auftreten zu lassen, da sie auf Grund ihrer personellen Situation sowieso nur ein kurzes Set spielen können, während Joycehotel für viele Besucher der eigentliche Hauptact ist.

Fazit: Die beiden Shows von The Lodger machen gespannt auf das demnächst erscheinende Debütalbum "Grown-Ups". Alle live präsentierten Lieder sind unprätentiöse, kleine Pophymnen, die einem den Tag retten können. Hoffentlich kommt die Band bald noch einmal in voller Besetzung auf Tour, wie sie es zum Abschied in Düsseldorf versprechen. Aus dem Duell "Studentenkneipe in prolliger Kleinstadt gegen angesagte Landeshauptstadtlocation" geht das L.O.N. in Gelsenkirchen als klarer Punktsieger hervor.

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Surfempfehlung:
www.thelodger.net
www.myspace.com/thelodgerleeds
www.joycehotel.com
www.myspace.com/joycehotel
Text: -Christina Ocklenburg-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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