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Konzert-Bericht
 
Leise / Laut

Mono
Audrey

Köln, Underground
13.12.2006

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Mono
Audrey haben mit ihrem Debütalbum "Visible Forms" eine der beeindruckendsten Platten des Jahres vorgelegt. Kurz nach dem Deutschlandrelease im November folgt jetzt eine Tour, um die Lieder des Albums auch live vorzustellen. Während die Band überall im Land Headlinershows spielt, sind sie ausgerechnet auf dem von Gaesteliste.de besuchten Konzert in Köln, auf Wunsch von beiden beteiligten Bands, nur Support der japanischen Postrockern von Mono. Doch was im ersten Moment ärgerlich ist, entpuppt sich im Laufe des Abends als Glücksfall.
Als Audrey die Bühne betreten, ist das Underground schon gut gefüllt. Das Publikum ist überwiegend männlich, und die vier Frauen von Audrey gehören zu den wenigen weiblichen Personen im Raum. Leider ist es bei Bands mit überwiegend weiblichen Mitgliedern oft so, dass der Fokus schnell auf Aussehen und Outfit gerichtet wird und die Musik eine nette Beigabe ist (der enttäuschende Auftritt der zu Stilikonen erhobenen Long Blondes am Abend zuvor im Gebäude 9 ist das beste Beispiel dafür). Die vier Schwedinnen von Audrey sind davon meilenweit entfernt. Sie vermeiden jedes "Mädchen in Band"-Klischee, treten in einem schlichten aus schwarzen Blusen und schwarzen Hosen bestehenden Bühnenoutfit auf und lenken die Aufmerksamkeit der Zuschauer schnell dorthin, wo sie auch hingehört: Auf ihre Musik. Bereits mit ihrem ersten Lied "Plain Pieces" demonstrieren sie all das, was den Zauber ihrer Platte ausmacht, auch live: Vielschichtiger Gesang, der mal zerbrechlich wirkt, und dann wiederum sehr eindringlich ist. Sperrige Lieder, die trotzdem im richtigen Moment mit einer wunderschönen Melodie kontern. Ein düsteres Cello, das den Stücken die richtige Portion Melancholie verleiht und ein schleppendes Schlagzeug, das die Lieder eher ausbremst als sie voranzutreiben (während die Drummerin es schafft, dem bis dahin eher mit Gewalt und Kraftaufwand verbundenen Instrument eine vollkommen neue Bedeutung im Bandgefüge zuzuweisen, sieht sie, nebenbei bemerkt, so bezaubernd aus, dass es fast weh tut hinzugucken). Im Laufe des Auftritts betätigt sich jedes Bandmitglied als Sängerin, mal im Vorder- und mal im Hintergrund, so dass deutlich wird, dass die Band von allen vier Frauen getragen und nicht von einer Frontfrau dominiert wird. Dabei ist auch offensichtlich, dass die viel zitierten Björk-Vergleiche unberechtigt sind, da nur die Stimme von einer der vier Frauen ansatzweise an die der isländischen Künstlerin erinnert. Zwischen den Liedern wirken Audrey eher schüchtern, es gibt nur wenige leise Ansagen. Vielleicht sind sie aber auch nur etwas nervös, weil sie vor den scheinbar auch von ihnen hoch geschätzten Mono spielen dürfen. Der Auftritt von Audrey, bei dem natürlich auch weitere Highlights ihrer CD wie "Views" oder "Mecklenburg" nicht fehlen dürfen, ist natürlich viel zu schnell wieder vorbei. Bei manchem Konzertbesucher macht sich sicherlich der Wunsch bemerkbar, einfach die Zeit anzuhalten, zurückzuspulen und das soeben Erlebte noch einmal abzuspielen. Da dies aber leider nicht möglich ist, bleibt als Trost nur, dass die Band zum Glück bereits Anfang 2007 für weitere Konzerte nach Deutschland zurückkommen wird.

So wunderbar die Vorband auch gewesen sein mag, die meisten Menschen sind an diesem Abend wegen einer anderen Band erschienen. Der Auftritt von Mono wird tatsächlich heiß erwartet, und so machen einige aufgeregte Fans in den ersten Reihen schon während des Soundchecks in der Umbaupause eifrig Fotos von dem zu diesem Zeitpunkt noch in dicke Winterkleidung gehüllten japanischen Quartett. Während sich die Band hinter der Bühne noch schnell von dieser entledigt, ist der Wechsel von Umbaupause zum Auftritt ein fließender. Kaum merklich geht die Pausenmusik in düster-atmosphärische Klänge über, zu denen Mono dann die Bühne betreten. Die Musik der Band, die ganz ohne Gesang auskommt, beginnt ruhig. So nehmen die Bassisten und einer der Gitarristen während einiger Passagen auch schon mal auf einem bereitstehenden Stuhl Platz, während sie spielen. Bevor die Zuschauer, die die Musik überwiegend mit halb geschlossenen Augen und einem leichten Lächeln auf dem Gesicht genießen, allerdings zu sehr abdriften, gibt es immer wieder beeindruckende Wechsel von leise nach laut (die, wie sich beim genaueren Hingucken zeigt, von der Band mit Handzeichen abgestimmt werden), die jeden der Anwesenden augenblicklich wachrütteln dürften. Von einzelnen Liedern kann eigentlich kaum die Rede sein. Ungefähr alle 20 Minuten genehmigt sich die Band eine kurze Ruhepause und die Zuschauer haben Gelegenheit zu applaudieren. Konsequenterweise sind auf der Bühne keine Mikrophone aufgebaut, und so sagt die Band in diesen Pausen nichts, scheint aber jedes Mal darauf zu warten, dass das obligatorisch aufbrausende Stimmengemurmel der Konzertbesucher wieder abklingt. Nach vier dieser Musikblöcke ist aber auch der Auftritt von Mono genau im richtigen Moment zu Ende, bevor es letztendlich vielleicht doch ermüdend hätte werden können.

Der Veranstalter dieses Konzerts stellt später fest, dass er es in den ganzen Jahren, in denen er dabei ist, noch nicht erlebt hat, dass eine Vorband so viel Umsatz am Merchandisestand gemacht hat. Den potentiellen Käufern bleibt allerdings auch keine andere Wahl: Während sie vom männlichen Verkäufer bedient werden, sitzen einige der Audrey-Frauen im Hintergrund und schenken ihnen zum Dank ein charmantes Lächeln.

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Surfempfehlung:
www.audrey.se
www.myspace.com/audreyswe
www.mono-44.com
www.myspace.com/monojapanrock
Text: -Christina Ocklenburg-
Foto: -Christina Ocklenburg-


 
 

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