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Schlammschlachten

Hurricane Festival

Scheeßel, Eichenring
22.06.2007/ 23.06.2007/ 24.06.2007

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Hurricane 2007 - Juliette Lewis
Nach dem letztjährigen Hurricane Festival zogen wir ein begeistertes Fazit. Denn damals stimmte nahezu alles. Bands, Wetter, die neue Bühnenaufteilung, Organisation und Atmosphäre. Es war ein Festival, von dem man noch lange sprach und das nun als Maßstab gilt. Es war also von vornherein ein äußerst schwere Aufgabe, dieses Jahr ein ähnlich perfektes Wochenende zu organisieren. Eine etwas zu schwere sogar, wie man nach den drei Tagen in Scheeßel leider feststellen musste. Doch natürlich war auch die elfte Ausgabe eine tolle und im nächsten Jahr sind wir natürlich wieder alle dabei.
Wie schon 2006 gab es erneut einige Änderungen, von denen sich die Vergrößerung des Areals und das erneute Umstellen der Bühnen, als eine fast schon geniale Idee erwies. Die Main Stage stand diesmal wieder am Kopfende des Eichenrings und damit recht alleine. Denn wo früher mal die Presse campierte, war diesmal ein zweites Gelände eröffnet worden, auf dem die anderen beiden Bühnen und ein großes, überdachtes Bierzelt mit reichlich Sitzmöglichkeiten zu finden waren. Ein gutes Drittel größer wurde das Ganze, was natürlich zur Folge hatte, dass sich die knapp 55.000 Besucher herrlich verliefen und es stets genügend Platz gab. Erneut wurden Erinnerungen an frühere, an gemütliche Zeiten hervor gerufen. Der Haken an der Sache war nur, dass der Durchgang zwischen diesen beiden Arealen schon am Freitag eine reine Schlammwüste war und es auch bis zum Ende des Festivals blieb. Denn während vor den Bühnen oder in der Shoppingmeile zwischendurch Holzspäne ausgelegt wurden, blieb hier alles unangetastet. Schade. Weitere nicht ganz schöne Dinge waren mal wieder viel zu wenig sanitäre Anlagen auf dem Gelände und Zeltplätzen, der anfangs viel zu leise und viel zu schlechte Sound der Hauptbühne und die Einlassprobleme in den Innenraum eben jener. Rangeleien mit den Ordnern, Polizeieinsätze und vulgäre Wortwechsel standen hier leider auf der Tagesordnung. Oder ist das vielleicht Rock N Roll?

Um den ging es natürlich hauptsächlich an diesen drei Tagen und was ein echter Rock N Roller ist oder mal werden will, der lässt sich von solchen Kleinigkeiten oder gar Regen natürlich nicht beirren und feiert trotzdem wie ein Wilder. Gelegenheiten dazu gab es an diesem Wochenende genügend, ein mal wieder tolles und abwechslungsreiches Line-Up sorgte für kurzweilige Unterhaltung und musikalische Leckerbissen. Allen voran natürlich versprachen die drei Headliner Beastie Boys, Marilyn Manson und Pearl Jam aufregende Abende, doch auch das weitere Programm ließ keine Langeweile zu und scheuchte die Besucher von Bühne zu Bühne. Doch so sehr man sich auch beeilte, am Ende hatte man wieder zu viele Bands verpasst, die man sich vorher extra dick auf den Zettel geschrieben hat. Dabei fing es am Freitag noch recht gemütlich an. Nachdem die Damen von McQueen die große Bühne eröffneten, konnte man entspannt zu The Rakes wechseln und sich anschließend auf das erste Hurricane-Highlight freuen: Satellite Party, die neue Band des ehemalige Jane's Addiction-Sängers Perry Farrell. Musikalisch gibt es sicherlich Aufregenderes, die Show des fast 50-Jährigen aber sorgte für große Augen. Ein großkotziger Poser eben, wie es ihn nur noch selten gibt. Ja, und dann began das Planen, das Eilen, das Prioritäten setzen. Lieber bei Jet tanzen und gleichzeitig gute Plätze für Damon Albarn und The Bad, The Good & The Queen sichern und damit einen der Auftritte sehen, den manche später als einen der besten des Festivals bezeichneten, oder doch zu den Klängen von Snow Patrol knutschen und anschließend Die Fantastischen Vier aus der Nähe sehen und dabei sein, wenn die Massen das erste Mal richtigen springen und toben? Später musste sich dann auch noch zwischen den Hurricane-Dauergästen Queens Of The Stone Age, den famosen Blood Brothers und dem verfrühten Heimweg entscheiden, sicher dagegen war, dass die Beastie Boys als Headliner des ersten Tages ein natürlich arschcooles Set spielten, bei dem sich neue Instrumental-Nummern mit Alltime-Klassikern wie "Sabotage", "Sure Shot" oder "Intergalatic" vermischten und es keine Frage war, ob man sie sich anschaut oder nicht.

Der zweite Tag begann so, wie man es schon vom Vortag kannte und wie man es vom Hurricane eigentlich ja auch gewohnt ist. Mit Regen und gezücktem Festival-Zeitplan. Schon früh nämlich mussten Bands wie Fotos, Virgina Jetzt!, Mumm-Ra, The Bravery, The Films, die nicht immer einfachen Mogwai oder auch die immer einfachen The Sounds auf die Bühne, machten aber meist das Beste draus und lockten tatsächlich einige weg von ihren Grills und Schirmen und sorgten bei denen für den ersten positiven Stress. Wo hin man auch sah, überall spielten Bands. Drei Bühnen können ganz schön viel sein. Zum ersten Highlight des Tages wurde aber erst die Indie-Legende Frank Black, der meist äußerst mürrisch und fast schon arrogant auf der kleineren Bühne stand, sich aber zwischendurch auf eben dieser wälzte, Fatboy Slim anstimmte und uns einfach nicht zeigen wollte, ob er nun Spaß hatte oder nicht. Spaß machten anschließend aber sowohl die mit Johnny Marr angetretenden Modest Mouse als auch die in Fußballteam-Stärke auflaufenden Arcade Fire, ehe anschließend die richtig großen Namen ihre Auftritte hatten. Eine sichere Bank waren Bloc Party, deren Kele Okereke sich mal wieder als Ober-Sympath erwies und die ebenso mächtig abgefeiert wurden, wie die anschließend auf der große Bühne spielenden Incubus, die keinen Hit ausließen und einen der besten Gigs des Festivals ablieferten. Während im Zelt zu gleicher Zeit One Fine Day langweilten und Mute Math für heiße Ohren sorgten, holten auf der zweiten Open Air-Bühne die Manic Street Preachers ihre Hits der Marke "Everything Must Go" raus und machten die Bright Eyes klar, dass sie in den Clubs weitaus besser aufgehoben sind. Zum Abschlus griff Marilyn Manson dann zwar noch mal in die große Kiste seiner Klassiker, seine Show aber wurde trotz "Dope Show" und "Beautiful People" nicht zum erwarteten Happening. Zu langweilig war er selbst, zu leise der Sound und zu wenig euphorisch das Publikum. Das hat man schon besser erlebt.

Besser wurde am Sonntag aber nicht nur am Ende der Headliner, auch das Wetter wollte seinen Teil zur guten Stimmung beitragen und hielt das Wasser im Himmel und schickte uns dafür lieber Wärme, Licht und Sonnenbrände. Es war heiß und es wurde noch heißer, als Juliette & The Licks auf die Bühne kamen. Miss Lewis entpuppte sich als famose Rampensau, tobte und schrie und feierte wie eine Furie und ließ die parallel spielenden Porcupine Tree wie kleine Schulbuben aussehen. Schön waren die Prog-Rocker aber trotzdem. Und nach Juliette auch äußerst entspannend. Hektischer ging es dann aber wieder auf den Partys der Ska-Punkern von Less Than Jake und später bei den – leider ohne Fat Mike agierenden - Cover-Königen Me First And The Gimme Gimmes sowie den Dropkick Murphys zu. Tanz du Sau und hab Spaß! Deutlich gemütlicher, aber nicht minder euphorisch wurden die großartigen Editors empfangen und gefeiert, die die Behauptung vom Kollegen Bluhm, dass die Editors mit Sicherheit eine der besten Live-Bands dieser Tage sind, nur bestätigen konnten. Soweit sind die Kings Of Leon sicher noch nicht, ihr mit alten und neuen Songs bestücktes Set war trotzdem ein gutes und ein guter Anheizer für die im Anschluss spielenden Sonic Youth. Die hatten sich mit Mark Ibold von Pavement verstärkt und spielten sich durch ihre einzigartige Karriere. Während Moore oder Ranaldo dieses aber noch recht normal taten, glotze Kim Gordon erst völlig genervt in die Luft, ehe sie mit der Zeit immer mehr ausflippte und hemmungslos über die Bühne tanzte. Tolle Frau, tolle Songs, tolle Band – toller Gig! Das sagten manche auch über Placebo, die mal wieder einen Hit nach dem anderen aus dem Ärmel schüttelten und wie immer mit ihrem Schwulen-Image kokettierten ("We are the boys and girls from Placebo..."), am Ende aber einen nicht mehr als guten Auftritt hinlegten. Als Headliner des letzten Abends standen dann Pearl Jam auf der Bühne und einen würdigeren Abschluss konnte sich ein Festival wie das Hurricane nicht wünschen. Über 90 Minuten spielte sie sich durch ihre Karriere, ließen dabei zwar tatsächlich "Alive" aus, sorgten mit "Black", "Why Go", "Rearviewmirror", dem selten gespielten "Mirrorball"-Song "Throw Your Hatred Down" oder dem Pink Floyd-Cover "Interstellar Overdrive" jedoch für Euphorie bei den älteren und staunende Blicke bei den jüngeren Besuchern. Spätestens als Vedder erschöpft und vom Sprung zurück auf die Bühne am Knie verletzt auf den Brettern lag, anschließend aber noch die fast schon obligatorsichen "Baba O'Riley" und "Yellow Ledbetter" zum Besten gab, war klar, dass die Macher des Hurricanes vor einer sehr, sehr schweren Aufgabe stehen, im nächsten Jahr einen ähnlich fantastischen Headliner zu bekommen und ein erneut tolles Festival auf die Beine zu stellen. Wir werden dabei sein und uns das Ergebnis ansehen. Wie jedes Jahr...

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Text: -Mathias Frank-
Foto: -Mathias Frank-

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