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17. Osterrocknacht

Düsseldorf, Philipshalle
15.04.2001
Muse
Zum 17. Mal steigt also die Osterrocknacht, und auch dieses Jahr konnte sich das Line-Up wieder sehen lassen - dank der "tollen" Organisation mußten sich die ca. 7.000 Zuschauer durch ganze zwei Türen quetschen, so daß viele durch den ohnehin zu späten Einlass die erste Band des Tages, Powderfinger, verpaßt haben. Wheatus standen dann auf der Bühne. Oh, nein, wieder so eine amerikanische Poppunk Band, die versucht, sich mit mehr oder weniger durchdachten Tracks durch die Charts zu mogeln. So denken viele, aber das Album ist auf jeden Fall mehr als die extrem kommerziell gedachte Single "Teenage Dirtbag". Ja, und doch, die Jungs können ordentlich rocken. Furioser Auftakt mit "Hump'Em N' Dump'Em". Dann haben sie einige der Songs vom aktuellen Album gespielt, wobei "A Little Respect", die Coverversion von Erasure, schon auf dem Album ziemlich gelungen ist, aber live haben sie es echt auch richtig gut hingekriegt. Die Menge war begeistert, die Jungs haben nicht allzu viel gequatscht, es jedoch verstanden, das Publikum mitzureißen. Besonders Phil, der Mann, der zuständig für die Percussions, Mundharmonika und alle anderen Instrumente ist, hat sich häufig Späße erlaubt. Also Amerikaner, die zu begeistern wissen, eine frische Show bieten, ohne überflüssiges Gequatsche.
Direkt im Anschluss dann Less Than Jake. Was erwartet man da? Einen Mann mit Maske, jede Menge Perücken und Spaaaaaß!!! Genau das hat man auch gekriegt. Der Frontmann sah aus wie ein Bee Gee in den besten Zeiten und auch die Jungs von den Trompeten hatten teilweise lustiges Haar auf dem Kopf. Ein bunter Reigen alter und neuer Songs reihte sich aneinander und der Punk-Ska lud ein zum Mittanzen und Mitsingen, was die meisten auch taten. Natürlich heizte der Mann mit der Maske wieder ordentlich an, was aber - auch wie immer - gar nicht notwendig ist, denn die Band schafft durch die pure Anwesenheit und ihr wildes Springen und Laufen so Stimmung, es überträgt sich einfach. Beide Sänger gaben ihr bestes und wurden begeistert aufgenommen.

Insgesamt einen recht coolen Schweinerock-Set mit älteren ("Look At You", "Highlights"), wie neueren Stücken ("Brand New Hate" vom kommenden Album) lieferten die Backyard Babies am späten Nachmittag ab. Reichte sogar bereits für einen mittelschweren Pogo vor der Bühne, der die Lederjacken- und Mattenfraktion zu darauffolgender schneller Flüssigkeitsaufnahme nötigte. Erfreulich, wie positiv auch die neuen, unbekannten Tracks bereits ankamen. Sammler der ebenso legendären, wie mittlerweile doch auch schon etwas albernen, Schweißbandträger auf Konzerten dürfen sich zudem Bassist Johan Blomquist notieren.

Viele Worte über Thumb sind nicht wirklich zu verlieren. Nervige Sprüche und anbiederndes, marktschreierisches "Kauft die Scheibe"-Gehabe ließen lediglich den Bierumsatz im Foyer steigen.

So folgte dann mit Ash ein erstes richtiges Highlight - alleine schon, den Gig mit dem Knaller "Girl From Mars" zu beginnen, und mit dem Weezer-Cover "Only In Dreams" zu beenden - Ash sind einfach unschlagbar. Sänger Tim Wheeler mit seiner Flying-V-Gitarre ist gut gelaunt, es gibt quasi ein Best Of, das mit Songs vom ersten bis zum aktuellen Album "Free All Angels" reicht. Auch, wenn das Album noch nicht veröffentlicht wurde, kommen die neuen Songs bestens beim Publikum an, und bei "Candy" gehen Ash dann auch mal andere Wege, denn wie schon auf dem Tonträger wird hier Elektronik aus der Konserve zum Live-Sound dazugemischt, und Herr Wheeler legt mal seine Gitarre ab und singt sich die Seele aus dem Leib - kein Wunder, bei den hohen Tönen, die er in diesem Song treffen muß. "Only In Dreams", dargeboten in einer unglaublichen Version, beendet wie bereits erwähnt ihren Set, und die Worte ("My God, that's fucking brilliant!!!") des englischen Besuchers hinter uns stimmten schonmal darauf ein, was jetzt auf uns zukommen sollte.

Muse nämlich. Im Mai kommt die neue Scheibe auf den Markt, und so wurden natürlich auch viele neue Stücke ausprobiert. Frontmann Matthew Bellamy wechselte oft - auch innerhalb eines Songs - zwischen Gitarre und Keyboard, mit seiner Stimme trifft er selbst die höchsten Töne ohne Probleme, sein Gitarrenspiel ist perfekt. Auf den neuen Songs baut er dann seine Fähigkeiten noch weiter aus, so zum Beispiel bei "Citizen Erased", eine knapp 8-minütige Klang-Orgie mit rückgekoppelter Gitarre und schöner Melodie, oder auch "Feeling Good" mit seinem Orgelsound-Intro. Klar war die Begeisterung sowohl bei der aktuellen Single "Plug In Baby" als auch bei den bekannten Stücken des Debüt-Albums am größten, aber auch die unbekannten ließen überall Münder offenstehen und Augen aufleuchten. Was die drei Leute dort auf der Bühne zustande bringen, ist unglaublich. Genau wie Radiohead spielen Muse in ihrer eigenen Liga - und das schon nach nur einem Album.

Stereophonics
Die Stereophonics, für viele bereits im Vorfeld des Tages ein anvisiertes Highlight, polarisierten die Lager deutlich. Wie natürlich, im Falle einer Tour zur gerade veröffentlichten Scheibe, schon zu erwarten war, standen deren Stücke im Mittelpunkt des Sets. Dumm halt, wenn das Festivalgesetz gnadenlos zuschlägt und nur einen sehr begrenzten Zeitrahmen zulässt. Die Band um Frontmann Kelly Jones bot somit einen vergleichsweise ruhigen bis bedächtig-akustischen Auftritt. Was nicht von "Just Enough Education To Perform" stammte, wurde dem 99er Album "Performance And Cocktails" entnommen, darunter das, den meisten wohl bekannteste "The Bartender And The Thief" (seinerzeit sehr offensiv als Werbe-CD unter die Menschheit gebracht). Vom legendären wie famosen Debütalbum kam, zur sichtlichen Enttäuschung vieler in der Halle, leider gar nichts. Nicht, dass die neuen Stücke ignoriert worden wären oder einfach nicht ankamen, nein. Aber dennoch würden diese sich auf einer Clubtour in kleinerem Rahmen sicher besser machen und für die nötige Atmosphäre sorgen. Man war halt entsprechend vorgewärmt, nicht zuletzt auch durch den vorangegangenen Muse-Auftritt, und erwartete, dass es nach vorne losgehen möge. "Rooftop" beendete somit ein Konzert, welches in seiner Schönheit eigentlich hätte begeistern können, aber schlichtweg zur falschen Zeit am falschen Ort stattfand.

Was schlussendlich von der Idee zu halten war, die alternden Schweden Clawfinger zu buchen, wird Geheimnis des Veranstalters bleiben. Wie schon beim letztjährigen Bizarre-Gig zeigte sich, dass ihre Zeit und Energie einfach vorüber ist. War ja schön damals, die Crossover-Maschinerie und Songs wie "The Truth" oder "Nigger" klingen auch heute noch nach. Das tun sie aber auch ebenso gut auf den zahlreichen Parties jedes Wochenende und so lässt es sich live sehr gut auf eine Band verzichten, die seit 1993 in ihrer Entwicklung stehen geblieben ist. Die Besucher in der Phillipshalle quittierten es mit einer Massenabwanderung.

Text: -David Bluhm / Michael Kellenbenz / Nicole Schmetthans-
Fotos: -Pressefreigaben-


 
 

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