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Konzert-Bericht
 
Doom-Metal, Minimal Music und Balkan-Orchester in Sack genäht und von Wahnsinnigen in Bleischuhen zu Tode getanzt.

Oton

München, Neuland
25.08.2007
Oton
Oton heißt das Avantgarde-Trio, das in etwa so klingt, und Sommerfest des Kulturzentrums Neuland ist der Schauplatz des Geschehens. Ein abbruchreifes Fabrikgebäude, in dem noch ein paar Monate Künstlerateliers und Veranstaltungsräume untergebracht sind. Dann wird alles abgerissen und durch Bürogebäude und Wohnhäuser ersetzt. Noch kann man aber durch die kleinen Ateliers schlendern und kritisch-ironischen Kommentare zum Thema Architektur und Städtebau bzw. der Sukzession der Nutzungen im urbanen Raum in Augenschein nehmen. "Denn alles was entsteht, ist wert das es zu Grunde geht." Ein reichlich abgedroschenes Zitat, zugegeben, um so treffender aber, um den korrekten Bezug zwischen Musik und Anlass herzustellen.
Peter Tobias Lenhart (Schlagzeug), Tom Früchtl (Gitarre) und Stefan Schessl (Tasten) improvisieren. Ein Bruchstück einer Melodie, kaum mehr als zwei Akkorde lang, wird angestimmt, als Motiv kurz ausgeführt und entwickelt, um dann in qualvollem Lärm zerquetscht zu werden. Das ist echter Horror und streng genommen gar keine Musik. Klingt wie eine populistische Verunglimpfung, ist aber tatsächlich das Konzept der Formation, deren Mitglieder sämtlich aus dem zeitgenössischen Kunstbetrieb stammen. Denn Oton sind eher ein Kunst- als ein Musikprojekt. Die in der Überschrift genannten stilistischen Elemente sind nicht Selbstzweck, ihre konkrete Form der Verwurstung nicht das Ziel, sondern eben nur eines von vielen denkbaren Ergebnissen. Sie sind im Prinzip austauschbar, denn hier wird, wie gesagt, nicht wirklich musiziert: Musik wird zitiert. Mit ihr werden sozusagen jene Fragen formuliert, die in der zeitgenössischen Kunst immer wieder die formalen Aspekte der Exponate und Artefakte bestimmen, und die sich um Beschleunigung und Transformation drehen. Deutliche Bezüge lassen sich zur autodestruktiven Kunst eines Gustav Metzger erkennen, der einst seinen Schüler Pete Townsend auf die Idee brachte, am Ende eines Konzertes die Instrumente zu zertrümmern. Hier geht es nicht um Dekadenz, sondern um die Frage, was in unserer gewalttätigen Welt die angemessene Ausdrucksform ist.
Ein derartiges Konzept wirklich ernsthaft und ohne Brüche zu verfolgen, ist natürlich Unsinn und so sind Oton nicht mehr und nicht weniger ein ironischer Verweis. Das ist kurzweilig und amüsant. Zum Teil weil man stets befürchtet, dass gleich Schessls Akkordeon auf den braun glasierten Fliesen zerschellt, vor allem aber, weil das Publikum an diesem Abend sich standhaft weigert, das offensichtliche zu erkennen und so jede Menge unfreiwillige Komik zustande kommt. Viele sind begeistert, geradezu enthusiastisch und ganz aus dem Häuschen, dabei zu sein und derartig abgefahrene Musik zu hören. Und schließlich tun sie es: Sie Tanzen.
Text: -Dirk Ducar-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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