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Flucht nach Vorne

The Strange Death Of Liberal England
Blind Circus

Köln, Blue Shell
29.10.2007
The Strange Death Of Liberal England
Das Minialbum "Forward March!" von The Strange Death Of Liberal England lässt bereits Großes erahnen. Auch, oder gerade weil sich die Engländer nicht wirklich auf eine Stilrichtung festlegen wollen und irgendwo zwischen Folk und Post- und Indierock schwanken, bleibt die Frage spannend, in welche Richtung sich ihr Liveprogramm entwickeln wird. Nun ist diese großartige Band endlich auf Deutschlandtour, und Gaesteliste.de ließ es sich nicht nehmen, diese zu präsentieren - ansonsten scheint das Interesse an der Band aber weniger groß zu sein, und so ist es nicht verwunderlich, dass an diesem Abend noch eine zweite Band im Blue Shell auftritt, um ein paar Besucher mehr anzulocken.
"I Saw Evil" heißt eines der Stücke von The Strange Death Of Liberal England, und genau so könnte man das beschreiben, was sich im Vorprogramm der Engländer abspielt. Vorbands sind eigentlich eine praktischen Erfindung: Als Zuschauer bekommt man zwei Bands zum Preis von einer, erhält somit die Möglichkeit, neue Musik zu entdecken und wird bestenfalls schon einmal eingestimmt auf den Hauptact. Dieses Konzept geht heute allerdings so gar nicht auf, und man kommt ernsthaft ins Zweifeln, ob denn wirklich immer zwei Bands an einem Abend spielen müssen. Besonders, wenn sie so wenig zueinander passen wie in diesem Fall. Blind Circus aus Wiesbaden haben sich dem Rock der Siebziger Jahre verschrieben. Während sie wohl für große Teile der Anwesenden der eigentliche Headliner des Abends sind, müssen die wenigen Leute, die sich wegen The Strange Death Of Liberal England im Blue Shell eingefunden haben, eine fünfzigminütige Tortur aus übelsten Rockposen und angestaubtem Stadionbluesrock der Zirkusuniformen tragenden Band über sich ergehen lassen. Die Stimmung vor der Bühne kocht derweil bei Liedern wie "We Came To Rock" und "Higher Than High" geradezu über, selbst auf aufkeimende "Ausziehen"-Rufe wird reagiert. Man kann nur hoffen, dass The Strange Death Of Liberal England am Abend zuvor in Hamburg einen anderen Eindruck von Deutschland gewonnen haben.

Nach einer Umbaupause, in der nicht nur auf der Bühne sämtliche Instrumente ausgetauscht werden, sondern auch das Publikum vor dieser plötzlich ein komplett anderes ist, stehen die jungen Engländer schon bereit, um ihr Set zu beginnen, als Blind Circus-Sänger Paul Night noch einmal die Bühne stürmt, um auf darauf aufmerksam zu machen, dass seine Band auch T-Shirts verkauft. Die Musik der Wiesbadener mag vielleicht Geschmackssache sein, schlechtes Benehmen jedoch nicht. Als Beobachter dieser Szene ist es einem fast unangenehm, unter welchen Umständen The Strange Of Liberal England hier auftreten müssen. Auf die üblichen Rahmenbedingungen im Blue Shell (schlechter Sound und laut redendes Publikum im hinteren Bereich der Kneipe) reagieren sie mit der besten Lösung: Sie sind zunächst einmal laut. Unglaublich laut. Auch wenn das Debütalbum der Band schon ziemlich energiegeladen ist: Nichts hätte einen wirklich darauf vorbereiten können, was hier auf der Bühne vor sich geht. Die Extrovertiertheit beim Spielen der Lieder steht allerdings im Gegenteil zu dem, was sich dazwischen abspielt: Es gibt nur kurze Pausen zwischen den Liedern, in denen kaum Zeit für Applaus ist. Auf Ansagen wird verzichtet, stattdessen kommuniziert die Band mit Hilfe von riesigen Plakaten mit dem Publikum. Dort wird zu Beginn der Name der Band verkündet, später werden auf diese Art Lieder angekündigt, manchmal aber auch nur auf entscheidende Textstellen aufmerksam gemacht. "Wir sind Bandini" kann man vor "A Day Another Day" lesen. Die Besetzung an den verschiedenen Instrumenten ist nicht fest – zwischen und zum Teil auch während den Stücken wird fleißig getauscht. Kelly Jones, die einzige Frau in der Band, kann man beispielsweise an Keyboard, Bass, Glockenspiel und Schlagzeug erleben. Aber egal, wer gerade welches Instrument bedient: Der Enthusiasmus ist jedem der fünf jungen Menschen jederzeit anzumerken. Auch wenn zwei Bandmitglieder gleichzeitig auf ein Glockenspiel einhauen, hat man immer den Eindruck, dass jeder einzelne für die gerade erzeugte Spannung unerlässlich ist. Leider verzichten The Strange Death Of Liberal England darauf, ihre älteren, stark in die Postrock-Richtung gehenden Lieder zu spielen. Weniger komplex ist ihr Programm dadurch allerdings nicht. Von einigen noch unveröffentlichten Lieder sticht vor allem "Angelou, Angelou, Angelou" hervor.

Gegen Ende des Sets schreit Sänger Adam Woolway ohne Mikro einfach in den Raum hinein und ist dabei fast genauso laut wie vorher. Auf jeden Fall aber übertönt er die immer noch anwesenden Anhänger von Blind Circus, die ihre Zeit lieber damit verbringen, an der Theke zu stehen und sich zu beschweren, dass ihre Helden den Laden doch besser gerockt hätten. Auch das ist wohl Ansichtssache, auf jeden Fall aber ist es schade, dass das Interesse an einer so viel versprechenden und sympathischen Band wie The Strange Death Of Liberal England nicht so groß ist, dass man ihnen in Köln einen angenehmeren Auftrittsort bieten kann.
Surfempfehlung:
www.tsdole.com
www.myspace.com/tsdole
en.wikipedia.org/wiki/The_Strange_Death_of_Liberal_England_(band)
Text: -Christina Ocklenburg-
Foto: -Pressefreigabe-

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