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Doppelt hält besser...

Bad Religion
Steriogram/ The Flatliners

Hamburg, Docks / Molotow
03.06.2008
Bad Religion
"Das hier ist keine Bad Religion-Show, die findet ein paar Meter weiter statt", lachten die Flatliners an diesem Dienstagabend im Molotow, nachdem sie die ersten Töne des BR-Krachers "American Jesus" anstimmten. Warum? In Hamburg war der Punkrock eingefallen. Neben den Kanadiern waren eben auch die kalifornischen Urgesteine im wenige Augenblicke entfernten Docks und obendrauf die wieder vereinten Rival Schools im ebenfalls auf dem Kiez beheimateten Headcrash zu Gast. Keine einfache Situation also für die faktisch "kleinste" Band, die dann auch vor einer Zuschauerzahl im hohen zweistelligen Bereich spielen musste. Aber trotzdem eine wunderbare Show ablieferte.
Weil Bad Religion schon fertig waren, als die Flatliners anfingen, durften diese dann tatsächlich einige fleißige Besucher von nebenan begrüßen, denen 90 Minuten Punkrock aus dem Hause BR nicht genug waren. Kurzer Hand wurde das Ganze zur inoffiziellen Aftershow-Party erklärt und gemeinsam eine weitere Stunde geschwitzt und gelacht. Das Quartett outete sich als ungemein sympathisch und entspannt, erfreute sich mit den Leuten vor der kleinen Bühne an Hamburgern, deutschem Wasser und - natürlich - der Reeperbahn und nutzte den vielleicht größten Vorteil des Abends, dass es eben nicht so voll war. Intim könnte man es nennen, beschaulich, privat und gemütlich. Schön. Musikalisch tobten sich die Flatliners mächtig aus, stimmten aktuelle ("These Words Are Bullets") und alte ("Broken Bones") Nummern an, vergriffen sich zwischendurch an Rocket From The Crypt ("Born in 69") und den Suicidal Tendencies ("Freedumb") und spielten während der Zugabe den Uralt-Track "Pick Up The Brain", der es wohl noch auf kein Album gebracht hat. Und so verging die Zeit tatsächlich wie im Fluge, die hitzigen Momente im Docks waren vergessen und es wurde mehr als deutlich. Die Flatliners wären die bessere Bad Religion-Vorband gewesen.

Diese Rolle aber durften die Neuseeländer von Steriogram übernehmen - und waren leider ein wenig fehl am Platz. Denn während ihre Platte "This Is Not The Target Market" durchaus gefallen konnte, konnten die meisten Besucher mit ihrem Stilmix aus Rock und Rap nicht wirklich viel anfangen. Das lag weder an den feinen Indie-Rockern noch an der tollen zweiten Stimme des Gitarristen Brad Carter, sondern an den viel zu dominanten Raps von Frontnudel Tyson Kennedy. Manch einer dachte spontan an Bands wie die H-Blockx oder gar Mr. Ed Jumps The Gun - und das vor einem Bad Religion-Konzert! Auf der anderen Seite jedoch machte sich eben jener Kennedy mit seiner lockeren, lieben, kontaktfreudigen Art viele Freunde. Schon nach wenigen Takten spazierte er durch die Leute, kletterte später galant über deren Schultern und surfte später ein paar Runden über die Masse. Zurück auf der Bühne wurde aber leider wieder sprechgesungen...

Es war gerade 21 Uhr, als die alten Männer von Bad Religion auf die Bühne schlürften - und mit "21. Century (Digital Boy)" jugendlich-frisch loslegten. Und was soll man sagen? Auch nach 20 Jahren hat der Song nichts an Klasse und Beliebtheit verloren und die über 1.000 Fans im prächtig gefüllten Docks sangen die Nummer aus voller Kehle mit. Nach dem aktuellen "New Dark Ages" kam mit "Atomic Garden" gleich der nächste Kracher und schon jetzt hatte sich der Besuch und die Wahl als richtig erwiesen. Denn besser konnten die Rival Schools gar nicht werden! In den nächsten 90 Minuten folgte eine mal wieder überraschende Setlist, auf der sich zwar erneut Standards wie "Stranger Than Fiction", der "Punk Rock Song" oder natürlich "Infected" als erste Zugabe und "Sorrow" als finaler Rausschmeißer und neue Nummern wie "Requiem" befanden, die aber mit einigen Überraschungen aufwartete. Nummern wie "Delirium Of Disorder", "Big Bang" oder auch "Struck A Nerve" und "Man With A Mission" hört man sicher nicht auf jeder Bad Religion-Show. Die Folge aus diesen seltenen Tracks war natürlich, dass die mal wieder ohne Brett Gurewitz tourende Band auf reichlich Klassiker verzichtete, was manch einer nach der Show als einzigen Schwachpunkt des Abends ausmachte. Einige Hymnen aber natürlich stimmten Bad Religion auch diesmal an und bei aller Freude über rare Töne - bei Nummern wie dem nur famosen "I Want To Conquer The World" oder natürlich dem absoluten Konzert-Highlight "Generator" tobte jeder von hinten bis vorne, von alt bis jung, von hier bis damals. Und jeder schwitze im Docks, in dem Bad Religion schon vor über 15 Jahren gastierten. "Aber schön, dass sie die Klimaanlage noch immer nicht repariert haben...", lachte Sänger Greg Graffin, der sicher schon mal mehr Sabbelwasser vor einer Show getrunken hatte, aber sich trotzdem seine Gedanken über ihn als deutschen Präsidenten und über die Geschehnisse in China machte und gemeinsam mit seiner Band ein berauschendes Konzert spielte. Mal wieder. Bis zum nächsten Mal.
Surfempfehlung:
www.badreligion.com
www.myspace.com/badreligion
www.steriogram.com
www.myspace.com/steriogram
www.theflatliners.com
www.myspace.com/theflatlinerstoronto
Text: -Mathias Frank-
Foto: -Pressefreigabe-

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