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Exits To Freeways

Tourtagebuch 2008
Exits To Freeways
Ein paar Jungs aus Hamburg nennen sich Exits To Freeways, heißen aber auch s.l.t.v.o.t.b.o.m.h., was so viel wie Spread Like The Veins Of The Back Of My Hand bedeutet und irgendwie auf Emo schließen lässt. Und tatsächlich, auf "Spilling Drinks, Spelling Names" lassen die Musiker ihren Emotionen freien Lauf und werfen mit ihnen nur so um sich. Doch Emo? Nein. Das hier ist mehr. Das hier ist so viel. Es ist großartig. Musikalisch bewegen sich Exits To Freeways zwischen Postcore, Indie und Punkrock. Sie lärmen und wüten und frickeln so intensiv und gekonnt, wie sie auch herrlichst poppen, und straight rocken und damit eine für ein Debüt schon fast sensationell spannende Schallplatte voller Hektik, Schönheit und Komplexität gemacht haben. Ganz grob kann man Dr. Oktimus Prime (Drums), Operatur Beaverchuck (Bass) und General Houndsworth (Gitarre, Gesang) vielleicht mit At The Drive-In vergleichen. Doch das Trio ist viel zu vielfältig und eigenständig, um auf eine Band als Referenz reduziert zu werden. Sie sind Exits To Freeways. Sie waren auf Tour und haben folgendes davon zu berichten...
25.10.2008 Riepe, Padam
Exits On Freeways: Senior Operator Beaverchuck (B), Dr. Oktymus Pryme (Dr) und General Woundsworth (Git, Vox) im Ernstfall-Test auf bundesdeutschen Bühnen - Tag 1.

Nachdem das nervig-nervenzerrende Ratespiel um die Beschaffenheit des fahrbaren Untersatzes, welcher uns heute nach Riepe in die niedersächsische Walachei tragen soll, mal wieder in letzter Sekunde ein Ende gefunden hat, finden wir uns im vollautomatisierten Citroen unseres Leibfotografen David wieder - vielen Dank nochmals an dieser Stelle! Das Ding fährt fast von alleine, fehlt nur noch, dass es spricht - tut es dann auch, und das französischsprachige Navigationssystem unterhält uns prächtig, bis wir tief in den sagenumwobenen Wäldern um Scheeflel auf diese abgefahrene Ex-Jägerblockhütte namens Padam stoßen, wo außer uns heute noch Risk Of Addiction und Last Sunday spielen sollen. Die Kollegen Todde und Patrick von Everlaunch betreiben hier unermüdlich und frustrationsresistent Rockkonzerte für das ländliche Volk - big up, doods! Der eigentliche Herbergspapa jedoch empfiehlt dem General auf die Bitte nach einem Tee mit Schufl (ranzige Stimme und so) erstmal seine eigene Pisse zu trinken; und diese Geste bleibt dann leider programmatisch für den Rest des Annäherungsversuchs Exits/Rieper Crowd: Nachdem Risk Of Addiction einen gutgelaunten NoFXigen Opener hinlegen, entern wir noch mit einem Anflug von Rückenwind angesichts all der positiven Reviews für unsere Debutplatte die Bühne - und müssen deutlicher als anderswo in den Rieper Gesichtern lesen: "Darf man das gutfinden, obwohl es nach 30 Sekunden keinen Singalong-Chorus gibt? Kann man dazu mit dem Fuß wippen? Keine Ahnung, lieber nicht bewegen!" Zudem passieren noch ablauftechnische Tourstart-Unfälle wie z.B. dass sich im musikalisch hochdramatischsten Moment Oktymus' Ride-Becken vom Ständer löst und passgenau vor der Bassdrum landet plöck plöck. Wir nehmen's sportlich und überlassen den Emo-Recken von Last Sunday den "Pit". Mit der festen Absicht, sich nochmal die Grunge-Doku "Hype! Surviving The Northwest Rock Explosion" anzusehen (in der bei jedem Konzertmitschnitt hungrige Kids zu ihnen völlig fremden Bands die Tanzapokalypse proben), geht es zurück nach Hamburg, begleitet von dieser feinfühlig-feminin-französischen Stimme: "Prochaine sortie: prenez gaucheì..."

30.10.2008 Kiel, Schaubude
Da liefert man sich "für die Kunst" (pfüati Kunst!) bzw. mit dem Kauf eines neuen Gitarrenamps für den Rest des Jahres finanziell der schieren Unvorhersehbarkeit aus und dann das. Nachdem aufgrund des Abrauchens seines nagelneuen sauteueren Gitarrentopteils hektische und eruptive Emotional-GAUs des Generals die letzten Exits-Tage bestimmt haben, sieht heute alles nach Entspannung aus: Bassmann Rainer von den coolen Säuen Alias Caylon, mit denen wir die nächsten Tage Tourbus und Bühne teilen werden, holt uns mit seinem feuchten Traum von einem mit allen Schikanen ausgestatteten Sprinter extra aus Hamburg ab (!) und bringt uns nach Kiel, wo wir in der Schaubude den Rest der Posse kennenlernen und sich in der Backstageküche bei Nudeln á la Hatto (seines Zeichens Universalboss, Soundmann und chef de cuisine in der Schaubude) schnell gute Laune ausbreitet. Die sich sogar bis zum Gig hält. Exits machen heute den Opener. Nach zwei Songs ist allerdings klar: Different city, same game. Höfliches Klatschen, Zurückhaltung. Da weiß man dann nie, welchen bescheuerten Kalauer man aus der Ansagen-Giftküche holen soll. Man lässt es letztendlich auch einfach bleiben. Sorry Kiel, lag wohl an uns. Weil die Schaubude laut Aussage von Alias Caylon sonst eine enthusiastische Meute anzieht. Thays, Fin, Rainer und Fiede aka "Atze" jedenfalls böllern uns im Anschluss ihr anspruchsvolles, melodiöses, zackiges, also: GEILES Repertoirebrett um die Ohren, was den Abend zumindest für die Exits rettet. Die Clubs sterben, die Kids sind satt, aber: Das wird bestimmt lustig mit denen!

31.10.2008 Potsdam, NIL
Genächtigt wurde heute auf Alias-Rainers Privat-Ranch (Pferde! Wiesen! Kinder!) tief in der schleswig'schen Pampa. Nach Frühstück (Killer Ingwer-Quitten-Marmelade!) und Morgenspaziergang am Busen der Natur bezieht der stinkende Haufen den Sprinter und widmet sich auf dem Weg nach Potsdam wahlweise aktuellen Frauenzeitschriften, der Familienpackung Duplo oder dem Does It Offend You, Yeah? / Beta Satan-Mix auf Fins iPod.

Dank routiniertem Fahrer - "Roadie / Tourmanager / Busfahrer hab ich alles schon gemacht"-Rainer - und freier Strecke erreichen wir überpünktlich den NIL-Studentenkeller, was vom Veranstalter entsetzt-überrascht mit "Wieso seid ihr denn schon da?!" quittiert wird. Sorry! Läuft sonst eher andersrum. Trotz der wieder sehr übersichtlichen Besucherzahl ist die Stimmung an diesem Abend bestens, Backstage kommt es mit zunehmend alkoholgelockerter Stimmung zu Headbanging und Hardcoreposen. Ja, es ist lustig mit Atze!! Der Gig kann steigen! Atze wissen die Anwesenden dann auch heute durch ihre Spielfreude einzunehmen und zu überzeugen. Auch die davon beflügelten Exits spielen einen flotten runden Stiefel und können eine spontane Foxtrott-Darbietung im Publikum verbuchen. Andreas, danke dafür und für Rainers ehrliche Tränen der Rührung darüber, dass du seinetwegen mit dem Bass-Spielen angefangen hast... Welch größeres Lob kann es geben?

Nach Einpacken und Abschiedswodkas die überraschende Entdeckung, dass das Venue quasi der rückseitige Keller der atemberaubenden Potsdamer Sanssouci-Schlossanlage ist. Dies führt zu spektakulären Fotosessions, die mit Sicherheit auf einschlägigen Internetplattformen öffentlich dokumentiert werden.

01.11.2008 Berlin Mitte, Lokal
Halleluja, Berlin! Die gleißenden Neonreklamen der pulsierenden Metropole machen uns eines sehr schnell klar: Feudaler Klassizismus war gestern, Pferde und Kinder sogar vorgestern. Heute ist Berlin, heute ist Lokal, heute ist laut und dreckich, Punkrock bis zum Schluss. Außerdem ne klasse Perspektive für den Zuschauerschnitt: Wenn nur alle Funktionäre und Würdenträger von der Gästeliste kommen, wird das n Rekordkonzert! Rekordverdächtig ist heute allerdings so einiges: Hammer-Pizza, super Kicker, klasse Leute, fetter Sound, und nach und nach sogar tatsächlich Leute! Geil.

Atze natürlich fettestens, nochmal zusätzlich beflügelt von ca. 7.000 auf Fiesta gebürsteten Exilflensburgern im Moshpit, aber auch ein Exits-Shirt hab ich gesehen - dem entsprechend auch wir in Hochstimmung. Tolles Konzert, aber danach: Stress. "Alder morgen um elf is KenFM, lassma schnell los jetz" drängelt die Professionalität aus dem Hinterkopf, also kaum die Kippe danach fertig (Leute, im Lokal, darf man rauchen! Insel der Seligen in einer reglementierten Zeit wie der unseren!), da geht's los mit Schleppen. Aber so leicht will man sich ja auch nicht von ominösen inneren Stimmen und insbesondere der verdammten Professionalität gängeln lassen, und irgendwoher sind ja auch diese Gästelistenplätze für die Motor-FM-Party aufgetaucht, und jetzt ist man schon mal in Berlin und überhaupt was soll das alles!

Was von der Party übrig blieb: In Berlin gibts ne Menge American Apparel endorsende, nichtsdestotrotz wahrhaft schöne Frauen! Und, Männer, wenn ihr sie kennenlernen wollt, esst einfach mal n Apfel auf so ner Party! Weil sooo crazy ist hier sonst keiner!

02.11.2008 Potsdam, KenFM auf Radio Fritz
Naja, wir KENnen ihn ja schon,und wissen bereits, was an dem Ruf, der ihm vorauseilt, dran ist - die Caylon-Buben allerdings machen Gesichter, als ob sie jetzt auf ihren absoluten Angstgegner treffen würden. Zugegeben, Ken Jebsen will niemand zum Feind haben, aber das Schöne ist: Das muss man auch gar nicht. Der Typ ist nämlich nicht nur redegewandt par excellence, sondern auch besonders um das Wohlergehen junger aufstrebender und derbe rockender Künstler bemüht. Also gibt's vor der Sendung erstmal eine halbe Stunde Musikbiz in a Nutshell mit der 5-Punkte-zum-Rockolymp-Checkliste ("Jungs, ihr braucht ne Marke und n Robben & Wientjes-Laster, und dann..."), dann Kaffee und Brötchen, dann Alias Caylon live, zwischendurch werden in bester Polit-Klamauk-Manier weiße Westen und Investmentbanken gebastelt, dann ETF live, und zum Schluss das Action-Team aus Frankfurt - klasse Sporthosen-Spaß, sogar mit einem bekannten Gesicht - der Flo von den geilen Retrorockern Fuoco, die's jetzt leider nicht mehr gibt, taucht da turnbehost als Sänger auf, Mann, die Welt isn Dorf. Ach ja, liebes Action Team, hat euch schon mal jemand gesagt, dass eure Songs irgendwie alle gleich klingen?

Jetzt wird's langsam spät, alle haben Hunger nicht zu knapp, Kaffee und Brötchen reichen so nem echten Rocker ja kaum für einen ganzen Tag, und die kurze letzte Nacht sitzt auch noch allen ziemlich in den Knochen, also beschließen wir den Tag mit hervorragender Pizza und mäßigen Cocktails in einem alten Eisenbahnwaggon bei müdem R'n'B in Berlin Mitte. Gute Nacht.

03.11.2008 Hamburg, Grüner Jäger
Letzter Tourtag mit Atze. Heul! Wir wollen nicht, dass ihr geht! Naja, wat muss dat muss, und wir verabreden uns auf 'ne 7"-Split irgendwann bzw. auf das Hamburger Elbow-Konzert nächsten Samstag.

Im Grünen Jäger wurde umgebaut, da gibt's jetzt auf der Bühne - Symptom der Zeit - noch weniger Platz für die Bands und mehr für das DJ-Pult. Irgendwie schaffen wir es dann doch, Rainers Ampeg-Kühlschrank auf kleinem Raum zu parken, und dann heißt es ein letztes Mal: Vorhang auf für Atze! BAM BAM BAM! Hits Hits Hits! Die angereisten Flenser wissen's zu schätzen. ETF sind dann einigen, Zitat unclesallys: "auf die Dauer ein bisschen zu anstrengend", und abgründische Parallelen zwischen Großstadt (HH) und Provinz (Riepe, s.o.) tun sich auf... aber was soll's, wir haben Spaß und ziehen nach dem Gig mit Udo vom Hamburger Tonhotel-Studio und Freundin weiter in die Hamburger Aftergig-Kneipe par excellence, die "mutter" am Pferdemarkt, wo ein letztes großes Foto dieser an historischen Bilddokumenten nicht armen Tour entsteht (s. unser oder Atzes MySpace-Profil).

Fazit und gefühlter Aha-Effekt dieser Tour: a) Atze sind geil. b) Da auch die letzten großen Bands geschnallt haben, dass sich mit CDs kein Geld mehr verdienen lässt, sind die doppelt und dreifach auf Tour, was den Livemarkt heiß umkämpft macht und Kleinligisten ziemlich das Wasser abgräbt, den Rest besorgen Thomann-Instrumenten-Einsteigerpakete für 50 Euro, kostenlose Recordingsoftware, MySpace: Zu viele Bands, zuwenig Clubs = Saturation des Konsumenten, der immer weniger Geld für Musik hat / ausgibt und gleichzeitig der Meinung zu sein scheint, dass man sich auf Rockkonzerten nicht bewegen darf. Sic.

Das wird hart. Aber: Scheiß drauf, Exits - und Alias Caylon! - are here to stay. Danke an alle Beteiligten!!!

Yours, ETF

Surfempfehlung:
www.myspace.com/exitstofreeways
www.myspace.com/aliascaylon
Text: -Exits To Freeways-
Foto: -Exits To Freeways-

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Mehr über Exits To Freeways:
Tonträger


 
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