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Konzert-Bericht
 
Kleine Schottin, ganz großes Kino

Amy MacDonald
Steve Cradock/ Moke

Bochum, Jahrhunderthalle
26.02.2009
Amy MacDonald
Aufwendige Outfits, schrille Bühnenbilder und einen spektakulären Einmarsch braucht Amy MacDonald nicht, ihr Auftritt in der Bochumer Jahrhunderthalle ist wie immer – schlicht, schnörkellos und auf den Punkt gebracht. Dass die sympathische Schottin mit ihren gerade mal 21 Jahren einen Blitzstart in den Pop-Himmel hingelegt hat, dürfte mittlerweile auch der letzte Musikmuffel gemerkt haben. Kein Wunder also, dass die Musikerin, die erst letzte Woche den Echo in der Kategorie "Erfolgreichster Newcomer International" gewonnen und mit ihrem Debütalbum "This Is The Life" hierzulande bereits dreifachen Platinstatus erreicht hat, an ihre unerwartet erfolgreiche Tour noch ein paar Gigs in Deutschland und Frankreich dranhängen musste.
Die Autodidaktin, die im Alter von zwölf Jahren an einem gesegneten Tag einmal nichts besseres mit sich anzufangen wusste, als eine der im Haus herumfliegenden Gitarren ihres Vaters zu entführen und darauf rumzuklimpern, beweist an ihrem Instrument inzwischen außerordentliche Sicherheit. Die Finger fliegen nur so über die Saiten, dabei ist das ja eigentlich Nebensache, man achtet schließlich auf den Gesang, denn der ist wirklich nicht zu übergehen. Beides schafft Amy MacDonald mit links, einfach so. Dass das im Studio klappt, okay. Aber live? Da ist man schon ein bisschen baff, egal wie viel man ihr zugetraut hat.
Aber zurück zum Anfang. 26. Februar 2009, 16 Uhr, Jahrhunderthalle Bochum. Der Soundcheck von der Band ist – bei noch offener Tür, man darf spinksen - bereits in vollem Gange und vor dem Eingang tummeln sich schon ein paar besonders hart gesottene Fans. Im ersten Moment glaubt man, sich verlaufen zu haben, denn diese Kollegen sehen tatsächlich so aus, als wären sie der Metalszene zugehörig. Aber nein, man ist richtig. Auch gut, Amy MacDonald lockt also ein breites Publikum. Eine knappe Stunde später – die Tür wurde geschlossen - ertönt schließlich auch die Stimme von Mrs. MacDonald persönlich, erste Spannung macht sich breit. Um halb sieben ist endlich Einlass. Das Ende der Schlange ist vom Eingang aus gar nicht mehr zu erkennen, die 3.500 Menschen strömen nur so in die ausverkaufte Halle.

Nach einer weiteren knappen Stunde Wartezeit tritt dann die erste Vorband in Form von Ocean Colour Scene-Gitarrist Steve Cradock auf. Der promotet gerade sein Solo-Album und brachte als Unterstützung Ehefrau Sally (zuständig für die Background Vocals) und die beiden überaus putzigen Kinder mit. Die wurden an den Bühnenrand gesetzt und lenkten zwar sämtliche Zuschauer der ersten Reihen ab, konnten aber trotzdem nicht über das enorme Talent ihres Daddys hinwegtäuschen. Dem wurde nach einer halben Stunde Spielzeit zwar keine Zugabe abverlangt, aber anerkennend Beifall gespendet.

Nach ziemlich fixem Umbau ging es weiter mit der härteren niederländischen Britpop-Band Moke. In Deutschlands Lieblings-Nachbarland schon eine bekannte Größe, ließ sich das Publikum auch hier nicht lange bitten und zelebrierte der fünfköpfigen Combo zu Ehren eine gut 30-minütige Party (unsere Metal-Freunde waren besonders aktiv). Die Rocker ließen sich durch die Ausmaße des Publikums kein bisschen einschüchtern und trugen ziemlich abgeklärt sämtliche Hits ihres Debütalbums "Shorland" vor. Bis auf die mit dem übrigen Programm stark kontrastierende Ballade "The Long Way" war die sechs-Song-starke Setlist sehr stimmig und hatte durchweg Stadion-Potential. Trotz verdammt solider Leistung wird auch diese Truppe ohne Forderung nach Zusatz von der Bühne geschickt – die Spannung auf den Hauptact hat ihren Höhepunkt erreicht.

Nach weiteren kurzen Bühnenumbauten beginnt es eine Viertelstunde später langsam lauter zu werden, immer eindringlicher wird mit rhythmischem Klatschen nach dem lang erwarteten Star des Abends verlangt. Wie gesagt, viel Getue ist beim Einzug Amy MacDonalds nicht nötig, dafür ertönt ganz in charmant-patriotischem Stil mit ordentlich Trommelwirbel und knackigem Dudelsacksound eine Instrumental-Version des modernen schottischen Folk-Songs "Caledonia", zu dem erst die vier Jungs der Band und dann Amy selbst einmarschieren.

Opener des siebzigminütigen Konzerts ist der Klassiker "Poison Prince". Schon damit ist alles gewonnen und die Fans geben sich ganz dem Zauber von MacDonalds wunderschöner dunklen Stimme hin. Im Folgenden werden alle Tracks von "This Is The Life" dargeboten, einzig der auf dem Album als Hidden Track angehängte Song "Caledonia" fehlt. Aber das ist zu verkraften. Zwar sind die Stücke stärker instrumentalisiert und mit Drum- und E-Gitarren-Soli angereichert, doch die Songs werden dadurch nur noch rockiger und machen ausgelassene Feierlaune schlichtweg unausweichlich – und auch der in den Live-Versionen viel natürlichere, breite schottische Akzent ist einfach zuckersüß. Zugegeben, ein bisschen vermisst man die kleine Amy, allein mit ihrer kräftigen Stimme und der großen Gitarre, doch immerhin wird dem Publikum ein kleiner nostalgischer Moment zugestanden, als sich die Sängerin bei der ersten Zugabe, dem Springsteen-Cover "Dancing In The Dark", selbst und ohne anderweitige Instrumentalisierung auf der Akustikgitarre begleitet. Die Variante ist traumhaft und eine echte Hommage an dieses wunderbare Stück. Dass die Schottin neben ihrem musikalischen Talent auch noch über einen bemerkenswerten Humor verfügt, zeigt sie an diesem Abend ebenfalls. Als kleine Anekdote kramt sie einen Bericht über die Entstehung des Songs "The Road To Home" hervor. Der entstand nämlich, als ihr erstes Haustier, ein Hund namens Jackson, starb und sie ihren Vater das erste Mal weinen sah. Eigentlich ein bewegender Moment, sollte man meinen, doch einige Fans fühlen sich offenbar zu heftigem Applaus motiviert. "You're not supposed to clap at my dog's dying!" ist die scheinbar empörte Antwort, bevor man einmal charmant grinst und fortfährt. Amüsant war angesichts des funkelnden Rings an Amys Finger auch ihr Vortrag des Stückes "Footballer's Wife". MacDonald, die sich letztes Jahr mit dem englischen Fußballer Steve Lovell (28) vom schottischen Erstligisten Falkirk F.C. verlobte, erzählt in diesem Song von der verqueren Weltanschauung arroganter Fußballerfrauen. Also ein bisschen sarkastisch das ganze.

Doch zurück zur Musik. Nachdem neben den absoluten Top-Hits auch noch das bereits bekannte und auf der Deluxe-Edition der CD vertretene Killers-Cover "Mr. Brightside" gespielt wird, bildet den letzten Titel des offiziellen Programms das emotionsgeladene "Run". Dieser Lieblingssong Paul Wellers (mit dem die Schottin 2007 als Vorband auf Tour ging), Steve Cradocks und, wie Amy MacDonald einmal sagte, der Sängerin selbst, ist einer der absoluten Höhepunkte des Abends und wie immer unglaublich bewegend, auch wenn er diesmal ein wenig flotter daherkommt als gewohnt. Zusatz ist neben "Dancing In The Dark" auch "Troubled Soul", genau wie der ebenfalls dargebotene Titel "The Next Big Thing" ein neuer Song. Es gibt ja immer diese Angst vor dem zweiten Album. Für das Debüt hat man praktisch ein Leben lang Zeit und dann muss man innerhalb nur eines Jahres etwas vorweisen können, das mindestens dem Maßstab des bisher Produzierten entspricht. Amy MacDonald scheint diesen Druck locker wegzustecken. Alle, die einen qualitativen Abfall ihrer Musik erwartet haben, werden bitter enttäuscht sein. Die neuen Stücke sind einfach grandios. Derselbe unverkennbare Stil, dieselben authentischen Texte, nur alles abgewandelt und weitergeführt. Die Songwriterin erzählt weiterhin aufrichtig aus ihrem Leben – und das merken die Fans. Auch das wunderbar antreibende Spiel des Drummers Adam Falkner trägt dazu bei, dass die hinteren Reihen von "The Next Big Thing" kaum etwas mitbekommen: Der Song wird schlichtweg totgeklatscht. Etwas frühzeitigen Abschluss des Abends bildet "Let's Start A Band", das die berauschten Zuhörer mit einem wahnsinnig rockigem Outro auf dem stimmlichen Höhepunkt in die kalte Februarnacht entlässt.

Surfempfehlung:
www.amymacdonald.co.uk
de.wikipedia.org/wiki/Amy_Macdonald
www.myspace.com/amymacdonald
www.mercuryrecords.co.uk/group_artists.php?id=27&read=1
www.myspace.com/stevecradockthekundalinitarget
www.myspace.com/moketheband
Text: -Lisa Schmitz-
Foto: -Lisa Schmitz-

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