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Konzert-Bericht
 
Der Kopf lacht

David Byrne

Hamburg, Grünspan
21.06.2001
David Byrne
Es ist fast zwanzig Jahre her: Die Popwelt war gerade dabei, quietschende Synthesizer und elektronische Drumkits als idealen Ersatz für musikalische Ideen zu entdecken. Die Impulsgeber der Vergangenheit waren entweder physisch oder kreativ tot; die neuen Stars waren zumeist mehr oder weniger hübsche Gesichter, die nicht durch Talent, sondern duch Vermarktungspotential glänzten. Es war zum Heulen.
Dann erschien "Stop Making Sense", jener Film der Talking Heads, der neuen Mut geben sollte. Es war nicht einfach nur ein Konzertmitschnitt, sondern ein Gesamtkunstwerk. Mastermind David Byrne hatte sich ein komplettes Storyboard einfallen lassen, nach dem die Konzerte der dazugehörigen Tour abliefen. Hier war einer am Werk, der Konzerte nicht nur als Promotion für das aktuelle Album verstand, sondern als eine weitere Chance, Ausdrucksmöglichkeiten zu entwickeln. Dementsprechend war das Ergebnis zwar immer beeindruckend, aber auch leicht verkopft. So kennen wir David Byrne, und so blieb es auch lange nach dem Ende der Talking Heads.

Sein neues Solo-Album "Look Into The Eyeball" ließ jüngst erahnen, dass sich etwas geändert hat. Verspielt flirtet Byrne mit allen möglichen Popstilen, gibt sich verschmitzt und humorig, vor allem aber entspannt. Man durfte also neugierig sein, ob sich diese Lockerheit auf die Konzerte überträgt, und um es vorweg zu nehmen: Sie tut es voll und ganz. Da war zunächst die kompakte Band, die aus - Byrne eingerechnet - vier Musikern bestand. Das wahnwitzig ausgestatte Percussion-Set durfte freilich nicht fehlen, und später trat noch ein sechsköpfiges Streicher-Ensemble auf den Plan. Gleich der Opener "Nothing But Flowers" aus dem letzten Album der Talking Heads machte deutlich, dass es hier weniger um die Präsentation der neuen CD ging; vielmehr war eine unterhaltsame Rückschau auf das eigene Werk angedacht. Songs aus allen Phasen seines Schaffens reihten sich nahtlos aneinander, Schwerpunkte gab es keine. Da war "The Dream Police", Kind seiner Affäre mit südamerikanischen Rhythmen, diverse Songs seiner späteren Soloalben und einige Klassiker aus den Zeiten der Talking Heads, darunter das frenetisch bejubelte "Once In A Lifetime". Dazu konnte man einen Byrne beobachten, der Geschichten erzählte, Witze riss, mit dem Publikum plauderte und ständig lachte. Da hat jemand, in Ehren ergraut, endlich seinen Frieden gefunden und Spaß an der Sache. Keine Inszenierung mehr, sondern druckvolle, grandiose Musik, die keinerlei Hemmungen unterliegt. Byrne tobt sich aus. Als Zugabe durfte gar Whitney Houstons "I Wanna Dance With Somebody" herhalten, was angesichts des Publikums, das vor allem aus Kindern der Siebziger und Achtziger bestand, als gewagt bezeichnet werden darf. Schließlich war Byrne damals derjenige, der uns die Flucht vor genau diesem Hupfdohlen-Pop ermöglichte. Doch was soll's, jenes Jahrzehnt ist nun langsam verdaut, humorige Rückblicke sind gestattet. Entsprechend erntete Byrne für seine kleine Hommage Gelächter und jede Menge Beifall.

Als Byrne schließlich die Zeile "Who's still working on his masterpiece" aus seinem neuen Song "The Great Intoxication" sang, war klar: Byrne hat dies eigentlich nicht mehr nötig, denn er hat sein Meisterwerk längst gemalt. Zeit, sich zu enstpannen und dennoch nicht zur Ruhe zu kommen. Schön für Byrne. Gut für uns.
Text: -Christian Zeiser-
Foto: -Pressefreigabe-

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