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Ritual

Immergut Festival

Neustrelitz, Festivalgelände Neustrelitz
29.05.2009/ 30.05.2009
Immergut 2009
Es ist ja schon längst ein Ritual: Jedes Jahr freut man sich erst wie Bolle auf das kommende Immergut-Festival, besorgt Monate im Voraus die knappen Karten, lacht über die Lineup-Nörgler im Internet-Forum und lässt sich kurz vor Festivalstartschuss dann doch noch die Laune verderben - weil eine ganz bestimmte, etwas internationalere Band nicht gebucht wurde.
Die vermisste, etwas internationalere Wunschband hätte dieses Jahr gerne Phoenix sein dürfen. Aber den Veranstaltern sei - wie in jedem Jahr - verziehen: Schließlich stand dieses Jahr der zehnte Geburtstag des Festivals auf dem Programm und der sollte natürlich auch gebührend gefeiert werden. Und mit wem könnte man das besser, als mit all den Bands, die durch das Immergut groß geworden sind - und durch die das Immergut groß geworden ist?

Zehn Jahre Immergut also. Das heißt ungefähr: Zehn Jahre deutsche Indierock- und -popgeschichte. Und so gaben sich mal wieder einige der tollsten deutschen Indierockbands auf der Bühne die Klinke in die Hand. Nur wenige internationale Ausnahmen gab es in diesem Jahr zu sehen, dafür aber mit The Soundtrack Of Our Lives aus Schweden einen Headliner, der einiges wiedergutmachte.

Erstes kleines Highlight (für manche) waren jedoch zunächst am Freitagabend The Whitest Boy Alive (der Autor dieses Textes konnte aufgrund anderer Verpflichtungen erst spät am Abend anreisen, ließ sich jedoch sagen, dass Tilman Rossmy, Timid Tiger und Bodi Bill, vor allem aber Kate Mosh, Olli Schulz und Sometree schon früher am Tage sehr schöne Shows ablieferten). Mögen sich am Unterhaltungs- bzw. Schnarchfaktor ihrer Platten die Geister scheiden - an ihrer Darbietung und der Stimmung auf der Hauptbühne beim Immergut gab es nix zu meckern.

Anschließend spielten die legendären Sterne im Zelt einen vielleicht sogar schon legendären Gig und zeigten, dass sie das, was The Whitest Boy Alive heute machen, schon vor über fünfzehn Jahren besser konnten. Die Menge tobte, der Schweiß tropfte von der Decke, Frank Spilker daselbst schien die großartige Stimmung kaum fassen zu können. Kurz vor Schluss spielte man einige Songs zusammen mit Keyboarder Daniel von eben jenen The Whitest Boy Alive. Als dann auch noch Erlend Øye und weitere Bandmitglieder die Bühne enterten, war der Rave (schon vor dem Auftritt von Frittenbude) perfekt. Dennoch konnten man vielen Leuten im Publikum ansehen, dass sie sich als Schlusslied eher einen Sterne-Klassiker gewünscht hätten.

Der Samstag begann wie immer gemächlich mit netten Bands wie Hundreds, Luke und Telekinesis. Letztere könnten übrigens glatt als Death Cab For Cutie durchgehen. Mit Samba betraten dann wieder alte Helden die Zeltbühne und wärmten die Herzen der erschreckend wenigen Leute, die gekommen waren. Ihr anderen habt etwas verpasst. Voller war es selbstverständlich gleich danach bei Tomte auf der Hauptbühne - zu Unrecht: Eine lustlosere Performance eines Thees Uhlmann hat man selten gesehen. Heruntergeleierte Songs, kaum Ansagen - da schien etwas nicht zu stimmen.

Besser machten es später die großen Brüder von Kettcar: Großartige Playlist, warme Worte von Marcus Wiebusch für das Immergut-Festival und sogar ein halbes "The Sound Of Settling"-Cover (Death Cab For Cutie) - was für eine Atmosphäre.

Diese wurde aber beim anschließenden Auftritt sogar noch getoppt: Die wundervollen Pale spielten ihr allerletztes Konzert - für immer. Die Playlist bestand zu hundert Prozent aus vorher von den Fans gevoteten Hits, man kann sich also ausrechnen, dass das Zelt einer einzigen großen Abschiedsfeier gleichkam. Leider musste diese irgendwann enden. Als zum Schluss alle möglichen befreundeten Bands (außer Tomte) auf die Bühne kamen, gab es kein Halten mehr: Holger Kochs - selbst halb unter Tränen - bedankte sich etwa hundert Mal bei allen Leuten, die gekommen waren und die sich nun zu hunderten weinend in den Armen lagen. Einen schöneren Abschied kann es für eine Band nicht geben.

Mit letzter Kraft schleppte man sich nach solch emotionalen Höhepunkten dann zu Ebbot Lundberg und seinen Mannen von The Soundtrack Of Our Lives, um den Abend und das Festival standesgemäß ausklingen zu lassen.

Man durfte also wieder einmal einem wirklich gelungenen Immergut-Festival beiwohnen - herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle. Doch ausgerechnet dieser Jubiläumscharakter der Veranstaltung kam ein wenig zu kurz - hier hätte man sich doch die eine oder andere längere Ansage auch und vor allem seitens der Veranstalter wünschen können. Manch einer - so auch Ebbot Lundberg - munkelte schließlich, dies sei das letzte Immergut-Festival gewesen... was wir nicht hoffen wollen.
Surfempfehlung:
www.immergutrocken.de
de.wikipedia.org/wiki/Immergut
Text: -Felix Maliers-
Foto: -Pressefreigabe-

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