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Konzert-Bericht
 
(K)eine Alternative

German Alternative Music Awards 2000

Hamburg, Markthalle
18.11.2000
Niels Ruf
Ein grosses Mass an Idealismus darf man dem Veranstalter der ersten deutschen Award-Verleihung im reinen Alternative-Bereich schon zugestehen. Was sich allerdings am vergangenen Samstagabend auf der Bühne der Hamburger Markthalle abspielte, grenzte zumeist an Realsatire und lässt eine Fortführung dieser Veranstaltung im nächsten Jahr derzeit mehr als fraglich erscheinen.
Blixa Bargeld
Bereits die Nachricht am Vortag, dass krankheitsbedingt nicht Charlotte Roche die Moderation übernehmen konnte und durch Niels Ruf, Enfant Terrible der hiesigen TV-Musiksender vertreten werden würde, sorgte für ein gespanntes Kribbeln im Bauch. Wer daraufhin auf Provokation hoffte, sah sich umgehend bestätigt. Binnen kürzester Zeit schaffte es Ruf, einen grossen Teil der anwesenden Künstler und Plattenfirmenvertreter gegen sich aufzubringen, indem er, einem Wasserfall gleich, über den Begriff des "Alternative" philosophierte und über kurz oder lang die gesamte Veranstaltung in Frage stellte. Kurz nach Beginn der Veranstaltung hatte Phillip Boa keine Lust mehr und verließ sichtlich genervt den Saal. Er hat sich dann später bei der Preisübergabe entschuldigen lassen. Es sollte sich in der Folgezeit noch so manche Peinlichkeit an die nächste reihen. Ein sicher schön anzusehender weisser Vorhang auf der Bühne liess sich nur unter Mühen öffnen wie schliessen. Lee Buddah als Verleiher eines der vielen Awards des Abends nahm auf der Bühne Stellung zu angeblich unbezahlten Hotelrechnungen des Veranstalters. Ein sichtlich genervter Blixa Bargeld, der mitsamt den kompletten Mitgliedern der Einstürzenden Neubauten erschien, konnte nicht recht sagen, wofür ihnen der Preis denn nun verliehen wurde. Wünsche an den Moderator, er möge doch mal einen guten Arzt aufsuchen, gipfelten in einer Bierdusche, dargebracht von einem unbekannten Menschen aus der ersten Reihe.

Fast schon erschreckend, dass annähernd alle Künstler die Auszeichnung nicht im geringsten ernst nahmen, wenigstens aber zum Teil noch halbwegs gute Miene zum bösen Spiel machten. Eine komplette Aufzählung der Preisträger findet ihr am Ende dieser Seite. Die Kernfragen bleiben letztlich: Wer braucht oder wer will diesen Award eigentlich? Zudem muss sich der Veranstalter den Vorwurf machen lassen, den Bereich "Alternative" zum überwiegenden Teil im Dark/Wave-Sektor angesiedelt zu haben. Ein Umstand, der sicher nicht zuletzt durch die Kooperation mit dem Zillo-Magazin zustande kam. Symbolischer als mit dem Kurzauftritt Keith Captutos konnte der Abend jedenfalls kaum noch zu Ende gehen. Stand doch der Ex-LOA Frontmann recht wackelig und gestützt von Krücken auf der Bühne. Geht es dem Veranstalter nicht zumindest genauso, so sollte er zusätzlich aufpassen, dass ihm seine eigene Szene nicht auch noch den Boden unter den Füssen wegzieht.

Keith Caputo
Die Gewinner:

Best Single
Placebo - Taste in Men
Best Album
Einstürzende Neubauten - Silence is sexy
Artist National
Tanzwut
Artist international
Moby (USA)
Newcomer
Zeromancer (N)
Best Label
Motor
Best Liveshow
In Extremo
Honour Award
Phillip Boa
DAC Award
VNV Nation - Standing
Viva Zwei Video Award
Farmer Boys - Here comes the pain
Best DJ / Event:
Hörsturz - Grünspan (Hamburg)

Einen weiteren Bericht mit vielen Fotos gibt es bei www.spray.net.

Text: -Michael Kellenbenz-
Fotos: -Nikki Tiedtke-


 
 

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