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Konzert-Bericht
 
Gespenstische Gänsehaut-Momente

IAMX

Bochum, Matrix
23.10.2009

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IAMX
Langsam wendet er sich vom Publikum ab, setzt sich auf eine Kiste. Sein stark und abstrakt geschminktes Gesicht wird an einer Seitenwand auf eine Leinwand projiziert, die Glühbirnen über seinem Kopf beginnen zu leuchten. Scheppernd setzen die Drums ein. Dann dreht sich Chris Corner noch einmal um, fragt das Publikum, ob sie ihn noch alle sehen können. Lautes Jubelgeschrei wertet er als "ja", antwortet mit "okidoki", dreht den Zuschauern in der Bochumer Matrix wieder den Rücken zu, schließt die Augen und beginnt zu singen. Bis auf die Glühbirnen ist es völlig dunkel - die Zuschauer sollen sich auf den Text konzentrieren, vielleicht auch noch auf die Musik. IAMX kreiieren eine gespenstischen Gänsehaut-Moment - nicht den einzigen an diesem Abend.
Schon als Tom Marsh, Dean Rosenzweig, der androgyne Chris Corner und Janine Gezang zu den ersten Klängen von "Kingdom Of Welcome Addiction" die Bühne stürmen, haben sie das Publikum auf ihrer Seite. Einige Jubelschreie sind zu hören als die Melodie einsetzt, einige Fans beginnen zu tanzen, singen den Text des Titelstücks des neuen IAMX-Albums mit. Doch der größte Teil des Publikums verharrt ruhig, hört Sneaker Pimps-Mastermind Chris Corner und seinen Live-Musikern gebannt zu. Doch als wenige Minuten später der markante Basslauf von "Nature Of Inviting" einsetzt und sich eine scheinbar schmerzvolle E-Gitarre darüber legt, kommt endlich etwas mehr Bewegung in die recht ruhigen Zuschauer. Sie klatschen den Takt mit, nehmen den Beat auf und tanzen. Einige Fotografen lassen ihre Kameras sinken, starren gebannt auf die Bühne, auf der vor allen Dingen Janine Gezang herumwirbelt - ob sie nun wegen der hektischen Lichtshow nicht mehr fotografieren oder weil sie absolut fasziniert sind, lässt sich nur schwer sagen.
Vor sechs Jahren startete Sneaker Pimps-Mastermind Chris Corner mit IAMX sein Solo-Projekt, 2004 erschien mit "Kiss And Swallow" das erste Album. Zwei Jahre später knüpfte er schließlich mit "The Alternative" an die Erfolge des Debüts an. Und erst in diesem Jahr, drei Jahre später, konnten sich die Fans endlich über ein neues Album freuen: "Kingdom Of Welcome Addiction" erscheint und wird weltweit von den Fans gefeiert. In Bochum geht es derweil mit "Bring Me Back A Dog", "Sailor" und dem Titelstück des zweiten Albums "The Alternative" weiter. Noch immer scheinen die Fans nicht so recht aufgewacht zu sein. Und auch der Sound wird nicht, wie vielleicht zu erwarten ist, von Stück zu Stück besser, sondern nimmt qualitativ immer weiter ab. Es gibt einige furchtbare Rückkopplungen, dann erklingt "My Secret Friend", die neue IAMX-Single, die Chris Corner mit Imogen Heap aufgenommen hat. Der Song läutet die langsame Runde des Konzertes ein, das Licht wird gedimmt, bekommt einen blauen Farbton verpasst. Neben "Running" erklingt schließlich "I Am Terrified". Dann wenden sich die Besucher Tom Marsh, der im Off-Beat-Rhythmus virtuos auf sein Schlagzeug eindrischt - es ist Zeit für "Tear Garden" vom aktuellen Album. Auch danach bleibt es mit "I For An I" erstmal ruhig - nur der dürre, fast schon ausgemergelte Sänger schreit sich im Refrain zu scheinbar schrägen Tönen schließlich die Seele aus dem Leib. Der nächste Höhepunkt kann doch nicht mehr weit entfernt sein, so ruhig kann es doch nicht weitergehen? Kann es wohl: "Spit It Out" und "You Can Be Happy" sollen Wegbereiten für "Think Of England", mit dem IAMX den regulären Part ihres Konzertes beschließen. Brav klatschen die Fans, rufen nach einer Zugabe - wenn auch nicht so laut, wie es die Band nach ihrer großartigen, wenn auch sehr ruhigen Show verdient hätte.

Wie schon im Sommer auf dem Blackfield-Festival in Gelsenkirchen erklingen schließlich "Kiss And Swallow" und "Nightlife" in Folge. Das Publikum und auch die Band scheinen plötzlich keine Hemmungen mehr zu haben - es wird getanzt, mitgesungen, gejubelt - endlich schwappt die Stimmung von der Bühne auf die Zuschauer über. "President" bildet schließlich den Abschluss eines wundervollen Abends, der laut Setlist aber eigentlich noch nicht zu Ende gehen sollte. "After Every Party I Die", "Song Of Imaginary Beings" und "Negative Sex" sollten einen zweiten Zugaben-Block bilden. Doch das Hallenlicht geht an, Musik aus der Konserve erklingt. Schade!

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Surfempfehlung:
www.myspace.com/iamx
www.iamx.eu
Text: -Esther Mai-
Foto: -Esther Mai-


 
 

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