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Konzert-Bericht
 
Die längsten Soli des Rock N Roll

Motorpsycho

Bielefeld, Forum
04.11.2009
Motorpsycho
Bärtige Männer schütteln ihre langen Haare im Takt der Musik, schauen sich verstohlen an und geben sich lautlose Zeichen. Hin und wieder nippt einer von ihnen an einem Weinglas. Eine Hand flitzt flink über den Gitarrenhals, verharrt kurz, flitzt weiter. Selten darf sie entspannen - während der nächsten zweieinhalb Stunden überhaupt nicht. Zwei weitere Hände, die zu einem kurzhaarigen Musiker gehören, sorgen dafür, dass die Drumsticks das Schlagzeug nicht verfehlen - und das Instrument zum Klingen bringen. Und eine vierte Hand rückt ab und zu den Mikrofonständer gerade. Wenn sie nicht gerade den Bass bedient. Viel passiert nicht auf der Bühne im Bielefelder Forum: Die drei Männer, die dort oben seit ungefähr halb zehn stehen, machen einfach nur Musik. Verdammt intelligente, atmosphärische und psychedelische Rockmusik.
Motorpsycho aus Norwegen sind zu Gast, die Könige der Live-Improvisation und der längsten Soli im Rock N Roll. Bei den Musikern aus Trondheim, die 1989 den Namen ihrer Band einem Film von Russ Meyer entlehnt haben, dürfen vier Stücke auch mal über eine Stunde lang sein. Das langweilt nicht, das begeistert. Zumindest die Zuschauer im Forum. Während bei anderen Bands zwei Zugaben spätestens nach einer Viertelstunde vorbei sind, haben sich Motorpsycho gerade erst warm gespielt. Und der Gesang, der setzt manchmal auch erst nach einem Intro von über zwei bis drei Minuten ein. Ungewöhnlich, in der heutigen Zeit? Ja! Sperrig? Manchmal. Langweilig? Alles andere als das - aber nur dann, wenn es dem Zuschauer gelingt, sich völlig in die Musik von Bent Sæther, Hans Magnus Ryan und Kenneth Kapstad fallen zu lassen.
In eine Musik, die laut Beschreibung diverser Magazine einfach nur psychedelischer Rock sein soll, mal Alternativ-Metal werden sollte, aber nun doch so viel mehr zu bieten hat. Ausflüge in den Jazz sind zu entdecken, wenn Hans Magnus Ryan seiner Gitarre klageähnliche Laute entlockt und das Schlagzeug sanft untermalt - bis die Musik wieder härter wird - um schließlich wieder an Rock zu erinnern. Nicht ausgeschlossen, dass es im nächsten Moment noch mal zum Jazz zurückgeht - bei Motorpsycho scheint alles möglich - auch Country-Einflüsse sind zu entdecken. Laute Phasen werden von leisen ruhigen Passagen abgelöst. Wie der Song heißt, der gerade gespielt wird? Keine Ahnung. Aber ist das noch wichtig? Die Musik fließt ineinander über - das Publikum schwingt mit, die langhaarigen Männer schütteln ihre Haare im Takt, nippen an ihren Weingläsern und lassen sich vom immer wieder aufbrandenden Applaus der absolut begeisterten Fans nicht aus der Ruhe bringen. Motorpsycho begeistern ihr Publikum - verschaffen ihnen ein ganz besonderes Konzerterlebnis - so wie es im Bielefelder Forum schon so oft getan haben.
Surfempfehlung:
motorpsycho.fix.no
www.myspace.com/motorpsychopage
de.wikipedia.org/wiki/Motorpsycho
Text: -Esther Mai-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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