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Konzert-Bericht
 
Der Meister der Selbstinszenierung

Bela B. y Los Helmstedt

Bielefeld, Ringlokschuppen
03.12.2009

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Bela B.
Vom Meister selbst ist erstmal nicht viel zu sehen. Nur sein Schatten wird von großen, weißen Scheinwerfern angestrahlt. Bela B. steht mit dem Rücken zum Publikum, übt sich hinter der Schattenwand in bösen Rock N Roll-Posen, bis er schließlich, passend zu den Klängen von "Rockula", das Papier durchbricht und majestätisch die Treppe hinab schreitet. Dabei verteilt er Luftküsschen an seine Band und post mit sexy Hüftschwung für die Damenwelt. Die Fans quittieren dies mit zufriedenem Kreischen. Es ist der perfekte Showmoment und Belas Outfit passt zum Auftritt: Eine hippe Rockabilly-Frisur, ein silbern schimmerndes Jäckchen, ein weißes Hemd, dazu eine schwarze Krawatte mit silbernen Punkten, ein roter Kummerbund und eine schwarze Hose.
Er ist nicht nur einer der besten deutschen Rockmusiker, sondern auch ein begnadeter Unterhalter und Inszenierer: Bela B., sonst natürlich auch Ärzte-Schlagzeuger. Denn nicht nur die Songs seiner beiden Solo-Alben "Bingo" und "Code B" hat er mit in den Bielefelder Ringlokschuppen gebracht, sondern auch jede Menge Utensilien, die bei einer richtigen Rock N Roll - Show nicht fehlen dürfen: Zum Beispiel die zuvor beschriebene Schattenwand, nebst Showtreppe. Mitgebracht hat er natürlich auch seine punkig angehauchte Zweitband Los Helmstedt. Die Musiker haben sich, als sie kurz vor halb Zehn auf die Bühne stürmen, auf wundersame Weise alle in Bela-Doubles verwandelt: Mit Hilfe von Papp-Masken, die auf der Tour schon so allerlei witzigen Fan-Aktionen geführt haben sollen.

Aber mal ehrlich: Ist Belas Show nicht etwas zu pompös, zu selbstherrlich? Keineswegs. Schließlich ist es doch Herr Felsenheimer, der sich da selbst in Szene setzt - und bei dem geht nichts ohne ein ironisches Zwinkern über die Bühne. Außerdem war sein erster Auftritt des Abends, eine Stunde zuvor, eher unglamourös. In Jeans und Pulli, mit einem Ritterhelm in der Hand wirft sich Bela ins Scheinwerferlicht. Gerade noch kann er einem geworfenen Bierbecher ausweichen, als er die Bühne betritt, um seinen Support Smokestack Lightnin aus Nürnberg anzukündigen. So etwas ist keineswegs selbstverständlich, eher eine große Geste.

Eine gute Stunde später ist aus dem sympathischen Pulliträger der selbsternannte "Sexiest Mitvierziger alive" geworden, der zusammen mit seiner Band seinem Publikum die ganz große Rocknummer bietet. Die Masken fliegen bereits beim zweiten Song "Versuchs doch mal mit mir" auf die Seite, die Individualität der Musiker wiederhergestellt. Und Bela selbst erinnert an eine Mischung aus einer satanischen Kasperlefigur und einem Ersatzdarsteller eines Johnny Cash-Musicals. Seine Band, die wie eine Horde rüstiger Punks aussieht, denen irgendjemand zu viele Fransen an die "Clockwork Orange"-Kostüme genäht hat, gibt Vollgas. Und Keyboarderin Ina Paule Klink betreibt, während sie virtuos ihr Instrument traktiert, unentwegt eine so noch nicht gesehene Form des Sitztanzens.

Die Fans sind begeistert, singen jeden Song mit und nehmen jede Form der albern überspitzten Mitmach-Aktionen dankbar auf - fassen sich zu den Klängen von "1.2.3..." selbst an die Nase, recken die Armen nach oben. Nicht mitmachen will das Publikum indes zu Anfang des Konzertes zu der witzigen Ansage: "Alle, die rechts stehen, gehen jetzt bitte nach links." Das macht aber gar nichts - denn zum Mitmachen bleiben während des über zweistündigen Konzertes noch genug andere Aktionen. So scheint das Crowdsurfen, welch Wunder, bei Bela nicht verboten zu sein. Die jüngeren Zuschauer nutzen dies aus und lassen sich unentwegt über die Köpfe des Publikums nach vorne in den Fotograben vor der Bühne tragen. Und bescheren der Ringlokschuppen-Security auf diese Weise alles andere als einen ruhigen Abend.

Schlagzeuger Danny Young, Meister der Shakespeare-Rezitation, hat bei der Ansage zum Bobotanz seinen großen Auftritt. "I smell something awful", teilt er dem Publikum mit. Ob denn Hippies im Publikum seien, fragt er schließlich. Einige Fans beginnen zu jubeln. Young nimmt dies als Bestätigung auf. Aber auch die lecker duftenden Yuppies könne er riechen. Ob beide bereit zum Tanzen seien, fragt er schließlich auf Englisch. Und schon sind die Bielefelder mittendrin im Bobotanz - einem Song, der sich um das Getue der Bourgeois dreht. Oben auf der Showtreppe: Ein lebensgroßer Bela-Hampelmann, der dem Publikum vormacht, wie man den Bobo tanzt.

Während sich die Unterhaltung, das Gequatsche, die Show bei Bela solo sich auf derselben Ebene wie bei den Ärzten bewegt, unterscheidet sich der Solokünstler musikalisch enorm vom Sound seiner Erstband. Während sich die Ärzte mittlerweile meist im Rock-Mainstream wiederfinden, lebt Herr Felsenheimer im Alleingang seine Vorliebe für 60er-Jahre-Rock und Rockabilly aus. Was auf Platte oft noch sehr konstruiert klingt, bekommt live einen völlig neuen Charakter - Songs, wie "Satan, Gott und das Glück, "Traumfrau", "Schwarz / Weiß" oder "Der Vampir mit dem Colt" werden zu Partyhymnen, die begeistert mitgesungen werden. Das reißt dann schließlich auch den letzten Skeptiker mit.

Um 23.45 Uhr gehen schließlich die Bühnen-Lichter zum letzten Mal aus, das Hallenlicht geht an. Aber natürlich erst nachdem Bela zusammen mit der mittlerweile in rosa-farbenen Tüll gehüllte Keyboarderin Paule "Altes Arschloch Liebe" ins Mikrofon gehaucht hat. Fazit: Ein perfekter Konzertabend, gepaart mit perfekter Unterhaltung.

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Surfempfehlung:
www.bela-b.de
www.myspace.com/belabmyspace
Text: -Esther Mai-
Foto: -Esther Mai-


 
 

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