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Beautiful!

The Christmas Ball 2009
Covenant/ Suicide Commando/ Welle:Erdball/ Destroid

Würzburg, Posthalle
26.12.2009

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Covenant
"Würzburg! If you have got some energy left, give it to me!" - Eskil Simonsson will die Energie, die das Publikum aus dem Auftritt seiner Band Covenant zieht, spüren. Der Sänger strahlt seine Fans an, die lächeln verzückt zurück und haben tatsächlich noch Power übrig, tanzen noch etwas wilder, jubeln, klatschen und recken ihre Arme in Richtung Bühne. Es ist ihre Art "Danke" zu sagen. "Danke" für einen großartigen Auftritt der schwedischen Formation. Selten haben sie einen so wild tanzenden und gelösten Eskil erlebt. Selten war der Sound bei einem Covenant-Konzert so gut und die Songzusammenstellung so mitreißend. Sie geben ihre Energie zurück auf die Bühne. Und dass, obwohl sie schon beinahe viereinhalb Stunden Non-Stop-Live-Musik hinter sich haben. Doch von Müdigkeit ist in der Würzburger Posthalle nach den Auftritten von Destroid, Welle:Erdball, Suicide Commando und nun Covenant nichts zu spüren. Die Live-Auftritte des Würzburger Christmas Ball, einem neuen Ableger des Christmas Ball in Hannover, neigen sich zwar dem Ende entgegen - die Nacht ist indes noch jung. Und die Gothics, die nicht nur aus ganz Bayern nach Würzburg gepilgert sind, sind viel zu aufgekratzt, um schlafen zu gehen.
Früher am Abend - ungefähr 19 Uhr. Kein Geringerer als Daniel Myer (Haujobb und Covenant) darf zusammen mit Bandkollege Sebastian Ullmann das Festival eröffnen: Gemeinsam sind sie Destroid, gemeinsam stürmen sie auf die Bühne. Kraftvoll präsentieren die Leipziger einen Querschnitt ihres Schaffens - wuchtige Electro-Beats treffen hier auf weiche Synthie-Pop-Melodien. Eine großartige Mischung. Nicht nur mit alten Hits, wie "Bird Of Prey" vom letzten Album "Loudspeaker", "Bonewhite Light" und "Judgement Throne" vom Album "Future Prophecies", vermögen Destroid zu begeistern. Auch ihre neuen Tracks, die Mitte Februar auf der EP "Silent World" erscheinen werden, kommen sehr gut beim bereits tanzenden Würzburger Publikum an. Auch wenn es noch nicht so richtig voll ist vor der Bühne. Was aber definitiv nicht an der Leistung der Musiker liegt, sondern vielmehr an den chaotischen Witterungsverhältnissen in Bayern. Der Schnee ist weg - aber die Straßen sind spiegelglatt.

Kaum haben Destroid das Feld geräumt, wuseln schon die nächsten über die Bühne. Neugierig reckt das Publikum die Hälse - denn nicht irgendwelche Roadies schleppen nun massig viel Equipment auf die Bühne. Es sind die Mitglieder von Welle:Erdball höchstpersönlich, die ihre originellen Bühnenaccessoires, wie riesige Videospielautomaten, Trennwände, Drehpodeste und Scheinwerfer auf der Bühne arrangieren. Jeder Handgriff scheint perfekt zu sitzen - und so sind Honey, Fräulein Venus, Plastique und Ersatzkeyboarder Andy Catwalk schon nach wenigen Minuten startbereit. Wäre da nicht die laute Musik, die auch trotz wiederholter Lichtzeichen nicht heruntergefahren wird. Schließlich greift Honey zum Mikrofon. "Eigentlich könnten wir jetzt anfangen, wenn der DJ mal die Musik abdrehen würde", tönt es aus dem Off. Die Menge jubelt, das Licht ist aus, nur die Musik - die läuft weiter. Langsam wird das Publikum unruhig, auch hinter der Bühne rumort es kräftig. Dann endlich wird die Konserve abgedreht und es ist Zeit für Minimal-Elektronik, 60er Jahre Style und einen altbekannten Star: Den C64. "Applaus für einen kleinen Computer, der mittlerweile 27 Menschenjahre auf dem Buckel hat. Menschenjahre. Da können Sie sich ja mal ausrechnen, wie viele Computerjahre das sind", ruft Honey der Menge zu. Doch von Altersschwäche scheint der C64 nicht viel zu halten, sondern sorgt, wie jeher, für gute, elektronische Unterhaltung. Welle:Erdball steigen mit "Wir sind die Maschinen" ins Set ein, die Menge tanzt - und freie Plätze gibt es vor der Bühne keine mehr. Die im Hintergrund laufenden Videoprojektionen passen sich perfekt der Stimmung an, die Bühnenshow ist minutiös durchkomponiert. Honey und Andy im Anzug, Fräulein Venus und Plastique in hübschen und festlichen Abendkleidern - so geht es mit "8-Bit-Märchenland", "Arbeit, adelt" und "Mensch aus Glas" quer durch die W:E-Veröffentlichungen der vergangenen Jahre. Gewohnt charmant siezt Honey sein Publikum, das sich teilweise in die W:E-typischen Bühnenoutfits geworfen hat. Einige von ihnen würden glatt als Banddoubles durchgehen. Als die minimal-elektronische Fifties-Nummer "0173-1923954" schließlich erklingt, tanzen die Fans gemeinsam "Rock 'n' Roll". Mittlerweile haben sich Plastique und Fräulein Venus umgezogen: Sie tragen sexy Weihnachtsfrau-Outfits, drehen sich auf den Podesten und pusten passend zum aus den Boxen dringenden NDW-Pop Seifenblasen ins Publikum. Nach einer Stunde und einem kleinen Einblick in kommende Veröffentlichungen räumen Welle:Erdball nach "Monoton und minimal" schließlich ohne Zugabe die Bühne.

Mitten in der Pause geht ein Raunen durchs Publikum. Dies gilt nicht dem Schlagzeug-Aufbau auf der Bühne. Nein, gemeint sind die Videoprojektionen, die den nächsten Act ganz eindeutig ankündigen: Tote Menschen, ein pulsierendes Herz in Stacheldraht gewickelt und schließlich ein weißes X auf rotem Grund - diese Bilder können nur zu Suicide Commando gehören. Plötzlich durchbricht ein stampfender Bass und eine weibliche Stimme das aufgeregte Durcheinandergeplapper des Publikums. Alle wenden sich der Bühne zu - dort ist zu lesen, was zu hören ist. "Bind, Torture And Kill" - schallt mit Live-Verstärkung von Schlagzeug und Keyboard aus den Boxen. Schließlich stürmt Johan van Roy auf die Bühne. "Hello motherfuckers, hello you perverts", begrüßt er sein Publikum. Dann fegt er von rechts nach links über die Bühne, verharrt nur kurz am Bühnenrand und rennt wieder los. Das Gesicht verzieht er beim Singen zu furchterregenden Grimassen, das Mikrofonkabel hat er mehrfach um sein Handgelenk geschlungen.

Die Menge rückt trotzdem näher, tanzt sich auf beengtem Raum in Rage. In den vorderen Reihen steht schon jetzt niemand mehr still, die Hände bewegen sich im Takt Richtung Bühne. Die Stimmung in der Würzburger Posthalle - bombastisch. Brachiale Elektronik, die in Richtung Aggro-Tech geht, mischt sich mit feingliedrigen Melodien, die in Endlosschleife wiederholt werden. Über allem thront die verzerrte, finstere Stimme von Johan. Die Musik ist genauso düster wie die Themen, die Suicide Commando seit jeher behandeln: Tod, Selbstmord, Mord, gescheiterte zwischenmenschliche Beziehungen bis hin zu perversen Vorstellungen. Im Kontrast dazu stehen die glücklichen Gesichter der schwarz angezogenen Zuhörer, die Johan van Roy zujubeln und gar nicht mehr zu tanzen aufhören.

Zu "Love Breeds Suicide" werden entstellte Tote gezeigt, "Dein Herz, meine Gier" wird von dem Stacheldraht-Herzen auf der Leinwand flankiert. Bei der letzten Veröffentlichung "Hate Me" sind tätowierte Finger zu sehen, auf denen die Aufforderung zum Hassen zu lesen ist. Nach über einer Stunde hat das Publikum noch lange nicht genug. "Hellraiser" fordert es von den Musikern, die die Bühne verlassen haben. Kurz darauf erstürmen sie die Bühne erneut, legen sofort mit einem ihrer bekanntesten Stücke los. "Hellraiser" schreit das Publikum nun im Duett mit dem Sänger. Plötzlich nimmt Johan van Roy Anlauf, stoppt jedoch kurz dem Bühnenrand ab - um erneut Schwung zu holen. Mit einem Satz springt er in den Fotograben, nutzt seinen Schwung und klettert über die Absperrung. Er zollt einem Publikum Tribut, das aus einem schier unerschöpflichen Energievorrat angetrieben zu werden scheint. Van Roy und sein Publikum tanzen nun zusammen - bis die Musik schließlich aus und das Licht wieder angeht. Erschöpft, aber glücklich verlassen schließlich Suicide Commando und auch die Fans die Halle.

Aber Moment! Das Festival ist doch noch gar nicht zu Ende. Gleich sind noch Covenant an der Reihe. Und trotzdem ist die Halle auf einmal wie leergefegt. Das Publikum strömt die steilen Treppen hinab ins Erdgeschoss, der frischen Luft entgegen. Hoffentlich wollen sie nur mal Atem holen, ein klein wenig entspannen, bis der Christmas Ball in Würzburg seinem großen Future-Pop-Finale entgegenstrebt. Großartiges Finale? Der Festival-Auftritt im Hagerbachstollen in Flums, bei dem die Band keinen motivierten Eindruck machte, ließ im Vorfeld des Balls das Schlimmste vermuten. Doch dann geht endlich das Licht aus, die Zuschauer strömen in die Halle zurück. Die ersten elektronischen Bässe und Beats schallen aus den Boxen. Es sind die ersten Takte von "Stalker", dem Elektrokracher aus dem Jahr 1996. Das Publikum jubelt, die Mädels in der ersten Reihe kreischen sogar. Joakim Montelius, Eskil Simonsson und Daniel Myer stürmen auf die Bühne. Die Fans bewegen sich im Takt, strahlen noch immer übers ganze Gesicht. Covenant retten die Stimmung von Suicide Commando über die Umbaupause und setzten sogar noch einen drauf. Die Kritiker, die lieber Johan van Roy an der Headliner-Position gesehen hätten, sind still. Sie lassen sich von der Stimmung anstecken, tanzen schließlich mit - werden ein Teil des Ganzen. Covenant machen dem Publikum ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk - ein Best-Of-Set, das seinen Namen wirklich verdient hat. "Come With Us On The Train" fordert Eskil das Publikum zu Beginn von "20Hz" auf, verspricht zusammen mit seinen Mitstreitern "Ritual Noise" zu machen. Es folgen in bester Future-Pop-Manier "We Stand Alone", "Ships To Port", "Bullet", "Brave New World" und "Dead Stars". Schließlich wollen Covenant noch die Gelegenheit nutzen und dem Publikum ein neues Stück präsentieren. Und dann gibt es natürlich auch noch eine Zugabe. Und was für eine: "Der Leiermann" erklingt, die Tanzenden holen noch den letzten Rest Energie hervor. "Beautiful", haucht Eskil ins Mikrofon, strahlt übers ganze Gesicht und umarmt schließlich Joakim. Schließlich springt er zu den ersten Klängen von "The Men" im Takt in die Höhe - die Fans lassen sich anstecken, recken die Arme ein letztes Mal in Richtung Bühne und springen im Takt auf und nieder.

Kaum merklich geht der Auftritt schließlich in eine große Party über, die erst in den frühen Morgenstunden die letzten in ihr Bett entlässt. Ein grandioser Abend in Würzburg - mit vielen tollen Weihnachtsüberraschungen. Bleibt zu hoffen, dass es auch im nächsten Jahr wieder ein solch großartiges Event geben wird. Nicht nur in Hannover, sondern auch in Würzburg und Köln. Doch erstmal wird es im Frühjahr den neuen Spring Ball im Hannoveranischen Capitol geben, zu dem diesmal De/Vision, Nothern Lite und Klangstabil einladen. Und im Sommer folgen das Amphi-Festival in Köln und das E-tropolis auf dem Gelände der Zitadelle in Berlin-Spandau.

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Surfempfehlung:
www.protain.de
www.covenant.se
www.suicidecommando.be
www.welle-erdball.info
www.myspace.com/destroidmusic
Text: -Esther Mai-
Foto: -Esther Mai-


 
 

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