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Konzert-Bericht
 
Night of the Guitars

Jeff Beck
Mark Selby

Köln, Live Music Hall
12.07.2001
Mark Selby
Das ist natürlich sowohl Chance wie gnadenlos schweres Los: Als Gitarrist Vorgruppe für Jeff Beck zu sein, bei dessen Namenserwähnung andere Gitarristen wahlweise entweder einspeicheln oder ihr Instrument erbleichend zum Pfandleiher tragen. Mark Selby und seine Mannen absolvierten auf der aktuellen Tour diese Übung mit Anstand bis Bravour.
Es ging mit einer grossen Ausnahme los: Die Vorgruppe hatte einen Soundcheck, der den Namen verdiente (wovon sich alle Früherschienenen vor dem Einlass überzeugen konnten) und bekamen auch einen Sound der Extraklasse angerührt. So die extrem seltene Sorte, wo bei ordentlicher Lautstärke noch jedes Detail unterschieden werden kann und anderentags die Ohren mal keine Kinderlähmung haben. Auch durfte die Mannschaft aus Memphis und Nashville immerhin vierzig Minuten Stücke von der übrigens durchaus empfehlenswerten aktuellen CD "More Storms Coming" zum Vortrag bringen. Auf dem Programm stand also reichlich Bluesrock in Trio-Formation, stark zugeschnitten auf den namensspendenden Sänger, Gitarristen und Hauptsongwriter Mark Selby.

Und dieses Programm wusste durchaus zu gefallen. Geboten wurde das schön rollende "Smoked", "Don't You Throw That Mojo On Me" (Co-written by Kenny Wayne Shepherd), "Satisfied" (mit prächtigem "Twang" dargeboten und nicht zu unrecht John Lee Hooker gewidmet),"More Storms Coming" (spätestens ab hier hatten die sympathischen Tennessy-Rocker zumindest Teile der mit verschränkten Armen auf den Top-Act wartenden Chefmerkergilde erobert), "You're Gonna Miss My Love" und "I'm The Lucky One" sowie das schöne Climax-Cover "Seventh Son". Den Abschluss bildete "She's Like Mercury", das es verdient hätte, genauso ein Genre-Evergreen zu werden, wie etwa "Messin' With The Kid" oder "La Grange". Aber wird es das wohl jemals? Selbys Band ist wunderbar songorientiert, seine Gitarrenarbeit wirklich beeindruckend, vor allem die gelegentlich sogar an Ry Cooder oder Sonny Landreth erinnernde Slide Guitar; doch seine Stimme scheint leider nur zwei Modi zu kennen: Bei langsamen Stücken erinnert sie schmeichelhaft ausgedrückt an John Hiatt, wenn er bei anziehendem Tempo auf seine Stimme drückt, klingt es gelegentlich (mit viel Glück) nach den Beatfarmers. Aber dazwischen scheint es nichts zu geben, keine Modulation, keine Zwischentöne, auch wenn die durchaus hörenswerten Texte das durchaus vertragen könnten. Aber das war auch schon der einzige Haken bei einem ansonsten rückhaltlos empfehlenswerten Support Act zu sein.

Jeff Beck
Auftritt des Maestro. Es ist ja nicht leicht, Jeff Beck zu lieben. Als Interpret und Weiterentwickler seines Instruments ist er - zumindest wenn man Gitarristen fragt - seit Jimi Hendrix' Ableben der ungekrönte König der sechs Saiten, und das ist ja nun schon ziemlich lange... Als Komponist hingegen ist er bisweilen lausigst und immer von stark wechselnder Form - daher ist es gewöhnlich nicht ganz leicht, eine CD von ihm uneditiert zu geniessen. Und über seine Sangeskünste (belegbar anhand der Phase als Beck, Bogert und Appice) wollen wir überhaupt mal ganz schnell das Deckmäntelchen der Vergesslichkeit breiten... Und dennoch gibt es da in seinem Spiel immer wieder diese Momente puren, reinsten Ausdrucks. Keine Griffbrettraserei à la Inge (sorry: Yngwie!) Malmsteen oder Eddi Van Halen, sondern eher eine bisweilen schon fast bedrückende Intensität des Spiels, am ehesten vielleicht noch Joe Satriani vergleichbar, der aber stilistisch andere Jagdgründe hat, als unser vor weit über 30 Jahren mit den Yardbirds berühmt gewordener britischer Saitenhexer. Der selbst bei Konzerten nie irgendein Aufhebens um seine Person macht. So schlich er sich fast zu den überirdisch einschwebenden Klängen von "Where Were You" fast auf die Bühne. Konzentrierte sich ganz auf sein Spiel, das den Zuschauern immer wieder mal ein ungläubiges "Wie macht der das bloss?" entlockte. Liess aber auch seiner vorzüglichen Begleitband viel Raum - allen voran seiner zweiten Gitarristin, Jennifer Batten, die Autoren-Credits auf der aktuellen CD "You Had It Coming" hat, selber solieren durfte und mit dem alten Muddy Waters-Stück "Rollin' and Tumblin'" den einzigen ungesampleten Vokalbeitrag des Beck-Sets beisteuerte. Musikalischer Höhepunkt des Abends waren aber wohl Becks anrührende Version von "A Day In The Life" der Beatles, "Nadia" von der aktuellen CD sowie der Power-Reggae "Behind The Veil" von seinem vielleicht gelungenstem Album "Guitarshop".
Text: -Klaus Reckert-
Fotos: -Pressefreigaben-

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