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Glücklich miteinander

18. Haldern Open Air - 1. Teil

Rees-Haldern, Alter Reitplatz Schweckhorst
10.08.2001

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Muse
Ein Wochenende auf dem Lande, etwas über 5.000 Menschen tummelten sich auf dem Alten Reitplatz Schweckhorst im niederrheinischen Rees-Haldern zum diesjährigen Haldern Open Air, inzwischen in der 18. Auflage. Die frische Landluft mischte sich immer wieder mit musikalischen Genüssen, die dieses Jahr zum großen Teil von der Insel kamen und natürlich mit dem recht guten Wetter. Schade eigentlich, daß Sigur Ros, Grandaddy und My Vitriol dann leider doch noch abgesagt hatten. Schade auch, daß die wenigen Dixi-Klos schlecht verteilt dafür aber recht sauber waren (sauberer als manches Zelt). Schön, daß das Wetter mitgespielt hat. Schön, daß es das Haldern Open Air gibt. Aber fangen wir mal von vorne an.
Nachdem man das Festival- und Campinggelände erreicht hat (wenn man denn die kleinen Wegbeschreibungs-Papptafeln, die teils auch noch von Büschen überdeckt waren, nicht übersehen hat), konnte man sich direkt auf der Zeltbühne Wunschkind sowie die rockenden belgischen Bands Starfighter und COEM anhören - es stellt sich aber die Frage, wieso man überhaupt ein Festival-Zelt braucht, wenn an beiden Tagen nur eine Handvoll Bands zu teils unschönen Uhrzeiten dort auftritt und das Zelt ansonsten brach liegt?!? Das könnte man sich evtl. in Zukunft sparen, und auch der Einlaß zur Mainstage muß einfach reibungsloser und vor allem früher stattfinden, denn Blackmail mußten vor relativ wenigen Leuten den Tag auf dem Hauptgelände eröffnen. Das haben sie aber trotzdem gut mit ihrem Alternativ-Rock hinbekommen, obwohl Sänger Aydo textlich nicht recht bei der Sache war - was da wohl wieder im Spiel war?!? Im Zweifelsfalls wahrscheinlich wieder Jägermeister. Egal, ein guter Auftakt, der von den Damen und Herren von Krezip aus Holland problemlos aufgegriffen wurde - zum Teil auch dadurch, daß die ersten paar Reihen mit Fans aus Krezips niederländischen Heimat bevölkert waren, denn dort ist ihre erste Scheibe schon letztes Jahr erschienen, dieses Jahr folgt dann auch Deutschland. Sängerin Jacqueline Govaert weiß mit ihrer energischen Bühnenshow, wie man die Leute zum Rocken bringt, ihre KollegInnen an den Instrumenten erledigten den Rest. Danach wurde es dramatisch - Neil Hannon mit seiner Divine Comedy standen auf dem Programm. Neil wie immer lässig auf der Bühne (inklusive einer Sonnenbrille, mit der er locker als Johnny Depp-Double in "Blow" hätte durchgehen können), präsentierte mit großer Backing-Band seine musikalischen Mini-Dramen, gut ausgesucht aus allen bisher erschienenen Tonträgern, live allerdings ein wenig rockiger als auf Platte. Natürlich war die Stimmung groß, als "Perfect Lovesong" gespielt wurde, denn dies war der Soundtrack zum Werbe-Trailer, der seit Juli im Musik-TV ausgestrahlt wurde und somit allseits bekannt war. Neil brauchte dieses mal auch nicht die Frage stellen, ob denn überhaupt jemand Divine Comedy kennt - das macht er ja gerne auf Festivals. Die Anwesenden konnten vieles mitsingen.

Ob JJ72 aus Irland auf der Bühne überhaupt Spaß haben, ist die große Frage, denn Sänger und Gitarrist Mark, Bassistin Hilary und Drummer Fergal verziehen selten mal eine überflüssige Miene, hier wird ein ernsthaftes Konzert mit großen Gefühlen geboten - manch einer bezeichnet Marks Gesang zwar als Gekreische, aber das ist nunmal Geschmackssache. Er singt halt in sehr hohen Regionen, und die sind nicht für alle Ohren geeignet. Das viele Live-Spielen hat sich inzwischen auch bezahlt gemacht, denn technisch sind die Songs nahezu perfekt, Mark weiß die Feedback-Attacken und sonstigen Gitarren-Effekte gezielt einzusetzen, zwar hadert er ab und zu mal mit einer technischen Fehlfunktion irgendeines der Geräte, aber selbst das sieht noch gewollt aus und führt zu einem beeindruckenden Konzert-Erlebnis. Es wurde natürlich überwiegend Material vom Debüt gespielt, dazu gesellten sich noch einige B-Seiten. Der Auftritt von JJ72 endete wie fast immer mit einer kleinen "Ich hau jetzt den Verstärker mit der Gitarre klein"-Aktion und es war schonmal ein kleiner Vorgeschmack in Punkto Intensität und Hingabe auf der Bühne auf das, was im Anschluß folgen sollte: Muse. Parallel zu JJ72 steht die Stimme des Sängers, die Melodie und die Gitarre im Vordergrund. Matthew Bellamy im Fall Muse beherrscht ebenfalls die sehr hohen Tonlagen und seine Gitarren-Einsätze sind ähnlich mit Effekten beladen, dazu übernimmt er die Keyboards-Parts auch schonmal selbst. Gespielt wurden viele Stücke der aktuellen Scheibe, "Origin Of Symmetry", als Highlights seien hier "Citizen Erased", "New Born", das Nina Simone-Cover "Feeling Good" und natürlich die Single "Plug In Baby" genannt, hinzu kamen noch einige Songs vom Vorgänger, "Showbiz". JJ72 und Muse haben somit die intensivsten Konzerte des Festivals abgeliefert - das konnte man schon am Ende des ersten Tages absehen.

Viele Leute dürften dann evtl. Kelis verpaßt haben, denn zuerst hieß es, daß die gute Frau nun doch nicht im Zelt, sondern auf der großen Bühne auftreten werde, dann kam im Anschluß an Muse die Durchsage, daß Kelis nun schon in einer halben Stunden starten wird, und die eigentlich geplanten Mo Solid Gold somit nach Saul Williams den Freitag Abend abschließen werden. Solche Programm-Änderungen hätte man ruhig etwas früher durchgeben können. Aber Samstag ist ein neuer Tag und es sollte großartig weitergehen...

Weiter zum 2. Teil...


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Text: -David Bluhm-
Foto: -David Bluhm-


 
 

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