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Konzert-Bericht
 
We Will Never Let You Go

The Notwist
Portmanteau

Hamburg, Fabrik
15.04.2010
The Notwist
Zu Beginn des Abends war die Hamburger Fabrik noch angenehm mäßig gefüllt: Genügend Platz für alle, keine Schlangen an den Biertheken, freie Platzwahl - herrlich. Das dies jedoch nicht so bleiben sollte, war angesichts des großen "Ausverkauft!"-Schildes am Eingang von vornherein klar. Leider. Denn genau dieser Umstand sollte zum großen Wermuthstropfen des Konzerts werden.
Als "Vorband" fungierte das Electro-Duo Portmanteau aus München. Nach eigenen Angaben machen die beiden "Schlagtronik". Im Klartext bedeutet das, dass einer von beiden Schlagzeug spielt, während der andere an seinem abgeklebten Macbook herumspielt und alle möglichen Effekte produziert. Insgesamt geriet die Darbietung der Münchner wenig abwechslungsreich und eher höhepunktlos, sodass man sich nach etwa einer halben Stunde Spielzeit langsam fragen musste, ob dies nun eigentlich schon das zweite oder immer noch das erste Stück war. Derartige Musik eignet sich vielleicht (für manche Leute) für lange Nächte im Club, vor einer Band wie The Notwist haben Portmanteau aber wenig zu suchen. Schon gar nicht, wenn der Auftritt auch noch eine Dreiviertelstunde dauern muss.

Nach einer halbstündigen Divenpause (das komplette Set stand bereits und das minimale Equipment von Portmanteau wurde nach deren Auftritt zügig abgebaut) standen um viertel nach zehn nun endlich The Notwist auf der Bühne. Obwohl Sänger Markus Acher erkältet war, kam die Band von Beginn an gut in Stimmung. Das ist bei den Weilheimern ja auch nicht unbedingt jedes Mal der Fall. "Boneless" diente als Opener, mit "Pick Up The Phone" und "One With The Freaks" wurden schon früh zwei der schönsten Lieder der legendären "Neon Golden"-Platte zum Besten gegeben und somit - im Kontrastprogramm zu Portmanteau - schon frühe Höhepunkte gesetzt. Das Publikum dankte artig, wenngleich das grandiose "One With The Freaks" wie immer ein wenig lieblos heruntergeleiert rüberkam. Im Folgenden spielte die Band eine wirklich tolle Mischung von Songs aus fast allen Schaffensphasen. Natürlich fanden "Neon Golden" und das aktuelle Studioalbum "The Devil, You + Me" besondere Beachtung, aber auch ältere Stücke, z.B. von "Shrink" wurden hinreichend dargeboten.

Die Erkältung war Achers Stimme kaum bis gar nicht anzumerken, seine Mitstreiter gut aufgelegt, immer wieder lustig anzuschauen: Console alias Martin Gretschmann mit seiner Wii-Mote, mit der er für die Effekte sorgt. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch leider der angekündigte Zustand der Unerträglichkeit in der Fabrik eingetreten: Die Leute schoben sich immer dichter zusammen, Rücksicht wurde keine genommen. Es war derartig heiß und stickig, sodass schließlich nur noch die Flucht an die Ränder des Bühnenraums übrig blieb. Man muss jedoch wissen, dass man in der Fabrik nur in der Mitte etwas sehen kann, da an den Seiten alles mit Stützpfeilern verbaut ist. Großartig. The Notwist schafften es jedoch, mit einer guten Performance den Abend versöhnlich ausklingen zu lassen: Das absolute Highlight des Konzerts war ohne Frage die etwa zehnminütige Version von "Pilots", die mittlerweile ja zum Glück zum Standardrepertoire der Band gehört: Immer wieder verlassen The Notwist die ausgetretenen Pfade der Studioversion des Stücks und entfernen sich mit Elektrogebleepe und stahlhartem Gitarrengewitter meilenweit von diesen - nur um dann plötzlich wieder mit dem bekannten Refrain einzusetzen. Phänomenal, virtuos, einfach wow. Ein weiterer Höhepunkt war das wunderschöne "Gloomy Planets" vom aktuellen Album, das ebenfalls zu epischer Länge ausgebreitet wurde.

Nachdem man dann um kurz nach halb zwölf die Bühne verlassen hatte, gab es als erste Zugabe das ganz große Gefühl mit "Consequence" zu hören. Es folgten "Day 7" und als letztes Stück "Solitaire". Nach abermaligem Verlassen und Wiederbetreten der Bühne spielten The Notwist für alle alten Hasen das unvermeidliche "Chemicals" - wie immer ergreifend. Den perfekten Abschluss des Abends bildete aber "Gone Gone Gone" als allerletzte Zugabe. "We will never let you go," singt Acher und trifft damit den Nagel auf den Kopf: Die Songs von The Notwist lassen einen nicht los, selbst wenn die Band mal einen schlechten Tag hat, was an diesem Abend zum Glück nicht der Fall war. Auch Achers immer noch "latent" bajuvarisches Englisch wird sich niemals ändern und man muss sich langsam fragen, ob das eigentlich noch Unvermögen oder schon Masche ist. Die Band: Wie immer zurückhaltend, diesmal aber doch sympathisch, ja fast herzlich. "Neon Golden", dieser Meilenstein, das Meisterstück, zum Jahreswechsel erst von allen relevanten Musikmagazinen völlig zu Recht zu einem der wichtigsten Alben der letzten Dekade gewählt, wird auch für immer das Album bleiben, an dem The Notwist sich abarbeiten müssen. Aber das muss ja nichts Schlechtes sein, wie dieses Konzert zum wiederholten Male beweisen konnte.
Surfempfehlung:
www.notwist.com
www.myspace.com/notwist
de.wikipedia.org/wiki/The_Notwist
www.lastfm.de/music/The+Notwist
www.myspace.com/portmanteaumusic
www.lastfm.de/music/portmanteau
Text: -Felix Maliers-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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