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Konzert-Bericht
 
Strahlend blau

Area4 Festival - 1. Teil

Lüdinghausen, Flugplatz Borkenberge
20.08.2010

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Area4 Festival
Strahlend blauer Himmel, Temperaturen weit jenseits der 20 Grad und etwas Wind - das perfekte Festivalwetter. Genau das nutzen gerade 23.000 Besucher in Lüdinghausen auf dem Flugplatz Borkenberge aus: Das Area4, gestartet als kleines Festival mit rund 5.000 Besuchern, erfreut sich immer größerer Beliebtheit.
Sie recken ihre Fäuste zum Himmel, schreien die Textzeilen mit und tanzen ausgelassen - der britischen Band Placebo bietet sich ein gigantisches Bild aus ihrer Bühnenperspektive. Viele der Besucher stehen am Freitagabend auch um kurz vor eins in der Nacht vor der Bühne und feiern die Hauptband des Abends. Dabei haben sie bereits ein straffes Programm hinter sich. Anreise, Zeltaufbau und eben die ein oder andere Band anzuschauen.

Während es im vergangenen Jahr einen riesigen Stau vor dem Parkplatz gab und viel zu wenig Zeltplätze, läuft in diesem Jahr alles reibungslos. Stau gibt es nur wenig, Zeltplätze sind ausreichend vorhanden. Und so können die Besucher, die in diesem Jahr zum größten Teil schon donnerstags angereist sind, bald alle bestens gelaunt in Richtung Bühne aufbrechen. Dort wartet bereits der Festival-Opener, Alain Johannes, auf die Gitarren-hungrige Meute. Der ehemalige Bassist und Gitarrist der Queens Of The Stone Age beginnt sein Set ruhig, bleibt im Mittelteil ruhig und auch am Ende ist es dann doch eher... ruhig. Die perfekte Musik, um sich zu entspannen, sich in Ruhe auf dem Festivalgelände umzuschauen und das ein oder andere Einkaufsschnäppchen zu machen. Um jedoch vor der Bühne für richtig ausgelassene Stimmung zu sorgen, fehlt dem Musiker definitiv der ein oder andere Ohrwurm. Dennoch sind die, die vor der Bühne ausgeharrt haben, begeistert, fordern nach 35 Minuten Spielzeit eine Zugabe und spenden begeistert Applaus.

Schon auf der Hinfahrt im Shuttlebus wurde der Auftritt von Thrice heiß diskutiert. Die einen kannten die Band überhaupt nicht, die anderen überschlugen sich vor Lob für die Post-Hardcore-Band aus Amerika. Neugierig waren nicht wenige und so strömten tatsächlich schon am frühen Nachmittag die Massen in Richtung Bühne. Vorschuss-Lorbeeren? Keinesfalls. Schade nur, dass auch sie nur eine kurze Spielzeit ergattern konnten. Die Jungs aus Kalifornien setzten die Maßstäbe für die anderen Bands verdammt hoch - ihre Musik, selbst Post-Hardcore benannt, erinnert an Bands wie Jimmy Eat World, die ja eher dem Emo zugerechnet werden. Egal, welches Etikett nun drauf steht - ein grandioser Auftritt.

Für einen Schock insbesondere bei den weiblichen Fans sorgte Biffy Clyro-Sänger Simon Neil, der mit einer wilden Frisur, platinblonden Haaren und einem Vollbart auf die Bühne stürmte. Selbst die Fotografen konnten ihr Erstaunen nicht verbergen. Denn Neil sah nicht mehr wie der beliebte, smarte Sänger aus, sondern eher wie ein Hippie aus den 70er Jahren. Die Gitarre saß wie immer knapp unter den Achseln, dazu gab's einen reich bebilderten nackten Oberkörper und enge, kobaltblaue Hosen zu roten Chucks. Zum Glück hatte sich musikalisch jedoch nichts verändert, wie sich während des skurrilen, aber energiegeladenen Auftritts der Schotten zeigte.

Bela B. hatte es eilig: "Wir haben nur 45 Minuten, ich darf nicht so viel reden", entschuldigte sich der sonst dauerquasselnde Entertainer für seine Schweigsamkeit. Er legte seinen Schwerpunkt lieber auf die Musik - und brachte die größten Hits seiner beiden Solo-Alben "Code B" und "Bingo!" zu Gehör. Mehr Zeit zum Quatschen hatte er bei seinem Auftritt 2008 mit den Ärzten - wenn man nachrechnete wie viel er da geredet hatte, dann reichte das auch noch für seinen Solo-Auftritt 2010. Mit dem groovigen "Gitarre runter" startete er schließlich ins Set, weiter ging es mit Songs wie "Versuchs doch mal mit mir", "Ninjababypowpow", "Altes Arschloch Liebe" und "In diesem Leben nicht". Um ein perfektes Set zu spielen fehlten Bela indes noch mindestens weitere zwei Stunden und Songs wie "Rockula" oder den "Bobotanz". Großartig, lustig und unterhaltend wie immer - auch wenn nicht künstlerisch höchst wertvoll.

Diese Kategorie erfüllte dann lieber die nächste Band: Die Editors aus London starteten mit dem extrem sperrigen, aber wundervollen "In This Light And On This Evening" in den Abend. Feuerfontänen erleuchteten den Abendhimmel, das Publikum vor der Bühne tanzte glücklich zu den Klängen der Briten, die in diesem Jahr einen wahren Festivalmarathon hinter sich gebracht haben. Mit "An End Has A Start", "Bones" und "Bullets" ging es in die Indierockige Geschichte der Editors zurück, bis es mit "Eat Raw Meat - Blood Drool" wieder elektronisch-verspielter wurde. Elektronik und Rock, miteinander vermischt, so sollte es schließlich auch weitergehen. Mit ihrem Best Of-Set begeisterten sie schließlich nicht nur die alteingesessenen Fans, von denen manche mit der neusten Veröffentlichung nur noch wenig anfangen konnten, sondern auch die, die über die Hit-Single "Papillon" zur Band gestoßen sind. Die hebt sich die Band natürlich bis ganz zum Schluss auf. Doch auch schon vorher hängen die Zuschauer an den Lippen von Tom Smith, der wie wild geworden über die Bühne tobt, singen jede Zeile mit, begrüßen die ersten Klänge jedes Songs, egal ob alt neu, mit wohlgefälligen Jubelschreien. Die Lichtshow, getragen von den LEDs im Hintergrund, untermalt die düstere Grundstimmung der Songs perfekt. Zum Schluss kommen auch noch einmal die Feuerfontänen zum Einsatz - ein würdiger Abschluss eines perfekten Konzertes.

Die nächste Band, auf die sich so viele Zuschauer gefreut hatten, enttäuschte. Nicht etwa, weil sie schlecht waren - nein, vielmehr, weil ihre Qualität nicht mehr zu beurteilen war. Schon beim Soundcheck wird der Bass so heftig aufgedreht, dass einige Zuschauer aus den ersten Reihen flüchten. Andere wiederum harren aus: Schließlich gibt es nicht jeden Tag einen Auftritt der legendäre Queens Of The Stone Age zu bestaunen. Und schließlich ist es ja nur der Soundcheck. Doch auch beim ersten Song "Misfit Love" wird es nicht besser - die meisten, die genau vor den Bassboxen stehen, geben schließlich auf. Selbst etwas weiter hinten kann der Sound nur noch als schmerzhaft beschrieben werden. Schade, denn die Jungs um Josh Homme sind bestens gelaunt, spielfreudig - und präsentieren einen wunderbaren Querschnitt aus ihrem Schaffen. Der jedoch leider nicht so richtig zu hören war. Die Tücken der Technik... zum Glück sollten diese während des gesamten Wochenendes nicht allzu häufig zuschlagen.

Noch haben alle ein klein wenig Zeit, um einmal tief durchzuatmen - das hypnotische Intro von Placebo schallt gerade aus den Boxen, die Bühne ist in blaues und rotes Licht getaucht, künstliche Nebelschwaden wabbern über den Boden. Kaum zu erkennen, was gerade vor sich geht. Doch dann geht auf einmal das Licht an, die ersten Klänge von "Nancy Boy" sind zu hören, Brian Molko stürmt zu seinem Mikrofon auf der linken Seite, Stefan Olsdal orientiert sich nach rechts. Und zwischen den beiden, da thront er: Steve Forrest, der seit einiger Zeit die beiden Musiker am Schlagzeug unterstützt. Während viele Fans noch während der Tour 2009 gemotzt hatten, dass zu wenig alte Hits gespielt wurden, dass der Funke nicht so recht übersprang, werden sie auf dem Area4 mit einem Rundum-Glücklich-Paket verwöhnt. Wie schon auf dem M'era Luna spielen sich Placebo quer durch ihre Werke: "Ashtray Heart" und "Battle For The Sun" vom neuen Album stehen weit vorne im Set, dann kommen mit "Bionic" und "Every You, Every Me" zwei absolute Placebo-Klassiker. Als Molko die ersten Takte des Songs auf der Gitarre anschlägt, mit dem er und Olsdal in Deutschland 1998 die ersten Erfolge feierten, schnellen die Arme nach oben, die Menge klatscht begeistert mit. Einige bengalische Fackeln werden gezündet, die Fans lassen sich jedoch nicht stören, klatschen und tanzen weiter zu dem schnellen Stück mit. Bei "Special Needs" gibt es nochmal eine kleine Verschnaufpause. Doch insbesondere die Mädchen in den ersten Reihen nutzen die Gelegenheit, um Brian Molko ausgiebig zu beobachten, wie er versonnen auf seiner Gitarre spielt, die Augen geschlossen, sie nur öffnet, wenn er zu singen beginnt. Wenig später, ist dann auch der letzte Kritiker überzeugt: "Ey, die covern ja Nirvana", ruft der junge Mann aus, der sich vorher eher für Bier, aber nicht so sehr für die Musik interessiert hat. Das Cover von "All Apologies" hat nun auch seine Aufmerksamkeit in Richtung Bühne gelenkt. Dort drehen Placebo für den Schluss noch einmal so richtig auf: Zu "Song To Say Goodbye", "The Bitter End" und schließlich "Post Blue", "Infra Red" und "Taste In Men" darf bei den Zugaben vor, hinter und auf der Bühne nochmal richtig abgefeiert werden.


Weiter zum 2. Teil...

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Surfempfehlung:
www.area4.de
Text: -Esther Mai-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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