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Konzert-Bericht
 
"Dankeschön, mein Schatzi!"

Eels

Berlin, Astra
10.09.2010

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Eels
Mit der Berlin Music Week hatte der Auftritt der Eels im Berliner Astra wahrlich nichts am Hut, dennoch schlich sich das Gefühl ein, dass genau an diesem Ort ganz unabhängig vom Popkomm-Geschehen eines der größten musikalischen Highlights der Woche auf das Publikum wartete. Mark Oliver Everett oder auch schlicht E genannt, besuchte die Hauptstadt schon kurze Zeit nachdem er mit "Tomorrow Morning" letzten Monat das dritte und letzte Puzzleteil seiner Album-Trilogie veröffentlichte.
Vor ausverkauftem Hause spielte sich E samt seiner vierköpfigen Band im Rücken durch ein musikalisch sehr ausbalanciertes Set, das nicht nur einen eindrucksvollen Querschnitt seiner Karriere darstellte, sondern im selben Atemzug mit viel Unterhaltungspotenzial aufwartete. Bekam "E" vor kurzem in London noch das negative Ausmaß seines beachtlichen Bartwuchses zu spüren und musste die Polizei davon überzeugen, keine terroristischen Pläne zu verfolgen, schien ihn in Berlin nichts dergleichen von seinen Bühnenaktivitäten abzuhalten. Keine Frage, dass der Bart natürlich weiterhin sein pfiffiges Mundwerk umspielte. Zusammen mit schwarzer Sonnenbrille, Biker-Kopftuch und unschuldig wirkendem, weißem Ganzkörper-Anzug verhüllte sich der Kopf der Eels auf voller Konzertlänge so gekonnt, dass dem Publikum optisch keinerlei Einblicke gewährt wurden. Dafür bekam der Zuschauer jedoch anhand der zutiefst persönlichen, vorgetragenen Songs einen weitaus tieferen Einblick in E's Seele. Gleichzeitig vermochte es dieser Ausnahmekünstler auch, dass ein jeder selbst ein bisschen tiefer in seine eigene Seele blickte und sich ein kleines Stückchen in dessen unpolierten, direkten und nahegehenden Texten wieder fand.

Besucht man ein Eels Konzert, dann ist von vorn herein klar, dass die Band nicht mit 1:1 Versionen ihrer Songs daherkommt und so sorgten die fünf bärtigen Männer in ihren schicken Anzügen zur vorgerückten Stunde auch in Berlin dafür, dass es musikalische Überraschungen hagelte, neue Versionen altbekannter Songs auf die Bühne gebracht wurden und die eine oder andere Cover-Version eines Klassikers das gesamte Programm abrundete. Während so mancher Künstler krampfhaft das Live-Geschehen durch ähnliche Aktionen aufzulockern oder aufzuwerten versucht, hat man bei den Eels aber in allererster Linie den Eindruck, dass der wahre Grund der eigene Spaßfaktor ist, der nach neuen Herausforderungen schreit. So herrlich unverblümt legt das Quintett rund um Mark O. Everett los und stürzt sich wagemutig in Cover Versionen der Rolling Stones ("She Said Yeah"), The Lovin' Spoonful ("Summer In The City") oder gar George Gershwin ("Summertime").

Doch auch das eigene Repertoire erstrahlte im neuen Glanz und so avancierte das sonst eher gemäßigte "I Like Birds" mit doppelter Geschwindigkeit zu einem wilden Aushängeschild mit Punk-Attitüde. Als die Stimmung angesichts kleiner Anekdoten bei der Bandvorstellung bereits kochte und E die charmante, für Belustigung sorgende und immer wiederkehrende Ansage "Dankeschön, mein Schatzi" mit Enthusiasmus ins volle Astra rief, konnte die aufgeheiterte Atmosphäre nur noch mit einem letzten Ass im Ärmel weiter aufgeheizt werden. Dieses wurde auch prompt kurz vor den Zugaben in Form von "Mr. E's Beautiful Blues" gezückt. Meinte der geneigte Fan zunächst eine "Twist And Shout"-Cover-Version der Beatles zu hören, entpuppte sich mit dem Einsetzen des Gesangs schnell, dass beide Songs unter E's Leitung bestens zueinander gefunden hatten und lediglich der Text noch erkennen ließ, um welchen Eels-Song es sich eigentlich handelt. Lockten die vorgetragenen Songs das Publikum bereits akustisch wie von selbst, half E dann sogar noch mit kleinen Mitbringseln in Form von Eis nach, welches er eigens aus einer Kühltruhe hinein in die erhitzte Menge beförderte und dafür zusätzlichen Applaus für diese gütige Geste einheimste.

An diesem Abend dirigieren die Eels auf ganz unterschiedliche Weise eine groß angelegte emotionale Berg- und Talfahrt. Nimmt man auf der einen Seite Anteil an bewegenden, in Songs verpackten, Geschichten wie dem umjubelten "That Look You Give That Guy" oder "In My Younger Days", wird man im nächsten Moment wieder auf eine völlig gegensätzliche emotionale Seite gezogen und lauscht dem lauten Aufheulen und der beherrschenden Intensität von E's Stimme, wie in "Prizefighter", "Freshblood" oder "Souljacker Pt.1".

Diese sowohl musikalische als auch textliche Balance ist es auch, die einen immer wieder daran erinnert, wie sehr es Mark O. Everett versteht, mit den unterschiedlichsten Mitteln eine solch kreative Abwechslung zu schaffen. Gleichzeitig erinnert er uns daran, dass es im Leben eben immer zwei Seiten gibt und beide es wert sind, dass man sie nicht nur als Teil in sich trägt, sondern auch für das akzeptiert, was sie für einen bereit halten. Hält man im Hinterkopf am Gedanken fest, welche Hürden E in seinem Leben bereits überwinden musste, sprechen solche bemerkenswerten Abende wie dieser den Beweis aus, dass es möglich ist auch schwierige Zeiten zu überstehen und nach vorne zu blicken. Zurückgeblickt wird allerhöchstens auf das ansehnliche musikalische Material, welches die Eels mit jedem neuen Album in den Ohren ihres Publikums hinterlassen.

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Surfempfehlung:
www.eelstheband.com
www.myspace.com/eels
Text: -Annett Bonkowski-
Foto: -Annett Bonkowski-


 
 

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