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Augen zu und durch

Mumford & Sons
Nathaniel Rateliff/ Old Crow Medicine Show

Berlin, C-Halle
28.09.2010
Mumford & Sons
Normalerweise gilt dieser Leitsatz eher bei unangenehmen Situationen. Er kann aber auch, wie bei Mumford & Sons, gut und gerne angewandt werden, wenn ein musikalischer Genuss bevor steht. Obwohl es ratsam ist, das Geschehen auf der Bühne nicht die ganze Zeit über aus den Augen zu lassen, darf man gerne ab und zu alles ausblenden und allein die Songs auf sich wirken lassen, wenn die vier Herrschaften die Instrumente in die Hand nehmen.
Die bis auf den letzten Platz gefüllte C-Halle machte deutlich, dass die Kapazität der Veranstaltungsorte seit dem Erscheinen von "Sigh No More" im letzten Jahr unaufhaltsam gestiegen ist. Längst ist der Andrang so groß geworden, dass die versammelte Menschenmenge von Konzert zu Konzert beachtlich wächst und die Band sogar zwei Mal im Jahr vorbeischauen muss, um dem gerecht zu werden. Dieses Mal brachten Mumford & Sons mit Nathaniel Rateliff und Old Crow Medicine Show einen Doppelpack für das Vorprogramm mit, der nicht nur das Publikum perfekt auf den Abend einstimmte, sondern offensichtlich auch der Band selbst sehr am Herzen lag. So ließen es sich Marcus Mumford und auch Country Winston nicht nehmen vorab kleine Gastauftritte zu bestreiten, wenn sie einmal nicht am Bühnenrand standen und textsicher die Songs mitsangen.

Für genügend Atmosphäre war bereits angesichts des musikalischen Programms gesorgt. Dennoch setzte das Bühnenbild noch das passende i-Tüpfelchen auf das Ganze, indem Girlanden aus Glühbirnen die Decke schmückten und sich bis auf die Zuschauerränge erstreckten und alles ins rechte Licht rückten. Spannung und Vorfreude zugleich lagen in hoher Konsistenz in der Luft und entluden sich beim Opener und zugleich Titeltrack des Albums "Sigh No More", indem das Berliner Publikum der Band eine warmherzige Begrüßung bescherte. Auch wenn die Zuschauer der Hauptstadt gerne ab und zu als verwöhnt und als schwer zu begeistern gelten, war an diesem Abend keine Spur davon zu sehen.

Fast im Sekundentakt hagelte es Szenenapplaus für jede noch so kleine musikalische Glanzleistung oder es erfolgte eine direkte Reaktion wahlweise in Form von Gesängen oder begeisterten Ah's und Oh's, die wie ein Echo durch die Halle schwangen. Das Gefühl von Nähe zwischen Band und Fans ging trotz der ansehnlichen Größe der Halle zu keinem Zeitpunkt verloren und variierte durch die Abwechslung in der Setlist höchstens in ihrem Ausmaß. Während Songs wie "I Gave You All" oder "Awake My Soul" zum andächtigen Lauschen einluden, reichte an anderer Stelle die neckische Bemerkung von Marcus "Tanzen?" und das folgende "Little Lion Man" aus, um den Zuschauerraum in Bewegung zu setzen. Um die Dynamik noch mehr anzustacheln, lieferten sich auf der Bühne Marcus und Country Winston im Scherz gleichzeitig Kopf an Kopf einen kleinen Kampf, dessen Kräftemessen jedoch nur ein paar Sekunden andauerte.

Zwischen den Songs wurden gerne die neu erworbenen Deutschkenntnisse präsentiert, der direkte Draht zum Publikum gesucht oder aber auch auf Kosten einzelner Bandmitglieder Witze gerissen. So gestand Marcus den Fans in einem heiteren Augenblick, dass Ted in Wahrheit sein Lieblingsmitglied der Band sei, nur um gleich darauf hinzuweisen, dass das nur für diesen einen Abend gelten würde, da er sich natürlich selbst am liebsten von allen hat. Trotz der ausgiebigen Tour sind die humoristischen Adern zweifelsohne nicht im Geringsten abgestumpft. Das Gleiche darf von der spielerischen Qualität behauptet werden, die im Laufe der Zeit viel eher noch dazu gewonnen hat, wurde das Line-Up auf der Bühne noch durch Trompete, Posaune und Cello aufgestockt.

Mumford & Sons
Auch neue Songs wie "Lover Of The Light" oder "Nothing Is Written" gesellten sich wunderbar zum älteren Material und bewiesen, dass die Band das hohe Niveau durchaus aufrecht erhalten kann und das nächste Album sehr wahrscheinlich keinen Anlass zur Sorge geben wird. Obwohl sich fast alle Songs von "Sigh No More" im Set wiederfanden, blieb das fesselnde "White Blank Page" leider in der Versenkung verschwunden. Dafür wurde das Publikum im Zugabenblock mit "Wagon Wheel" beschenkt, bei dem sich Old Crow Medicine Show und auch Nathaniel Rateliff zur Band gesellten, um den Song gemeinsam zu intonieren. Der Abschluss des Konzerts und zugleich eines gelungenen Abends wurde im Anschluss mit "The Cave" besiegelt. Mumford & Sons mögen zwar "Sigh No More, No More..." predigen, verkneifen kann man sich das Seufzen aber kaum, wenn sie eine rundherum so stimmige Vorstellung abgeben.
Surfempfehlung:
www.mumfordandsons.com
www.myspace.com/mumfordandsons
www.nathanielrateliff.com
www.crowmedicine.com
Text: -Annett Bonkowski-
Fotos: -Annett Bonkowski-

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