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Gone back to those gold soundz?

Yuck
Porcelain Raft

Hamburg, Beatlemania
02.03.2011
Yuck
Besonders voll ist es nicht am Mittwochabend im Hamburger Beatlemania am stets etwas trostlos wirkenden Beatles-Platz, dicht bei der Großen Freiheit. Ist das Beatles-Museum, das gelegentlich abends auch als Venue fungiert, vielleicht zu versteckt? Oder hat die Kunde von den vier jungen Briten mit dem amerikanischen Sound namens Yuck es einfach noch nicht nach Deutschland geschafft? Diese könnten nämlich im Jahr 2011 noch ein großes Ding werden - das behaupten zumindest die Vorschaulisten einiger großer Musikmedien, z.B. die der BBC. Die Massen an hip angezogenen jungen Szenemenschen bleiben jedenfalls überraschenderweise aus.
Und das ist wirklich schade, denn das Kommen hätte sich allein schon für die Vorband gelohnt: Die heißt Porcelain Raft und ist eine One-Man-Show bestehend aus Mauro Remiddi. Dieser lebt in London, stammt aber - der Name lässt es erahnen - ursprünglich aus Italien. Jetzt ist er auf Tour, um u.a. seine "Gone Blind"-EP zu promoten. Auf der Bühne wirkt er trotz seiner 37 Jahre zunächst etwas schüchtern. Es dauert aber nicht lange, bis seine eigenen Songs ihm Sicherheit geben und er ganz und gar aufgeht in seiner Musik und der Performance. Diese besteht darin, dass Porcelain Raft auf einem kleinen Drum-Computer, der auf einem Barhocker vor ihm steht, bedrohlich stampfende Beats aufreißt, zu denen er dann Gitarre spielt und singt. Remiddis Stimme steigt dabei gerne in Falsett-Regionen auf, die Gitarre erzeugt hauptsächlich eine warme Geräuschdecke, die das ganze einhüllt. Hin und wieder zerstört Remiddi alle die Harmonie seiner Stücke durch wildes Fiepen, Knacken und Wummern, bevor zu große Pop-Momente entstehen. Das passiert sehr gekonnt und macht den ganzen eigenen Charme der zarten Kompositionen Remiddis aus, die im starken Kontrast zu den harten Bässen stehen. Unterm Strich sollte sich jeder, der auf Musik im Spannungsfeld zwischen Dreampop, Electro, Psychedelic und Chillwave steht, den Namen Porcelain Raft dringend merken und gespannt auf das Debütalbum warten.

Als Yuck ihren ersten Song anstimmen, kann der Bruch zur Vorband kaum größer sein: Insbesondere Sänger und Gitarrist Daniel Blumberg könnte in seinem Vortrag nicht gelangweilter rüberkommen. Kein "Hello", keine Ansage", kein Blick ins Publikum - nichts. Zugegeben: Eine ablehnende Haltung gegenber dem eigenen Publikum haben auch schon ganz andere Bands praktiziert und perfektioniert - allen voran sicherlich Oasis. Aber selbst Liam Gallagher hat man schon mit mehr Demut und Herzenswärme erlebt, als Blumberg sich hier in den ersten Minutes des Yuck-Gigs zeigt. Muss man denn als junge, aufstrebende Band, die sich ihre Fans eigentlich erst noch erspielen muss, so auftreten? Gut, dass er dieses Verhalten relativ schnell ablegt, als er merkt, dass das Publikum die Band und ihre Songs durchaus positiv aufnimmt. Spätestens bei der Hitsingle "Georgia" bei der auch Bassistin Mariko Doi ihre Stimme beisteuert, ist der Damm gebrochen. In "Georgia" klingen Yuck noch am ehesten wie die in Deutschland bereits erfolgreichen The Pains Of Being Pure At Heart. Dieser 80er Jahre Shoegaze-Einschlag ist aber ein Trugschluss im Hinblick auf die übrigen Lieder der Briten. Denn die atmen durch und durch den Geist des schrammeligen, amerikanischen Indierocks der 90er Jahre. Es ist schade, dass Doi nur in diesem einen Song singt, da dies den Stücken von Yuck mehr Eigenständigkeit verleihen würde. So bleibt Blumbergs nasaler, leiernder Gesang, der ganz offensichtlich an Pavements Stephen Malkmus erinnern soll. Aber die Performance der Band wird schrittweise leidenschaftlicher, Blumberg rockt seine Gitarren zwischenzeitlich auf Knien, plötzlich sind sogar ein paar Ansagen drin - die man aber ob seiner ziemlich nuscheligen Aussprache kaum versteht (vielleicht lag es auch einfach daran, dass er sich wohl gerade erkältet hatte). Trotzdem kommt rüber, dass Yuck nun doch ganz froh sind, hier spielen zu dürfen und eigentlich auch ein recht wohlwollendes Publikum erwischt zu haben.

Schließlich ist es nicht ganz einfach, zu entscheiden, ob man Yuck nun gut finden soll oder nicht - insbesondere als Liebhaber von Bands wie Pavement, Sonic Youth oder Dinosaur Jr. Einerseits ist es schön, eine junge, talentierte Band zu erleben, die sich den warmen, immer etwas schrammeligen Sound dieser Zeit aneignet. Andererseits schaffen Yuck kaum etwas Neues: Es scheint fast so, als hätten sie sich jede wichtige amerikanische Indierockband der 90er vorgenommen, deren jeweils ureigenen Sound mit ihren typischsten Merkmalen herausgearbeitet und einen Song geschrieben, indem sie genau das fast perfekt - und ziemlich dreist - imitieren. Das entscheidende Wörtchen ist hier natürlich "fast". Denn Yuck schaffen es ebenso wenig, dem Slacker-Lönig J Mascis in seinem virtuosen Gitarrenspiel das Wasser zu reichen, noch Pavement in ihrer süffisanten Schnoddrigkeit, noch Teenage Fanclub in ihrer verspielten Melodieseligkeit oder Sonic Youth in ihrer verspulten Dringlichkeit. Die Frage ist, ob sie das überhaupt wollen. Und andererseits ist es schon bemerkenswert, wie nahe Yuck mit ihren begrenzten Mitteln dem Sound ihres jeweiligen Vorbilds kommen. Man merkt sofort, dass z.B. das Riff in "Get Away" Dinosaur Jr meint - ohne das es wirklich so brillant und ohne dass es direkt geklaut wäre.

Nach etwa 45 Minuten ist der Auftritt vorbei. Als Zugabe wird das epische und wirklich schöne "Rubber" nachgeliefert, das dem einen oder anderen vielleicht schon im Mogwai-Remix bekannt sein dürfte. Auch hier ist als Vorbild eindeutig Yo La Tengo zu identifizieren, aber wir wollen mal nicht so sein: Es wurde Zeit, dass dieser ganze 80er Quatsch langsam mal ein Ende nimmt und jemand mal wieder anständige Rockmusik macht. Und das macht eben doch das Schöne an Yuck aus: Neue und dennoch vertraute Songs mit tollen Melodien, die einen an bessere Zeiten erinnern. Unter dem Soundcloud-Link könnt ihr euch das ganze Album anhören und ein bisschen von früher träumen.
Surfempfehlung:
yuckband.blogspot.com
www.myspace.com/yuckband
www.lastfm.de/music/Yuck
en.wikipedia.org/wiki/Yuck_%28band%29
soundcloud.com/yuck/sets
Text: -Felix Maliers-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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