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Konzert-Bericht
 
Moderne Klangkunst

The Books

Berlin, Volksbühne
26.04.2011
The Books
Ja geht denn das überhaupt? Folk mit elektronischen Spielereien zu verbinden, ist keine einfache Sache. The Books aus New York beherrschen diese Kombination aber mit links und krönen ihre Songs darüber hinaus auch noch mit allerhand fein säuberlich ausgewählten Samples bis einem schwindelig wird. Ein ähnliches Gefühl macht sich breit, möchte man ihre Musik klassifizieren. Während der Zuhörer noch dabei ist, das akustisch munter wirbelnde Tonmaterial im Kopf aufzunehmen, nachklingen zu lassen und halbwegs für sich zu sortieren, sind The Books schon wieder hochkonzentriert drei Schritte weiter geeilt. In der Berliner Volksbühne fiel nun der Startschuss zu ihrer Europa-Tour anlässlich des letzten Albums "The Way Out".
Dass die Band nicht nur im Studio äußerst hörenswerte Musik produziert, sondern auch auf der Bühne einiges hermacht und die Gerhinwindungen ordentlich zum Schwingen bringt, das zeigte sich schon nach sehr kurzer Zeit. Es sollte ein Abend werden, an dem sich visuelle und akustische Reize ein Wettrennen lieferten und beide bewusst danach strebten, den Zuhörer für einige Momente lang völlig einzunehmen. Den vielen Sinneseindrücken und Bild- sowie Tonfragmenten zum Trotz gelang es The Books aber dennoch, am Ende ein stimmiges, wohl durchdachtes Bild beim Rezipienten zu erzeugen, welches ähnlich facettenreich anmutete wie die Band selbst. Eine Symbiose par excellence. Und das, obwohl zahlreiche Video-Sequenzen in Windeseile über die große Leinwand im Saal flackerten und passend zum jeweiligen Song die aufkommende Gedankenflut visuell untermalten.

Großer Aufwand wurde nicht betrieben, was das Bühnenbild anging. Nahm die live zum Trio angewachsene Band doch ganz bescheiden inmitten der übersichtlich angeordneten Instrumente Platz und spielte in fast schon spärlicher Beleuchtung. Umso mehr Sorgfalt wurde dafür aber auf die Arrangements der Songs gelegt, die immer wieder zwischen sehr experimentell und klassisch hin und her schwankten und zusammen mit den eingespielten Videos ein ausgeklügeltes Konzept zum Vorschein brachten. Dieses bot zwar augenscheinlich keinen Raum für die auf der Bühne sonst so gern gesehene Spontaneität der Künstler, untermauerte aber auf der anderen Seite die exzellenten spielerischen Fähigkeiten aller beteiligten Musiker. Deren sicherer Handhabung der Saiten und Tasten zum Dank brillierten die live zum Leben erweckten Songs mit einer fühlbar angenehmen Intensität, die auch beim Wechsel der Instrumente untereinander aufrecht erhalten werden konnte.

Die in der Volksbühne recht gute Akustik trug des weiteren dazu bei, dass es dem Publikumsohr zumindest während den eigentlichen Songs an nichts fehlte. Nur bei den wenigen, kurzen Wortmeldungen der Band selbst spielte die Akustik ihnen einen Streich, denn diese gingen oftmals im Raum unter und wurden von den viel zu leisen Mikrofonen verschluckt. Dem Zuschauer blieb dafür umso mehr Gelegenheit, sich wahlweise der Musik oder eben auch den visuellen Einspielern hinzugeben. Letztere zogen schon aufgrund ihrer zum Teil bizarren Natur ohne Zweifel die Blicke auf sich und rückten zwar nicht das musikalisch anspruchsvolle Zusammenspiel der Band, aber doch ihre Bühnenpräsenz hier und da in den Hintergrund. Nur vereinzelt wurde die Aufmerksamkeit direkt auf die Bühnenbretter gelenkt und der Leinwand eine Pause genehmigt, die sonst im Set eine so essentielle Rolle spielt.

Mit dem neuen Album "The Way Out" entfernen sich The Books noch ein paar Meilen mehr vom Einheitsbrei, dem sie auch schon auf den Vorgängern so vorbildlich aus dem Weg gegangen sind. Songs wie "A Cold Freezin' Night", "Free Translator" oder auch "I Didn't Know That", die sich unter anderem ihren Weg auf die Setlist bahnten, belegten deutlich, dass sich Nick Zammuto und Paul de Jong keinesfalls auf alten Mustern ausruhen, sondern die musikalische Weiterentwicklung stets voran treiben und großen Gefallen daran finden, Unvorhersehbares als tragendes Element ihrer Kunst zu benutzen. Nach so viel kreativem Output durfte es dann am Ende des Konzerts auch eine Cover-Version von Nick Drakes "Cello Song" sein, die den Abend und das Zugabenset abrundete und der Band völlig zurecht Standing Ovations bescherte.
Surfempfehlung:
www.thebooksmusic.com
www.myspace.com/thebooksmusicpage
Text: -Annett Bonkowski-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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