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Unplugged

Udo Lindenberg

Hamburg, Kampnagel
31.05.2011
Udo Lindenberg
Klasse war es. Aufregend, besonders und vermutlich sogar legendär. Doch nun ist es vorbei. Und das Warten beginnt. Denn was Udo Lindenberg an diesen vier Tagen in der Kulturfabrik Kampnagel in Hamburg veranstaltet hat, zeigt MTV in einer weiteren Unplugged-Episode erst im September. Erscheint erst dann als DVD und CD. Und uns? Bleibt die Erinnerung. Gaesteliste.de schaute sich die zweite Warm-Up-Show an. Was bedeutet, dass uns die vielen prominenten Gäste entgingen, wir Udo aber dafür ohne Kamera und ohne den ganz großen Druck sehen durften. Und so wurden es dann unerwartet gelöste, intime, ja fast schon familiäre drei Stunden.
Im Vorfeld hieß es, Udo würde in seinem Wohnzimmer spielen. Das aber heißt bekanntlich nicht Kampnagel, sondern Atlantic Hotel. Doch da es dort schwieriger werden würde, die Zuschauer plus Kamera plus Rest unterzubringen, wurde das Hotel kurzerhand nachgebaut. Genauer gesagt die Lobby. Stilecht mit Fahrstuhl, Bar, Rezeption, Drehtür und Pianist. Der heißt heute Abend Frank Linkus und spielt sonst wirklich im Atlantic. Heute macht er sozusagen das Vorprogramm, sitzt alleine in der Lobby und spielt "Mad World" und andere Klassiker auf dem Klavier. Und bekommt nach jeder Nummer artig Applaus, gegen Ende sogar einen Drink. Praktisch, wenn die Bar auf Bühne steht. Mit ein bisschen Verzögerung dann kommen auch die Musiker. Und das sind nicht nur die üblichen Verdächtigen. Denn Udo Lindenberg fährt groß auf. Ein zwölfköpfiges Streicherorchester, Bläser, Musiker an Percussions, Keyboard, Gitarren und mehr, mal ein Banjo, mal eine Mundharmonika, dazu Backgroundsänger und später Teile seiner Panikband. Für die spätere Aufzeichnung stießen dann noch Max Heere, Clueso, Stefan Raab, natürlich Jan Delay, Anna Loos oder Kitty, Daisy & Lewis dazu. Volles Haus also, volle Bühne. Die ist riesig. Sehr breit, sehr tief. Und am vorderen Rand sitzen die ersten Zuschauer. Mehr drin geht nicht.

Mit Aufwärmen aber ist nicht viel. Die Stimmung auf den Rängen ist von Anfang an bestens bis euphorisch und auch Udo ist direkt in seinem Element. Er tänzelt über die Bühne, schwingt sein Mikrofon, singt und nuschelt, wie nur er singen und nuscheln kann. "Meine Stimme ist etwas heiser", sagt er und gurgelt eine Runde. Mit Eierlikör und anderen Getränken. "Aber die Gazelle funktioniert", sagt er und tanzt auf der Stelle. Die einige hundert Menschen umfassende Menge lacht, die Sache wirkt. Lindenberg - natürlich mit Hut und Sonnenbrille - hat sofort alles im Griff. Seine Stimme und sein Publikum. Mit "Mein Ding" gibt es so etwas wie das Motto des Abends, mit "Gegen den Strom, gegen den Wind", "Er wollte nach London" oder "Ich lieb dich überhaupt nicht mehr" verknüpft er gekonnt seine Leben mit seinen Liedern, erzählt von seinem Leben in Gronau, seinen WG-Erfahrungen mit Otto Waalkes und Marius Müller Westernhagen, seinen musikalischen Anfängen und einigem mehr. Fast sind die Momente zwischen den Liedern unterhaltsamer, als die Musik selbst.

Doch im Laufe des Abends ändert sich das. Weil die Lieder irgendwie besser werden. "Reeperbahn" rockt auch ohne Delay, für "Ein Herz kann man nicht reparieren" braucht es keine Humpe und "No Future" macht auch ohne Herre Spaß. Aber so was von. Dazu gibt es "Wozu sind Kriege da" oder das wundervolle "Was hat die Zeit mit uns gemacht", das an diesem Abend als Duett mit der bezaubernden Nathalie Dorra vorgetragen wurde. Es ist noch nicht mal Halbzeit, aber Udo und seine Leute haben schon längst gewonnen.

Mit der "Honky Tonk Show" beginnt es nach der Pause stürmisch und die Menge erhebt sich, um anschließend bei "Cello" zu träumen und Udo bei "Unter'm Säufermond" auf den Brettern zu liegen. Ist er etwa kaputt? Erschöpft? In der Halle ist es heiß, der Meister hat schon einiges geleistet. Getrunken, gelacht, getanzt, geschnackt. Und zwischendurch Astronauten, Vampire und Außerirdische in seinem Wohnzimmer begrüßt. Doch es geht weiter. Und wieder ist es Nathalie Dorra, die uns verzaubert. Gemeinsam singen sie "Hinter'm Horizont gehts weiter" und wer hier keine Gänsehaut hat, der hat hier nichts zu suchen. Ergreifend schöne Momente. Später dann "Goodbye Sailor" oder natürlich noch "Andrea Doria". Nach rund drei Stunden ist Schluss. Aufregende, besondere und sicher auch legendäre drei Stunden. Was nun bleibt ist das Warten.

Surfempfehlung:
www.udo-lindenberg.de
Text: -Mathias Frank-
Foto: -Pressefreigabe-

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