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Hurricane Festival

Scheeßel, Eichenring
17.06.2011/ 18.06.2011/ 19.06.2011

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Hurricane 2011 - Portishead
Das in der Regel schönste Wochenende des Jahres ist für viele das Hurricane-Wochenende. Das schon seit Jahren und - so scheint es - jedes Jahr für mehr Freunde guter Musik. Auch 2011 locken viele tolle Bands unterschiedlichster musikalischer Coleur über 70.000 Leute auf den Eichenring im niedersächischen Scheeßel und sorgen für beste Unterhaltung. Am Start sind unter anderem Portishead, The Hives und The Subways und am Ende gibt es mit den Foo Fighters einen würdigen Headliner. Alles gut also? Eigentlich ja.
Am Freitag geht es mit den wundervollen Twin Atlantic, Kashmir, Elbow oder Glasvegas kuschelig los. Könnte es losgehen, denn mit Kuscheln ist nicht. Die Wettervorhersage ist erschreckend. Manch einer spricht von drei Tagen Dauerregen und Sturm. Erinnerungen an 2006 werden wach. Und obendrauf warten auch dieses Jahr vier Bühnen auf die Besucher. Zwei große und zwei Zelte, an jeder Ecke des Geländes gibt es Musik. Und dazwischen die Menschenmengen. Wer soll da entspannen? Also heißt es sortieren, verzichten, drängeln und sich die Rosinen suchen.

Als sichere Bank gelten natürlich Jimmy Eat World. Und auch wenn sie wie nicht anders zu erwarten nicht ihre "Clarity"-Geschichte durchziehen, enttäuschen die Jungs - und das Mädel an den Keyboards - ganz sicher nicht, sondern bieten ein routiniertes Best Of-Set von "The Middle" und "Lucky Denver Mint" bis zu "My Best Theory". Hach, es war eine Freude. Nicht nur für Freunde der Band. Während im Zelt derweil der Hardcore wütet (Kvelertak, Converge, Comeback Kid, Parkway Drive) und man sich überlegt, wie sich wohl Jupiter Jones zwischen all den Krachmachern geschlagen haben, machen sich auf der Hauptbühne die heimlichen Helden des Abends bereit. Portishead. Denn mal ehrlich, die später spielenden Arcade Fire sind zwar leidenschaftlich bei der Sache und bieten eine klasse Show, die die Menge zum Feiern bringt. Aber eigentlich ist es ein Verbrechen, sie nach Portishead spielen zu lassen. Denn die Trip Hop-Pioniere um Beth Gibbons sind es schließlich, die die Tradition der besonderen Hurricane-Acts fortsetzten: David Bowie, Beastie Boys, Faith No More, Pearl Jam, The Cure. Und jetzt eben Portishead. Gibbons kommt unglücklich wirkend auf die Bühne. Fröstelnd, traurig, unsicher. Immer wieder blickt sie sich um, scheint sich und ihre Band zu fragen, was sie denn hier jetzt solle. Und gibt die Antwort selbst, in dem sie betörend schön singt. Eindringlich, bedrückend, manchmal schon fast atemberaubend. "Hunter", "Roads", "Glory Box", "Machine Gun" oder "Give Me A Reason To Love You" - auch wer kein Fan der Band ist oder war, dieser Auftritt ist schlicht und ergreifend ergreifend.

Und so geht ein größtenteils trockener erster Tag zu Ende. Dass sich auf den anderen Bühnen noch Suede blicken lassen und sich Sick Of It All austoben, ist nur noch ein netter Bonus. Beide machen Spaß, aber zu später Stunde ist auch mal Zeit für eine Pause. Denn am Samstag wartet einiges. Nicht nur die ersten größeren Schauer. Auch das musikalische Programm ist so straff wie stark. Wenn man sich drauf einlässt, wenn man neugierig ist. Denn natürlich kann man über eine Band wie Gogol Bordello geteilter Meinung sein. Natürlich braucht man sich The Sounds nicht jeden Tag antun. Und sicher gibt es bessere Poppunker als All Time Low. Doch im Hier und Jetzt sind sie und allen voran natürlich die gogolischen Gypsy-Punks richtig und bringen die jungen Menschen zum Toben. Zuvor kommen aber noch die älteren Semester auf ihre Kosten, die erst mit Dave Wyndorf und seinen Mannen zu "Dig That Hole" und Monster Magnet um die Wette moshen und dann mit Sublime With Rome und unzähligen Klassikern ("Santeria", "Badfish", "Smoke Two Joints" etc.) chillen. Vielleicht ist es Zufall, aber beim fantastischen Auftritt der Reggae-Legende aus Long Beach fallen uns erstmals die Polizisten in der Nähe der Bühne auf. Drogensuche? Wer weiß...

Was wir wissen ist, dass My Chemical Romance mit einem starken Set äußerst souverän das Ende des zweiten Abends einläuten. Von "Na Na Na" über "Helena" und "The Black Parade" bis zu "I'm Not Okay (I Promise)" wird hier nicht an Hits gespart und beim ersten Rückblick bleibt ein zufriedenes Lächeln. Klar, mancher hat die irgendwie so netten Two Door Cinema Club verpasst, andere haben es nicht ins Zelt zu I Blame Coco oder Lykke Li geschafft und der ein oder andere dürfte sich über den späten Spot von Kasabian gewundert haben (denn gut sind die doch wirklich nicht, oder?), doch so oder so oder so - auch der Samstag war ein guter. Der Regen hielt sich in Grenzen, ein paar Schauer stören nicht, die Stimmung ist bis zum Ende gut und kaum jemand scheint an diesem Samstagabend Blink 182 zu vermissen. Eigentlich wären die hier Headliner, haben ihren Auftritt jedoch um runde zwölf Monate auf 2012 verschoben. Also beenden Incubus den zweiten Tag auf der Hauptbühne. Und das tun sie durchaus beeindruckend selbstbewusst. Denn wer gleich mal mit dem kommerziellen "Nice To Know You"-Hit beginnt und anschließend mit "Anna Molly" und dem absoluten Monster namens "The Warmth" weitermacht, der weiß, was er kann. Doch ein Blick nach hinten, ein Blick zur Seite verrät: Incubus sind bei aller Klasse kein "echter" Headliner. Viele Besucher toben sich zu später Stunde bei der Frittenbude aus, andere schauen sich lieber I Am Kloot, die Kaiser Chiefs oder Bright Eyes an. Was zur Folge hat, dass es im hinteren Bereich des Geländes nicht so dicke voll ist, wie man es erwartet, auch an der Schleuse in den Innenraum direkt vor die Bühne überraschend leer ist.

Wer nämlich in die ersten Reihen vor die große Bühne möchte, muss an ein paar Ordnern vorbei. Immer in kleinen Gruppen, immer nur, wenn Platz ist. Bisher war das selten ein Problem, die Wartezeiten hielten sich in Grenzen. Am Sonntag aber sieht das anders aus. Heute spielen Flogging Molly hier, The Hives, später die Foo Fighters - und das spürt man. Schon früh ist der Andrang groß. Häufig sogar riesig, die Schlange wird später eine große Kurve machen, Ordner werden über Megaphon mit den Menschen diskutieren. Man möchte später da nicht drin stehen. Und anfangs auch nicht draußen. Denn vormittags ist er da. Der Sturm. Die ersten Unwetterwarnungen gehen raus, es ist nass und kalt und dunkel und die Befürchtungen scheinen wahr zu werden. Die ersten Besucher fahren nachhause, die Park- und Zeltplätze lichten sich und viele glauben an ein dickes Ende. Doch erstens kommt es anders... Selig müssen noch bei Regen spielen, bei Boysetsfire wird es besser und nach ein paar weiteren Schauern ist das Chaos abgewendet.

Zurück zu BSF. Was ist das schön, die Band wieder live sehen zu dürfen. Nathan scheint anfangs etwas zu frieren, nicht zu wissen, ob er grad Bock hat oder nicht. Doch schnell schreit er sich in Rage, tobt und leidet mit seiner Band, haut "Requiem" und "Empire" raus, später natürlich "Rookie". In Kürze gehen BSF zurück in die Clubs. Und wir gehen mit. Keine Frage. Vorher aber gehen wir mal zur anderen Bühne. Band Of Horses sind da und richtig nett. Hat sich gelohnt. Wie so manch Weg zwischen den Bühnen. Trotz Matsch, trotz Enge, trotz Gedrängel. Auf der Hauptbühne dann eine Band, die manch anderes Festival headlinen darf, auf dem Hurricane nachmittags um 17.15 Uhr beginnt: Flogging Molly. Was für eine Live-Band, was für eine Unterhaltung, was für viele tolle Songs von damals und heute. Noch krasser werden anschließend The Hives. "Wisst ihr, warum es nicht mehr regnet?", fragt Pelle. "Weil Gott The Hives liebt!" - manchmal kann es so einfach sein. Die Schweden werden zur besten Band des Wochenendes, da legen wir uns fest. "Main Offender", "Won't Be Long", "Tick Tick Boom", "Hate To Say I Told You So", es geht Schlag auf Schlag. Dazu ein bisschen neuer Stoff, den lässigsten Gitarristen der Welt und einen Poser vor dem Herrn am Mikrofon, der seine atemberaubende Leistung am Ende mit einem Bad in der Menge garniert. Pelle surft, der Rest darf das nicht. Crowdsurfen ist hier verboten, der Mob hält sich größtenteils dran. Wie er sich an vieles hält. Die Stimmung an diesen drei Tagen ist größtenteils hervorragend und entspannt, herrlich unprollig und wirklich friedlich. So muss es sein, so freut man sich schon jetzt auf 2012. Doch hier ist noch nicht vorbei. The Subways begeistern mit all ihren Hits, mit ihrem vor Power zu platzen drohendem Sänger Billy und ihrer nicht minder leidenschaftlich spielenden Bassistin Charlotte. Fazit: "Oh Yeah".

Oh nein dann leider bei den Arctic Monkeys. Jungs, habt ihr The Hives vor euch gesehen? So geht das! Die Jungbriten versuchen sich in Coolness und scheitern anfangs kläglich. Was ist das langweilig, dafür haben wir frühzeitig The Subways verlassen? Schwamm drüber, Zeit für Vorfreude. Die Foo Fighters kommen. Aktuell zu fünft, Pat Smear (ehemals bei The Germs und bei Nirvana) ist als weiterer Gitarrist mit am Start. Doch nimmt das jemand wahr? Vermutlich nicht. Ebenso wenig wie den Rest der Band. Denn heute ist Dave Grohl. Er ist der Chef, er ist die Foo Fighters. Und er gibt Gas. "The Pretender", "Learn To Fly", "My Hero", "Monkey Wrench", "Best Of You", "Everlong" und so weiter und so fort. SO sieht ein würdiger Headliner aus. Ganz egal, was man von der Band nun hält. Der Innenraum ist lange proppevoll, das nahezu komplette noch anwesende Völckchen schaut auf die Bühne und Clueso auf der zweiten Open Air-Bühne kann einem fast schon leid tun. Ziemlich leer da. Ziemlich voll hier. Ein letztes Mal. 2012 geht es dann weiter. Mit eben Blink 182 und auch mit Die Ärzte.

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Text: -Mathias Frank-
Foto: -Mathias Frank-

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