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Konzert-Bericht
 
Power Metal Dreifaltigkeit

Gamma Ray
Sonata Arctica/ Vanishing Point

Köln, Live Music Hall
30.09.2001
Gamma Ray
Dieses Package hätte wahrlich schlechteres Wetter verdient gehabt. So aber konkurrierten die drei erlesen zusammengestellten (wann paßt das schon jemals SO zusammen?) Power Metal-Bands an diesem Abend mit dem vielleicht letzten Biergartenwetter - hatten aber immer noch bei ca. 400 Fans der melodischeren Metal-Spielarten anziehen können. Und diese hatten trotz einiger Schwierigkeiten unter dem Notenstrich ihre Entscheidung nicht zu bereuen, sondern wurden mit einem Abend der metallischen Extraklasse belohnt.
Vanishing Point aus dem Land down under zeigten etliche interessante musikalische Ansätze, allerdings schien es hier beim Sound und Zusammenspiel gerade anfangs einigermassen zu haken. Dennoch holten die Aussies aus der halben Stunde, die sie auf der Bühne hatten, das unter diesen Umständen machbare Maximum heraus. Der Applaus hielt sich dennoch in arg reservierten Grenzen - schade.

Weit mehr rührte sich in der Halle schon bei den Finnen von Sonata Arctica, deren prächtige aktuelle Veröffentlichung "Silence" wohl auch den einen oder anderen der Anwesenden in erster Linie angelockt hatte. Diesen wurde ein grandioses Intro (vom Band) geboten, das ins erste Stück "Web Allergy" förmlich hineinexplodierte. Während sich die zwei Eindrücke "Sind die noch JUNG" und "Der Sound ist aber immer noch ziemlich erbärmlich" in den Köpfen formten, brachten die erklärten Stratovarius-Fans noch etliche weitere Songs von "Silence" sowie "Ecliptica" zu Gehör. Dies gab dem Mixer die Gelegenheit, doch noch so etwas wie tiefe Frequenzen aus dem Pult zu kitzeln, was u.a. in einer wunderbar nach vorne marschierenden Version von "Wolf And Raven" sowie Fassungen von "The End Of This Chapter" und "Bad News Travel Fast" resultierte, die weit weniger lieblich und viel druckvoller als von Konserve rüberkamen. Ungewöhnlich übrigens, wie Tastenmensch Mikko Harkin seine Keyboards aufgebaut hatte: Durch das ca. um 40 Grad nach vorne gedrehte Keyboard konnte ihm jedermann im Publikum an diesem Abend buchstäblich auf die Finger schauen. Lohnte sich; wie auch diese Band uns bald lohnend als Headliner begegnen dürfte.

Doch dann hieß es Bühne frei für eine deutsche Metal-Institution: Kai Hansen und seine Gamma Ray. Man sieht es schon beim Umbau: Wenn ein Mikrofonständer in der Mitte der Bühe in etwa der passenden Höhe für ein Erdhörnchen einjustiert wird, kann es eigentlich nur für den sympathischen Kai H. sein, der in der Rock-Oper Avantasia unlängst noch für die Rolle eines "Zwergen mit dicker Nase" gecastet worden war... Der Ständer neben ihm wurde ungewöhnlich hoch eingestellt - was das zu bedeuten hatte, überraschte die Fans gleich, nachdem sie das grandiose Intro überstanden hatten, bei dem Schlagzeuger Daniel Zimmermann aufs heftigste Feuer spie. Denn zur Rechten des Gamma Ray-Frontmannes erschien nicht sein etatmäßiger Bassist Dirk Schlächter (der mit einer Knieverletzung daniederliegt), sondern der hünenhafte Markus Grosskopf von Kai Hansens ehemaligen kürbisköpfigen Spielgefährten Helloween. Wenn man bedenkt, daß Helloween gerade ihren Schlagzeuger (Uli Kusch) und ihren zweiten Gitarristen (Roland Grapow) gefeuert haben, war dieses Konzert also neben vielen anderen Dingen auch eine winzige Helloween-Reunion - das Pulikum war verblüfft und begeistert, als Hansen erzählte, man habe "Markus einfach angerufen" und der habe Zeit gehabt. Und dann entschuldigte er sich auch bereits mit den ersten Sätzen dafür, heute praktisch überhaupt nicht bei Stimme zu sein. Aber mit ein bißchen Hilfe seitens des Publikums würde es schon gehen. Ging auch mehr als gut.

Das neue Album "No World Order", das in weiten Teilen auf einer durch einen Gamma Ray-Fan elaborierten Verschwörungstheorie mit den Illuminaten in der Hauptrolle basiert, lieferte die Basis für weite Teile der folgenden Lehrstunde in Sachen Power und Melodic Metal. Untermischt wurden Perlen aus den mittlerweile zahlreichen Meilensteinalben der Rays angeboten, wie z.B. eine lodernde Liveversion von "Land Of The Free" oder die rund viertelstündige Fassung von "Somewhere Out In Space", die ausgiebigen Anlaß zu Kais (tatsächlich öfters vermutlich schmerzlich wegbrechenden) Stimme schonender Publikumsmitwirkung gab. Tatsächlich schrie sich die Live Music Hall die Kehlen aus dem Leib als wollten die Metalheads morgen selbst mindestens stimmlos sein. Und als dann noch das seit der Helloween-Scheibe "Walls Of Jericho" bekannte Monstermaskottchen Fangface mit mindestens sovielen, aber schärferen Zähnen als Julia Roberts leibhaftig auf der Bühne erschien, war kaum ein Halten mehr.
Als Zugaben wurden "I Want Out" von Helloween und "Heading For Tomorrow" - vermutlich eines der komplexeren und gleichzeitig melodiestärksten Stücke des Metalgenres überhaupt - aufgetischt, wobei klar wurde, was dieser extrem virtuose Gitarrist und Leadsänger da eigentlich quasi nebenbei leistet: Hansen singt Stücke, die der nicht nur meiner Meinung nach beste deutsche Metalsänger Michael Kiske (woran dessen Nachfolger bei Helloween, Andi Derris, bis heute scheitert) oder der unglaublich talentierte erste Gamma Ray-Sänger Ralf Scheepers vor ihm interpretiert hat. Und obwohl er zwischendurch bedauerte, nicht einfach bei seinem Kehlkopf genau wie bei seiner Gibson "Flying V" die Saiten tauschen zu können, absolvierte er diesen Job, wie es sonst kaum einer könnte. Hut ab, klasse "Kampfmoral", starker Auftritt, lohnende Vorgruppen (von denen Vanishing Point den Headliner übrigens sogar mit ihrem Keyboarder subventionierten), ein dankbares Publikum tat ein übriges.
Text: -Klaus Reckert-
Foto: -Pressefreigabe-

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