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When we're (not) dancing

Twin Shadow

Hamburg, Knust
15.11.2012
Twin Shadow
Wider Erwarten ist das Knust zum Twin Shadow-Konzert in Hamburg nicht ganz ausverkauft, nachdem es für die anderen Deutschland-Shows weit und breit keine Karten mehr zu kaufen gab. Logisch - nachdem Twin Shadow alias George Lewis Jr. mit seinem 2010er Album "Forget" schon einen recht ordentlichen Hype erfahren hatte, ist ihm mit "Confess" in diesem Sommer der endgütige Durchbruch gelungen. Die Kritiker überschlagen sich, die jungen hippen Indiemädchen liegen dem gebürtigen Dominikaner zu Füßen. Bevor es losgeht, ist aber erst mal warten angesagt. Warum man erst um 22:00 beginnen muss, nachdem schon ab 20:00 Einlass und der Laden um 21:00 praktisch voll war, bleibt schleierhaft und die Diva-Alarmglocken läuten schrill. Wenigstens gibt es nicht auch noch eine Vorband, die die Wartezeit obendrein unnötig verlängert.
Als Lewis kurz nach 22:00 Uhr endlich die Bühne des Knusts betritt, sieht er in seinem hochgeschlossenen Button-Down-Hemd, Jackett und der unvermeidlichen Lederhose wie immer unglaublich gut aus. Die zuletzt obligatorische Lederjacke hat er offenbar zuhause gelassen. Die anwesenden Indiemädchen (allesamt in schwarzen Strumpfhosen) fallen trotzdem gleich reihenweise in Ohnmacht, wie man es sonst eher von Robbie Williams-Konzerten kennt. Nach kurzer Begrüßung eröffnet Twin Shadow mit seiner Band ohne große Umschweife mit dem tollen "Golden Light", einem der schönsten Stücke des aktuellen Albums "Confess".

Leider zeigt sich sofort ein Problem, das den Konzertgenuss für den Rest des Abends entscheidend trüben soll. Der Sound im Knust ist heute ausnahmsweise nicht besonders gut: Das Publikum hört vor allem ziemlich übersteuerten Sound-Brei, der zu gefühlten 90 Prozent aus überlauten Becken besteht. Zwischen all dem Krach ist Lewis' Gitarre stellenweise kaum zu hören. Für das Knust ist das sehr sehr ungewöhnlich - schließlich wird der Club von nicht wenigen als einer der besten klingenden Hamburgs angesehen. Umso löblicher ist dafür jedoch, dass Lewis' Stimme trotz des übrigens Lärms um ihn herum fantastisch klingt.

Direkt im Anschluss geht es weiter mit "You Call Me On", einem weiteren Midtempo-Knaller des 2012er Albums. So langsam schleicht sich der Verdacht ein, Twin Shadow würde einfach nur seine aktuelle Platte herunterspielen, was sich gleich danach bestätigt, als die ersten Takte des Über-Hits "Five Seconds" angestimmt werden. Das wäre nicht einmal unbedingt schlecht, ist doch "Confess" das ingesamt stärkere der beiden bislang veröffentlichten Alben. Leider geht auch bei "Five Seconds" die in der Studioaufnahme mit einem dominanten Riff sehr präsente Gitarre fast gänzlich unter. Die Indiemädchen und die Stimmung stört das selbstverständlich nicht - das Konzert ist fast schon auf dem Höhepunkt angekommen. Die ersten Reihen vor der Bühne tanzen wild und singen lautstark mit. Es ist eigentlich etwas schade - mit "Five Seconds" seinen vermutlich größten Hit gleich als drittes Stück abzufeuern, ist eine eher bedenkliche Setlist-Entscheidung. Man könnte sogar fast meinen, die Band habe ihr Pulver schon nach den ersten drei Songs verschossen.

Und tatsächlich: Zwar haben sich Twin Shadow doch nicht dazu entschieden, "Confess" einfach am Stück zu spielen, das Set flacht jedoch nach "Five Seconds" trotzdem ziemlich ab. Es folgt eine längere Durststrecke von eher langsamen Stücken wie "When We're Dancing", "Run My Heart" und "At My Heels", sodass sich die Stimmung im Publikum ziemlich schnell wieder beruhigt - bzw. einschläft. Mit den Songs "Patient" und "Forget" gibt es dann zum Glück nochmal zwei flottere Nummern, die auch ein wenig zum Tanzen einladen. Denn mit Ansagen hält George Lewis Jr. sich gänzlich zurück, sodass auch hier keine Abwechslung und Unterhaltung zu erwarten ist.

Gerade mal etwas mehr als eine Stunde spielen Twin Shadow ihr Set. Auch auf eine ausgiebige Zugabe verzichtet die Band. Einige Fans malen sich schon aus, welche Songs noch alles gespielt werden müssen. Mindestens ein trauriger weiblicher Fan ist dann aber sichtlich enttäuscht darüber, dass Twin Shadow die Stücke "The One" und vor allen Dingen den Hit des ersten Albums "I Can't Wait" nicht mehr zum Besten geben. "The One" fiel vielleicht auch deshalb aus, weil Lewis gegen Ende des Sets Probleme mit seiner Gitarre hatte. Stattdessen gibt es dann als einziges, letztes Stück das trotzdem sehr schöne "Castles In The Snow". Insgesamt bieten Twin Shadow eine recht durchwachsene Show, die mit "Golden Light", "Five Seconds" und "Patient" sicherlich ihre Highlights hat. Mit einer etwas schwungvolleren Playlist hätte man aus Twin Shadows Portfolio vielleicht noch mehr machen können.
Surfempfehlung:
twinshadow.net
thetwinshadow.tumblr.com
www.facebook.com/pages/Twin-Shadow/94922660679
www.lastfm.de/music/Twin+Shadow
en.wikipedia.org/wiki/Twin_Shadow
Text: -Felix Maliers-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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