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Konzert-Bericht
 
Jedem walisischen Fahnenträger das was er verdient

Stereophonics
Feeder

Köln, Live Music Hall
15.10.2001
Stereophonics
Welche Bedeutung hat eigentlich der rote Drache auf der weißgrünen Flagge Wales, mag sich ein mancher gefragt haben, angesichts der Handvoll Fahnenschwinger in den ersten Reihen beim Auftritt der Stereophonics in Köln-Ehrenfeld. Deren Sänger und Gitarrist Kelly Jones gab natürlich nicht viel auf nationale Symbole und fauchte einen der Fähnriche an: "I don't want to kiss your fucking flag". Viel erfreulicher mutete da schon an, daß das Trio nach den zahlreichen, zumeist in der nachmittäglichen komatösen Stimmung untergegangenen Festivalauftritten überhaupt wieder in kleinen bis mittleren Hallen zu hören war. Eben genau da wo es hingehört.
Zunächst jedoch durften in der gut gefüllten Live Music Hall die walisisch-britische Band Feeder acht rüde Songs präsentieren. Die Truppe um Frontmann Grant Nicholas mühte sich so redlich wie vergeblich ihren Job als Anheizer zu erfüllen, vermochten aber nicht einmal bessere Stücke wie "Seven Days In The Sun" oder "Buck Rogers" vor dem Einheitsbrei zwischen beliebigen Alternative Rock und lieblosen Pop zu retten. Zumindest schimpfte Nicholas in feinster Brit Pop Manier "Who the fuck is Oasis?" ins Mikrophon, bevor sie tatsächlich mit "Piece By Piece" eher Michael Stipe als die Gebrüder Gallagher nacheiferten. Zu groß schien für Feeder das Transparent zu sein, das über die gesamte Bühnenbreite hing und ankündigte auf was die Anwesenden warteten: Stereophonics.
Als schließlich und vor allem endlich Kelly Jones (voc, g), Richard Jones (b) und Stuart Cable (dr) in Verstärkung eines Keyboarders sowie eines weiteren Gitarristen die Rampe betraten und das Set mit "Mr. Writer" und "Vegas Two Times", beide vom neuen Album "Just Enough Education to Perform", recht verhalten begannen, war zu befürchten, daß an diesem Abend der Funke gar nicht mehr aufs Publikum überspringen würde. Und nach einem lustlos heruntergestampften "Goldfish Bowl" drohte ein mittleres Desaster. Doch mit "The Bartender And The Thief" kam überraschend und schlagartig die Wende. Die Meute aus Bier trinkenden, gröhlenden, bestens gelaunten Briten und verhalten mitgehenden Teutonen bekam fortan genau das, was sie verlangte und verdiente: Bis zur Perfektion erprobte Songs zwischen akustischer Melancholie und gitarrenlastiger Wucht, die einen jeden fast ausschließlich über ihre Melodienfülle erreichen. "I Wouldn't Believe Your Radio", "Just Looking", "Hurry Up And Wait", "Roll Up And Shine" und "I Stopped To Fill Up My Car", allesamt vom Zweitlingswerk "Performance & Cocktails", wurden in schneller Abfolge zum besten gegeben, wobei man zuweilen den Eindruck hatte, die eine oder andere Melodie an diesem Abend bereits gehört zu haben. Mit einer mitreißenden Endlosversion vom heimlichen Sommerhit "Have A Nice Day" ließen sich die Stereophonics längst feiern und läuteten einen Reigen neuer Songs ein, die - wie beispielsweise "Step On My Old Size Nines" in einer brillianten Akustikperformance mit Mundharmonika - auf Bühne weitaus enthusiastischer rüberkamen als auf Platte. Der volle Sound von "Rooftop" schien der perfekte Abgang zu sein. Doch die Stereophonics wollten nicht in Richtung Brüssel aufbrechen, ehe sie mit drei Zugaben vom famosen Debütalbum zufriedene Gesichter auf den Nachhauseweg schickten.

Übrigens konnte nach dem Konzert einer der schwankenden Fahnenträger aus Wales die Sache mit dem roten Drachen zumindest im Ansatz aufklären: Es habe mit einer Sage um König Artus zu tun, in der ein roter Drache einen weißen Drachen tötet.
Text: -Christof Herrmann-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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