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Tour auf Augenhöhe

Tall Ships
Scanners

Köln, Underground 2
15.04.2013
Tall Ships
Wer Hauptact und wer Unterstützung ist, war an diesem Abend im Underground höchstens aus der Reihenfolge der Auftritte ersichtlich. Scanners legten in dem kleinen Club einen überzeugenden Auftritt hin, während sich Tall Ships nach mittelmäßiger Darbietung bei Minimaldauer verabschiedeten.
Pünktlich war man da und pünktlich ging es los. Um kurz nach acht dackeln die Scanners aus dem Undergrounder Innenhof noch mit dem Bierchen in der Hand in den kleinen Konzertraum, alles, was Tickets hat, dackelt hinterher. Die anfängliche Befürchtung, die mittlerweile doch schon renommierteren Indie-Rocker müssten vor einem fünfköpfigen Publikum spielen, wird bald ausgeräumt: Zum Auftakt mit den Scanners haben sich die meisten Zuschauer bereits eingefunden.

Und das wird ihnen gedankt. An der Winzigkeit von Bühne und Publikum wird sich nicht gestört, dass sich Amina Bates zur Überquerung der Bühne an Kollegin Sarah Daly festklammern muss, um nicht in die Bass Drum zu fallen, wird schelmisch begrinst. Schon mit dem ersten Akkord haut man so engagiert in die Tasten, man hätte hier genauso gut wieder auf dem SXSW Festival stehen können. Daly ist unbestreitbar Dreh- und Angelpunkt, nicht zuletzt dank dieser STIMME. Die hat sie so vollkommen unter Kontrolle, singt mit einem derartigen Gefühl und einer Wandlungsfähigkeit, vom ersten bis zum letzten Ton trifft alles ins Schwarze, egal, wie hoch geschrien, wie tief gesäuselt wird. Matthew Mole und Amina lassen derweil die Instrumente rotieren, bearbeiten die Gitarren, ersterer ist für die Feinarbeit zuständig, die Dame schrammelt rockermanierlich die Akkorde runter, zwischendurch bedient man mal die Synthies oder Percussion. Zu "Salvation" und dem Intro von "Love Is Symmetry" leistet Mole Aushilfe an den Drums, schnallt sich die Gitarre auf den Rücken und schmettert die Sticks, besonders dem Herzstück des neuen Albums wird hier ein ganz neuer Groove verpasst. Zu Harry Lane ist nicht viel zu sagen, der macht seinen Job, spielt ohne große Überraschungen tighte Drums, ist immer auf dem Punkt. Auch der zur Unterstützung angeheuerte Bassist Ben Grillon gibt alles, bis zum letzten Schweißtropfen. Dessen Hemd, zu Anfang noch himmelblau, ist mittlerweile einheitlich marinefarben, tropft, im Underground brütet eine Affenhitze. Und Sarah singt und singt und singt und man möchte, dass das niemals aufhört, diese Stimme ist magisch.

Das Publikum ist leider nicht das beste, zumindest für die Scanners. Nur wenige scheinen den Stoff zu kennen und außer vereinzelten Beat-nickenden Köpfen sieht und hört man während der Songs wenig. Erst nachdem sich Sarah irgendwann erkundet: "Are you okay? You are so quiet!", wird lauter abgejubelt. Nach dem letzten Song des offiziellen Sets (bei dem Sarah gekonnt die Geige schranzt) gar so sehr, dass die "Vorband" sich zu zwei Zugaben bitten lässt. Auch eher unüblich. Und hier kommt die Größe der Location einmal zum Guten. Amina hat ihren Capo vergessen, ein kurzes "Oops!", charmantes Lächeln, in den Raum nebenan gestürzt und zurück auf die Bühne getrippelt.

Dann ist wirklich Schluss, kurzer Umbau und schon legen Tall Ships los. Nun also Math-Rock à la Foals mit sehr definierten Synthie- und Gitarrenlinien, zwischendurch stellt das Trio auch immer wieder Sound-Wände auf die Bühne, die an We Were Promised Jetpacks in dreckig erinnern. Auch die Stimme Ric Phetheans kommt der von Adam Thompson recht nahe, beide singen gerne mal schräg und roh, aber qualitativ hinkt Phethean etwas hinterher. Die Bühnenpräsenz eines Rockband-Leaders geht ihm ebenso ab, was aber durchaus sympathisch kommt.

Jamie Bush am Schlagzeug hat verblüffend vertrackte Beats ausgetüftelt, hinkt aber gelegentlich hinter seinem eigenen Rhythmus her. Ob das nun am Underground'schen Klima liegt, sei mal dahingestellt, aber nach zwei Stücken ist der Drummer schon so nassgeschwitzt, dass man fast Mitleid hat. Ist aber auch ein ordentliches Tempo, das er da vorlegt! Unterstützt wird er von Tour-Bandmember James Elliot Field, der neben den Keyboards auch ein Drumpad und den Schellenkranz bedient.

Es wird geloopt, was das Zeug hält: Gesang, Gitarre, Effekte. Manchmal singt Ric dann gar nicht mehr, sondern alles kommt dreifach und vierfach gedoppelt minutenlang vom Band. Kann man mögen, muss man aber nicht. Dazu werden ohrenbetäubende Feedbacks und gecrashte Becken eingestreut. Um das Trash-Lärm-Chaos perfekt zu machen, wird zu guter Letzt noch das Megaphon rausgekramt. Dann bricht aber plötzlich alles auf und zum Vorschein kommen immer wieder ruhige, glasklar melodiöse, balladeske Passagen. Oder umgekehrt. Mit dem Megaphon ist denn auch schon alles vorbei, fast unerhört kurz war Tall Ships' Auftritt, nicht annähernd so lang wie der der Scanners. Wer sich umschaut, blickt in ungläubige Gesichter, nach dem Release des famosen "Everything Touching" hatte man sich für diesen Abend mehr erhofft. Zu den Zugaben wird trotzdem noch abgezappelt, gepoogt, geklatscht, dann schlufft man auch schon zum Merch-Stand, um zumindest noch ein Autogramm rauszuholen.

Souverän waren beide Auftritte, aber am Ende des Abends nimmt man vor allem eines mit: Das hätte andersrum gehört.
Surfempfehlung:
wearetallships.co.uk
soundcloud.com/tallships
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www.scannersmusic.co.uk
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Text: -Lisa Schmitz-
Foto: -Pressefreigabe-

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