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Seltsam schön.

Reeperbahn Festival

Hamburg, Reeperbahn
25.09.2013/ 26.09.2013/ 27.09.2013/ 28.09.2013

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Reeperbahn Festival 2013
Es war mal wieder Zeit für das bunte Treiben auf St. Pauli - das Reeperbahn Festival 2013 stand auf dem Programm. Das bedeutet: Inzwischen vier Tage lang richtig gutes Musik-Programm in den Clubs, Bars und sonstigen Auftrittsorten im Herzen Hamburgs. Bekannte und unbekannte Bands geben sich die berühmte Klinke in die Hand, man freut sich auf alte Bekannte oder stolpert über neue Bands. Alles dabei, und alle sind dabei.
Los ging es also bereits am Mittwochabend mit David Lamaitre im Imperial Theater - ein wirklich passendes Setting mit jeder Menge Instrumente, teils selbstgebaut wie es scheint. David Lemaitre stammt ursprünglich aus Bolivien, lebt aber schon ewig in Deutschland und präsentiert uns seine herrlich entspannte Mischung aus Pop und Songwriter-Musik, sehr sympathisch und ein schöner Beginn für das Reeperbahn Festival.

Direkt im Anschluss an gleicher Stelle gingen Abby aus Berlin auf die Bühne - und so bunt und durcheinander (ein sehr munterer Instrumenten-Wechsel findet dort statt) es dort scheinbar zugeht, so wenig lässt sich die Musik Abbys auf eine bestimmte Richtung festlegen. Mal Pop, mal Rock, mal etwas zum tanzen, auch mal gerne mit Cello - es gibt scheinbar nichts, was die Herren nicht können. Und dabei kommen auch noch teils unwiderstehliche Melodien zum Vorschein.

Beim Verlassen des Imperial Theaters musste man sich dann zunächst durch eine Schlange Menschen wühlen, die locker bis rüber zum Molotow reichte - alle wollten Me And My Drummer sehen. Wir nicht, denn wir wollten die tollen Talking To Turtles in der Hasenschaukel sehen. Dass das Duo (Claudia Göhler und Florian Sievers) toll sind, scheint sich inzwischen herumgesprochen zu haben, denn die Hasenschaukel war bis in die letzte Ecke gefüllt - so blieb für uns erstmal der Platz vor dem Schaufenster, aber auch dort konnte man dem schönen Indie-Pop lauschen und fühlte sich rundum wohl. Ein schöner Abschluss für den ersten Tag.

Zum Start des zweiten Tages ging es dann direkt mal in eine Table Dance Bar - das ist ja auch eines der schönen Nebeneffekte des Reeperbahn Festivals: Man bekommt die Chance, Clubs, Bars und andere Orte zu sehen, die man vielleicht normalerweise nicht betritt, weil falsche Zielgruppe etc. So also ab in den Pearls Table Dance Club, stilecht mit vielen Spiegeln, zum Tanz einladende Tische und natürlich der obligatorischen Tanz-Stange. Auf dem Programm stand mit Gambles eine neue Hoffnung am Singer/Songwriter-Himmel - Matthew Daniel Siskin steckt hinter dem Pseudonym Gambles, der sich dem Lo-Fi-Folk a la Bob Dylan verschrieben hat. Und so schlurft er dann auch ohne viel Aufhebens direkt auf die Bühne, bewaffnet nur mit Gitarre und seiner Stimme - die ab und zu etwas einbricht, aber das macht das alles nur noch natürlicher. Er lässt verlauten, dass er vor rund zehn Monaten den ersten Song geschrieben habe und nun steht er in Hamburg auf der Bühne - so schnell kann das manchmal gehen. Verdient hat er es auf jeden Fall, dieser Auftritt hinterlässt Eindruck, auch wenn er manchmal den Text vergessen hat.

Im Anschluss stand Emma Longard auf der gleichen Bühne wie zuvor Gambles - aber mit einem ziemlichen Kontrast-Programm. Hier wurde versucht, Pop mit Indie und Soul zu vermischen, aber irgendwie wollte das alles nicht zusammen passen, dazu wurden auch noch einstudierte Bewegungen dargeboten.

Im Molotow präsentierten sich dann die Smith Westerns auch Chicago - auch hier wollte etwas nicht passen, und das war die Musik in Bezug auf die Leute, die diese darboten. Oder es war vielleicht einfach die Show, die sich die Smith Westerns vorstellten. Trotz Garagen-Rock, Punk, Rock, verhielt sich die Band sehr teilnahmslos, der Sänger recht verpeilt.

Also einfach weiter, die Treppen des Molotow hoch zur Bar, denn dort tummelten sich Yast aus Schweden auf der Mini-Bühne. Trotz Bar, trotz Mini-Bühne (auf der der Keyboarder leider keinen Platz mehr fand und sich deswegen neben der Bühne auf dem Boden niederlassen musste) konnte man einen hervorragenden Sound vernehmen - selten hat Indie-Dream-Pop-Rock so gut in der Molotow Bar geklungen.

Roosevelt ist auch inzwischen von Festivals nicht mehr wegzudenken - im Sommer noch auf dem Dockville, jetzt im Moondoo Club mit Bassist auf der Bühne. Live auf jeden Fall eine Bank, lädt Marius Lauber mit einen Beats, Synthie-Sounds, Pop und Rock zum Tanz ein und alle machen gerne mit.

Abschließend noch zum Absacker in das Docks, abfeiern mit den Shout Out Louds aus Schweden. Kein Problem, das laut Aussage der Band bisher größte Publikum in Deutschland steigt sofort ein, feiert jeden Song lautstark ab, tanzt zu jedem Beat. So geht Pop, das wissen hier alle.

Tag drei startet für uns im Indra mit Messer - Sänger Hendrick Otrembra mit Schimanski-Gedächtnis-Jacke die erste Hand voll Songs singend, wird lockerer und gesprächiger, sobald er die Jacke abgelegt hat. Seltsam, aber die Musik fesselt, der Joy Division-artige Bass bleibt im Kopf stecken, die eindringlich dargebotenen Songtexte sowieso. Großartig.

Großartig, aber auf eine recht unterschiedliche Weise war dann auch der Auftritt von Anna von Hausswolff in den Fliegenden Bauten. Ihre eindrucksvolle Stimme kam in der Zelt-Umgebung hervorragend zur Geltung, musikalisch hat das alles gepasst. Annas Stimme, der Orgel-Sound, die verhallten Gitarren, dumpfe Bässe. Beeindruckend, und sicherlich ein Höhepunkt des Reeperbahn Festivals.

Im Anschluss dann wieder in das gemütliche Imperial Theater: Emily, Jessica und Camilla aka The Staves haben Folk-Setting geladen. Nur mit Stimmen und einer Gitarre präsentieren die drei Schwestern tolle Melodien und sind dabei nicht zugeknüpft, sondern tragen das Herz auf ihren Zungen, und das auch noch mit derben Watford-Akzent. So gab es allerlei lustige Geschichten zu hören, sie freuten sich sehr über ihren ersten Auftritt in Hamburg und waren sehr erstaunt, was man so alles im Sex-Shop um die Ecke finden kann.

Am letzten Tag des Reeperbahn Festivals konnte man dann in der Großen Freiheit 36 die großen Indie-Helden Built To Spill bewundern - die auch völlig tiefenentspannt selbst den Soundcheck durchführten, und weil die Herren dann sowieso schon auf der Bühne standen, blieben sie einfach direkt dort und fingen einfach mal an. Auch wenn es einige Minuten vor dem offiziellen Beginn war. Egal, die Songs sind ja teilweise sowieso etwas länger. Diese wurden dann laut, druckvoll und einfach toll dargeboten, mit drei Gitarren und jeder Menge Melodie. Wie sagt man so schön: Die alten Säcke können es immer noch.

Im Gruenspan dann das Gegenteil - nicht wirklich entspannt und sogar etwas später starteten Slut aus Ingolstadt in ihr Konzert. Die Verspätung war einem schier endlosen Soundcheck geschuldet, und irgendwie hielt diese angespannte Stimmung dann leider auch Einzug in das Konzert. So richtig locker war das nicht, alles sehr konzentriert, recht inszeniert mit Video-Installationen.

So ging es dann zu einem unverhofftem Höhepunkt - und zugleich einem perfekten Beispiel dafür, dass das Reeperbahn Festival einfach perfekt ist, um tolle Bands zu entdecken. Auch wenn es mal zufällig sein sollte. So blieben wir auf dem Weg zu den Elwins (die in der Molotow Bar spielten) in der Pooca Bar hängen, um den seltsamen und trotzdem beeindruckenden Kirin J Callinan aus Australien zu bewundern. Gekleidet in einem seltsamen Anzug, Sandalen und getapten Knöcheln, zelebrierte Kirin - begleitet von zwei (uniformierten und keine Miene ziehenden) Kollegen am Schlagzeug und Keyboard - sein Repertoir, das von Industrial bis zum normalen Indie-Rock alles beinhaltete, was man sich vorstellen kann. Seltsam schön. Danke für diesen Abschluss des Reeperbahn Festivals.

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Surfempfehlung:
www.reeperbahnfestival.com
Text: -David Bluhm-
Foto: -David Bluhm-


 
 

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