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Konzert-Bericht
 
Keine Angst vor'm Fliegen

Transatlantic

Köln, Live Music Hall
13.11.2001
Roine Stolt (Flower Kings)
Zur Abwechslung mal eine Band mit amerikanischen Mitgliedern, die NICHT aus Angst vor'm Fliegen die aktuelle Tour cancelt, wie es viele, viele andere in den letzten Wochen getan haben. Nein, Transatlantic, deren bildhübsche Albumcover immer von Raumschiffen geziert werden, schafften es sogar just in diesem terrorisierten Spätherbst zum ersten Mal von ihren dies- und jenseits des Atlantiks angesiedelten Bodenstationen aus, den Terror der Terminpläne zu bekämpfen und auf Europatour zu fliegen, öhm, aufzubrechen...

Die Atlantik-Transen kann man sich als eine Art "Supergroup" des Progressive Rock vorstellen, gegründet von den Chefs oder zumindest den musikalisch besonders wachen Köpfen von vier der besten und erfolgreichsten Bands der Szene, sprich Flower Kings, Spock's Beard, Dream Theater und Marillion. Alles musikalische Formationen, die ohnehin schon verfrickelt bis zum Gehtüberhauptgarnichtmehr sind. Warum dann noch Transatlantic? Vermutlich, weil sich diese vier Köpfe und Ausnahmemusiker ganz besonders am musikalischen Output des jeweils anderen berauschen und dann abheben können. Und weil sich in diesem speziellen Projekt die jeweiligen Talente vielleicht noch ein bißchen besser zu epischbreiter Progrockmusik ergänzen, als in den jeweiligen, sowieso schon einigermassen legendären Mutter-Bands.

Stolt, Daniel Gildenlöw (Pain Of Salvation)
Transatlantic zog jedenfalls ohne Ende: Die Live Music Hall zu Köln war ausgebucht, vor der Halle bildeten sich ungewohnt lange Einlaß-Schlangen. Und dieser nur von den zwei Original-CDs und einer Live-Scheibe genährte Vertrauensvorschuß wurde nicht enttäuscht!

Nach ärgerlichen 40 Minuten Wartezeit nach offiziellem Beginn fiedelte endlich auf die reichlich graubärtig untermischte Zuschauerschar das (Konserven-)Intro ein, das zum "Duel With The Devil" eskalierte, der ersten Nummer des aktuellen Albums. Womit alle Beteiligten denn auch erst einmal 25 Minuten mehr als ausgelastet waren. Wow!

"If you like short songs, you came to the wrong place", informierte der charismatische Spock's Beard-Sänger Neal Morse vermutlich unnötigerweise das mehrheitlich ausgerastete Publikum nach der ersten Nummer. Und stellte die Band vor. Und wer sich in der Zwischenzeit gefragt haben sollte, wer der enorm gut und sympathisch aussehende, mit Backingvocals der Güteklasse Glen Hughes/junger Ian Gillan aufwartende zweite Gitarrist/Keyboarder im hintersten, kaum ausgeleuchteten Bühnenabschnitt wohl sein konnte, der wurde von Morses "Introduction to musicians aufgeklärt": Es ist tatsächlich Daniel Gildenlöw, Kopf, Sänger und Gitarrist der schwedischen Prog-Legendenband Pain Of Salvation, der den Transen auf dieser Tour "aushilft"...! (Für mich persönlich hatte sich damit allein dieser Abend schon mehr als gelohnt)

Nummer zwei des Abends, "My New World" vom ersten Album, gehört sicher zu den schönsten transatlantischen Züchtungen überhaupt. Geboten wurde eine bislang nur auf Bonus-Material erhätliche Version mit Lead Vocals von Roine Stolt, Gitarrist, Hauptkomponist und Sänger der Flower Kings. Damit war für weitere 16 grandios-bewegende Minuten gesorgt.

Nummer drei: "We All Need Some Light", ebenfalls vom Debütalbum, bei dem Marillion-Tieftöner Pete Trewawas wirklich ein Extrabrikett nachlegte während Mike Portnoy ausserhalb seiner - schick am äußerst rechten Bühnenflügel aufgebauten - Schießbude mit Wunderkerzen rumhopste.

Anschloß sich die "Suite Charlotte Pike", mit einer der nettesten Beatles-Zitate-Sammlung, die man in langen Jahren hören konnte. Unglaublich, was die alten Kämpen hier 30 Minuten am Stück am kesseln hielten. Die Domäne von Roine Stolt, der mit Glitzerkostüm, Wahwah-Pedal ohne Ende und genialem Gitarrenspiel hier alles zusammenhielt.

Neal Morse (Spock's Beard)
Zeit für den nächsten "Quickie", "Stranger In Your Soul" vom aktuellen Album "Bridge Across Forever", der abermals mit 30 hochdramatischen Minuten zu Buche schlägt. Und wieder fällt angenehmstens auf, daß diese Formation neben vielen anderen wundervollen Talenten eben auch 5, in Worten fünf, hochtalentierte Sänger am Start hat... Kaum zu toppen, vor allem natürlich nicht Daniel, dessen schier unglaubliches Organ jedesmal, wenn er ran darf, einen spürbaren Ruck durch's Publikum erzeugt (höchste Zeit für die nächste P.O.S.-Tour übrigens!).

Als Zugabe gibt es dann noch die "Kleinigkeit" der ersten Nummer des Debütalbums, sprich 30 Minuten "All Of The Above". Roine Stolt lächelt ja fast nie, aber bei dem Getobe, was nach den letzten Akkorden hiervon losbricht, feixt auch er erleichtert-begeistert in die Runde. Keine Angst vor'm Frickel-Fliegen - hier wurde es in ziemlich einmaliger Perfektion vorgeführt!

Diese Band ist von Instrumentenbeherrschung, Spielfreude und Zusammenarbeit so ziemlich das Tollste, was man sich derzeit im Bereich ProgRock antun kann. Danach kommt im Augenblick m. E. nur noch Fates Warning (deren Jim Matheos ursprünglich hätte dabei sein sollen), Symphony X und das war's dann auch schon... Wenn Ihr die Chance habt, diese Formation auf der laufenden oder noch kommenden Tourneen zu sehen: Be there!

Text: -Klaus Reckert-
Fotos: -Stephan Kunze-


 
 

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