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Moshen auf Zeit

Awolnation
Finish Ticket/ Nothing But Thieves

Köln, Bürgerhaus Stollwerck
28.03.2015
Awolnation
Eines muss man von Lieberberg gebuchten Events lassen, sie sind durchstrukturiert bis auf's Letzte. Abgesehen davon, dass sowieso niemals jemand verstehen wird, warum Auftritte trotz längst absolvierten Soundchecks immer erst zur vollen Stunde beginnen können, konnte man sich an diesem Abend über mangelnde Pedanterie nicht beklagen. 21 Uhr Antritt der ersten Vorband, 22 Uhr Einmarsch der zweiten und um 23 Uhr schritt Herr Bruno höchstselbst auf die Bühne. Und spielte auf den Punkt genau 45 Minuten, bevor er sich zum ersten Mal verabschiedete.
Doch eröffnet haben im ausverkauften Stollwerck erst einmal Finish Ticket aus San Francisco, Kalifornien. Im Moshpit tummelten sich bereits die altbekannten Smartphone-Kiddies, die Erwachsen(er)en spinksten aus sicherem Abstand von der Empore. Die Tickets stellten sich artig vor, erzählen von der mit Kölsch durchzechten letzten Nacht - man sei schließlich das erste Mal in der schönen Stadt am Rhein - und luden ein, gemeinsam den Kater zu bekämpfen. Netter erster Eindruck, und der trügte nicht. Schon nach ein paar Takten des Openers "Doctor" ließ es sich selig grinsen, die Drums grüßten mit einem Groove und einer Wuchtigkeit, die man von Awolnation kennt, aber nicht unbedingt schon bei der Vor-Vorband erwartet hätte. Danach wurde es noch rockiger, härter, Front-Schönling Brendan Hoye verkehrte meisterhaft und ziemlich lässig zwischen Grunge und höchster Kopfstimme, während Zwilling Michael im Duett mit Drummer Gabe Stein verdammt nette Rhythmen zauberte. "Bring The Rain" bot epischen Stadionrock, "Catch You On My Way Out" zeigte, dass man auch romantisch kann. Alles echt sympathisch, alles echt gut. Leider machte der gute alte "German clap" verlässlich jeden ruhigen Song kaputt.

Es folgten Nothing But Thieves aus London, die im Kontrast ausladender, pompöser und irgendwie anstrengend waren. Muse'eske Vocals, mit denen die übrige Band nicht recht mithalten konnte. Denn Conor Mason hat ein Organ, das göttlich ist und die fiesesten Töne auch mal zehn Sekunden halten kann - bloß was drumherum passierte, schien etwas beliebig und ließ die pathetische Chose zumindest in den Ohren der AN-Fans latent in den Schmalz-Rock abgleiten, die erste Reihe lehnte unbewegt an der Absperrung. Schade, denn vor anderem Publikum hätten die Briten sicher den verdienten Jubel geerntet.

Einen weiteren Umbau - die Lightshow darf nicht fehlen - und eine weitere Prodigy-geprägte Pause später war es endlich soweit: Seiner Tourbegleitung folgend betrat Aaron Bruno gewohnt lax die Bühne, fiel sofort in "Run" vom gleichnamigen neuen Album ein und gab damit einen vergleichsweise ruhigen Auftakt, bevor die Menge schon zum darauffolgenden "Soul Wars" explodierte. Die Teenies steckten die Smartphones ein und machten dem Moshpit Ehre. Bruno weiß eine Performance zu liefern, ohne Frage, man ist in Höchstform. Den Output hätte man sofort auf Platte pressen können, so perfekt, wie selbst die Shoutings abgeliefert wurden. Auf den "Megalithic Symphony"-Klassiker folgten die wieder gemäßigteren "Jump On My Shoulder" und "Not Your Fault", ebenfalls vom Debüt-Album. Die neue Single "Hollow Moon (Bad Wolf)" sorgte wieder dafür, dass den Leuten die Flaschen aus der Hand gepogt wurden, mittlerweile spritzte der Schweiß, so eine Stimmung sieht das Stollwerck sicher nicht alle Tage.

Das ausgewogene Potpourri beider Alben ging weiter, nach "KOOKSEVERYWHERE!!!" musste erst einmal bei "Windows" und "Kill Your Heroes" Luft geholt werden, bevor Band wie Publikum beim starken "Burn It Down" noch einmal alles gaben. "Knights Of Shame" wurde dann schon als letzter Song angekündigt, etwas früh, aber angesichts der Qualität, welche in den knappen Auftritt gesteckt wurde, war die Enttäuschung leicht zu schlucken. Mit einem kurzen Winken trat man ab, insgesamt war Bruno an diesem Abend nicht sonderlich gesprächig. Die Energie wird eben in die Songs gesteckt.

Brüllende "A-WOL-NA-TION"-Chöre lockten die Musiker fix wieder nach vorne, man wurde aufgefordert, seinen Nächsten - "even, if you don't know that person!" - zu umarmen und vereint "All I Need" zu beschunkeln. Mit "Dreamers" folgte noch einmal Elektro-Rock vom Feinsten und was dann noch fehlte, war allen klar: Schon bevor die ersten Synthie-Töne von "Sail" erklungen, machte man vor der Bühne Platz, um zum Moshen noch einmal richtig Anlauf zu nehmen, und auch auf der Empore stand nichts still. Musikgenuss in Reinform. Fazit des Abends: Awolnation ist Professionalität in Perfektion und Aaron Bruno ist und bleibt einfach eine abgebrühte coole Sau.
Surfempfehlung:
awolnationmusic.com
www.facebook.com/awolnation
www.nbthieves.com
www.finishticket.com/tearsyouapart
Text: -Lisa Schmitz-
Foto: -Kari Rowe-

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