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Konzert-Bericht
 
Die düstere Verlockung

Algiers

Berlin, about blank
12.08.2015
Algiers
Es braute sich etwas am Berliner Abendhimmel zusammen. Doch das, was sich schließlich wie ein Gewitter über der Menschenmenge im "about blank" entladen sollte, war alles andere als eine tropfnasse Überraschung von oben. Das Trio Algiers aus Atlanta war mit einem zusätzlichen Schlagzeuger auf der Bühne unter vollstem Einsatz dabei, die sommerlich schwühl-warme Luft mit ihren wuchtigen Songs zu durchschneiden. Song für Song wirkte die Band als würde sie am liebsten die holzartige Bühnenverkleidung mit all ihrer Energie sprengen wollen und füllte den nur sehr begrenzten Raum, der ihr zur Verfügung stand, mit enormem spielerischem Eifer.
Algiers
Bereits kurz nach der Veröffentlichung ihres Debüts vor ein paar Monaten stießen die drei Musiker aus dem Süden der USA dank ihrer einzigartigen Verschmelzung von Post-Punk und Gospel auf viel Zuspruch. Nun endlich gaben sie unter dem Himmel von Berlin ihr Live-Debüt hierzulande und wurden mit deutlicher Spannung erwartet. Kurz vor dem Set der Band saß das Publikum lieber noch lässig verstreut im gemütlichen Garten des Clubs, doch schon wenig später rückten die Anwesenden nahe zusammen, um das vor ihnen stattfindende Treiben zu beobachten.

Während die umliegenden Baumkronen vom aufkommenden Wind durcheinander geschüttelt wurden, verharrte die Menge zunächst noch etwas verhalten in der ihr entgegen schlagenden Sound-Wucht, die aus den Verstärkern drang. Anfangs noch von ein paar technischen Aufhängern begleitet, ließ sich die Band aber nicht in ihrem Tatendrang beirren und wirkte im Rausche der Musik wie eine Horde Aufständiger, die sich mittels ihrer Spielkraft gehörig Gehör verschaffen wollten. Viel Überzeugung brauchte es vonseiten der Band nicht, um die Anwesenden in ihren Bann zu ziehen und die Gespräche verstummen zu lassen.

Sänger Franklin James Fisher bäumte sich am Mikrofon in jeder Sekunde seines Einsatzes auf und füllte die Songs durch seine stimmliche und auch physische Präsenz randvoll mit einer Entschlossenheit, die die allgemeine Dringlichkeit der Musik perfekt unterstrich. Gerne schnappte er sich dabei auch sein Tamburin und geriet auf den Knien bebend in Ekstase oder suchte die Nähe zum Publikum, in dem er wiederholt von der Bühne sprang und seinem Elan inmitten der Zuschauer freien Lauf ließ. Auch Bassist Ryan Mahn zog es zwischenzeitlich vom Groove gepackt von der Bühne, den er tanzend zusammen mit den Fans wieder einzufangen suchte.

Die musikalische und textliche Schwere der Stücke wirkte zu keinem Zeitpunkt erdrückend. Vielmehr geriet das Set dadurch in eine Art fiebrigen Zustand, der einen pausenlos packte. Songs wie "Blood" oder auch "Black Eunuch" brodelten förmlich bis unter die Deckenverkleidung und pulsierten nachhaltig in den Ohren der Anwesenden, die sich tanzend immer mehr der in den Songs zum Ausdruck gebrachten Lebendigkeit hingaben. Selbst die Bierflaschen auf den Verstärkern der Band hielt es nicht lange an ihrem Platz. Sie kippten schon nach wenigen Minunten einen Meter tiefer, wo Bassist Ryan Mahan mit entschlossenem Blick und den Takt vorgebend kräftig seine Hacken in den Bühnenboden grub.

Algiers
Gitarrist Lee Tesche war dagegen so etwas wie der Ruhepol, der zumindest nach außen hin besonnen schien und lieber genüsslich die Augen schloss. Auch ohne die auf dem Album so eindrucksvollen Gospel-Chöre erzeugten Algiers bei ihrer rund einstündigen Show viele intensive Momente, die sich mal gewaltig und ruhelos, mal eher gedämpft in die bevorstehende Nacht ergossen.

Trotz eines nicht enden wollenden Applauses folgten zwar aufgrund des erschöpften Repertoires keine weiteren Songs, aber dafür ein herzlicher Dank Fishers ans Publikum, der lachend verkündete, die Band hätte jeden ihrer Songs gespielt. Das Energielevel der Band hätte vermutlich noch für mehrere Stunden gereicht. Bei wem Algiers noch auf der Liste der Geheimstipps standen, darf nach diesem Abend noch ein Ausrufezeichnen dahinter setzen.

Surfempfehlung:
www.algierstheband.com
www.facebook.com/Algierstheband
www.twitter.com/algiersmusic
Text: -Annett Bonkowski-
Fotos: -Annett Bonkowski-


 
 

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