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Konzert-Bericht
 
Jenseits des Erwartbaren

Low
Nadine Khouri

Bochum, Christuskirche
10.10.2018

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Low
Die Jubiläumskultur blüht in der Musikindustrie. Für jedes Konzert, für jede (Wieder-)Veröffentlichung wird schnell ein Jahrestag oder ein runder Geburtstag gefunden. Low haben das zum Glück nicht nötig. Genau 25 Jahre gibt es die einstigen Slowcore-Vorreiter nun schon, doch statt sich auf den runden Geburtstag zu stürzen und gewinnbringend auf Greatest-Hits-Tournee zu gehen, machen Alan Sparhawk, Mimi Parker und Steve Garrington lieber das genaue Gegenteil. In Bochum sorgt das für ein ungemein spannendes Konzert abseits des Erwartbaren.
Zunächst steht allerdings Nadine Khouri auf der Bühne. Der Kollege Ullrich Maurer hatte die Musik der Londoner Singer/Songwriterin mit libanesischen Wurzeln zu Beginn des Jahres als "musikalische Reise ins träumerische Zwischenreich" beschrieben, und damit passt sie in Bochum klanglich ganz ausgezeichnet zu dem, was später am Abend noch folgt. Ähnlich wie auf ihrem von Großmeister John Parish in Szene gesetzten Album "The Salted Air" präsentiert sie sich - solo mit Stromgitarre - auch im Herzen des Ruhrgebiets musikalisch bewusst karg und minimalistisch. Ihre mit literarischen Verweisen gespickten Songs sind dabei nicht immer leichte Kost, ohne Zweifel aber stets künstlerisch wertvoll.
Das gilt anschließend auch für Low. Wie schon auf ihrem mutig experimentellen neuen Album "Double Negative" sucht sich das Trio aus Duluth, Minnesota, lieber neue Wege, als sein Glück auf ausgetrampelten Pfaden zu finden. Beim Auftritt in der Christuskirche fehlen deshalb die heimlichen Hits der alten Platten komplett - noch nicht einmal der Ohrwurm "What Part Of Me" von der letzten LP "Ones And Sixes" steht auf der Setlist. Anstelle ihrer Erfolge zelebrieren Low an diesem Abend ihr blindes musikalisches Verständnis untereinander und widmen sich - traditionell ohne große Ansprache ans Publikum, oft einander zugewandt und/oder mit geschlossenen Augen - den ohne das elektronische Beiwerk der Platte aufgeführten neuen Songs und ähnlich gewagten Deep Cuts der letzten zweieinhalb Jahrzehnte. Mit "Lazy" gibt es zur Mitte des Konzerts sogar einen Rückgriff auf das allererste Low-Album "I Could Live In Hope", während die ausufernde Crazy-Horse-Hommage "Nothing But Heart", die im Kontext früherer Low-Gastspiele eher Exotenstatus genoss, nun eine Insel der Eingängigkeit bildet.

Doch nicht nur programmtechnisch wagen sich Low weit vor. Der ergreifende Harmoniegesang von Sparhawk und Parker, der lange Zeit das Zentrum des Low'schen Schaffens bildete, ist zwar nicht vollends verschwunden, steht dieses Mal aber nicht selten hinter den kunstvoll ineinander verwobenen Instrumentalparts zurück. Den Erstkontaktlern im Publikum fordert das ein Höchstmaß an Toleranz ab, langjährige Fans der Band dagegen freuen sich über viele Raritäten und die Tatsache, dass es Low tatsächlich gelingt, nach all den Jahren neugierig wie am ersten Tag zu sein.

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Surfempfehlung:
chairkickers.com
facebook.com/lowmusic
twitter.com/lowtheband
lowtheband.bandcamp.com
www.nadinekhouri.com
nadinekhouri.bandcamp.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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