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Konzert-Bericht
 
Galopp im Schatten

Emma Ruth Rundle
Jaye Jayle

Köln, Gebäude 9
20.10.2018

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Emma Ruth Rundle
"Der nächste Song handelt davon, wie man auf einer langen Straße für sehr lange Zeit festsitzt, wie uns das allen schon passiert ist", erklärte Evan Patterson zur Einleitung eines seiner Kaputnik-Noir-Drones - und auch wenn das nicht beabsichtigt war, beschrieb er so in Ungefähr auch den Eindruck, den die Songs seines Projektes Jaye Jayle auf das Publikum machten. In diesem Leben wird der Gatte von Emma Ruth Rundle in dieser Inkarnation wohl keine kurzen Straßen oder gar Abkürzungen mehr verwenden - und schon gar nicht schnell oder eilig oder gar im Hellen. Das macht ja allein schon der Titel des Albums "No Trail And Other Unholy Paths" deutlich.
Die Musik von Jaye Jayle lebt dabei ergo eher von der Dynamik als der Kinetik - beispielsweise dann, wenn Bassist Todd Cook, der die meiste Zeit unbeweglich vor sich hinoxidiert, plötzlich mit wuchtiger Urgewalt in die Saiten greift, wenn Drummer Neal Argabright und Keyboarder Corey Smith mit statischer Urgewalt Drumsticks gegeneinander klöppeln wie es Bauhaus auch nicht besser hinbekommen hätten und Patterson dazu psychedelische Soundwände aus der Gitarre würgt oder auf seinem Synthesizer ausrutscht. Rein vom Stimmungsbild passte das, was Jay Jayle da so fabrizieren, also ganz gut zu dem, was Emma Ruth Rundle dann im Folgenden produzierten. Wenn auch nicht musikalisch, denn das lief dann auf einem musikalisch doch deutlich konkreteren Level ab. Verwunderlich war es dennoch nicht, denn Patterson und Todd Cook bilden auch den Kern der ERR-Band - wachten hier dann aber aus der katatonischen Slowcore Starre auf.
Die Sache mit Emma Ruth Rundle ist dann die: Obwohl Emma das Programm mit einer Wall Of Sound der lebhafteren Titeln ihrer aktuellen LP "On Dark Horses" begann (und hierbei durchaus auch mal in den Galopp-Modus wechselte), ist sie als Rock-Queen denkbar ungeeignet. Und zwar weil sie auf sympathische Art und Weise nicht cool ist (im Sinne von "nicht abgeklärt und lässig" - nicht im Sinne von "uncool"). Während viele ihrer Kolleginnen die hier zur Schau gestellte Schüchternheit und Unsicherheit aber wohl ins performancetechnische Aus befördert hätte, gelang es Emma, die angestaute Spannung durchaus zu kanalisieren und ihre Songs mit einer unerwarteten Inbrunst und Energie zu präsentieren. Wenn etwa Emmas Gesang zuweilen von einem regelrechten Vibrato befeuert zu werden schien, dann nicht deswegen, weil ihre Stimme sowieso mit einem Vibrato gesegnet ist, sondern deswegen, weil sie vor schierer Intensität am ganzen Körper bebte und zitterte. Dass Emma Ruth Rundle sich die Sache etwa einfach mache, kann man ihr nun wirklich nicht vorwerfen. Natürlich ließ sich dieses Powerplay nicht die ganze Zeit durchhalten. Als Emma dann ankündigte, nun auch ein paar ältere Tracks wie "Protection" spielen zu wollen, legte sie zunächst mal ihre Bariton-Gitarre, mit der sie bis dahin das Klangbild geprägt hatte, beiseite und griff zu einer Gibson-Gitarre - wohl weil sich hierauf angedeutete psychedelische Soli besser spielen lassen. Leider ging mit diesem Sound-Wechsel dann auch ein stimmungsmäßiger einher und es folgten dann eine ganze Reihe schleppender Desolation-Gospel etwa vom Stile "Heaven" ("Das ist übrigens auch ein Tauf-Song", wie Emma meinte) oder des "Light Song" vom aktuellen Album - nur noch gelegentlich angereichert von Mid-Tempo-Elegien wie etwa dem Song "Darkhorse" selbst - den Emma für ihre Schwester geschrieben hatte, wie sie in einer der wenigen Zwischenansagen erklärte. (Das "wörtlich-nehmen" des assoziativen LP-Titels äußerte sich dann durch ein Backdrop und Illustrationen auf dem Drumkit, die allesamt mehr oder minder kaputte Pferdefiguren zeigten.)

Obwohl auch bei diesen Songs dann die o.a. Intensität im Zentrum der Betrachtungen stand, verlor die Sache durch diese Sortierung deutlich an Schwung. Dennoch geriet diese Show deutlich kraftvoller, rockiger und lauter und auch geradliniger als bisherige Performances von Emma Ruth Rundle - was vielleicht daran lag, dass sie auf Keyboards auf der Bühne ganz verzichtete. Vieles sprach so letztlich dafür, dass Emma ihre destruktive Phase, die sie mit ihrer letzten LP "Marked For Death" krönte, mittlerweile überwunden zu haben scheint - oder doch zumindest mit dieser kraftvollen Performance maskieren konnte. Dass die Verletzlichkeit aber immer noch zum Lebensmittelpunkt der Emma Ruth Rundle gehört, zeigte sich dann nicht nur durch die anrührende einzige Zugabe, "Shadows Of My Name", die sie solo präsentierte. Fazit: Trotz des angenehm kraftvollen Rock-Ansatzes erschien dieser Show von Emma Ruth Rundle am Ende durchaus schlüssig und folgerichtig.

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Surfempfehlung:
www.emmaruthrundle.com
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www.facebook.com/jayejayle
jayejayle.bandcamp.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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