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Sisters are doin it for themselves

Natalie Prass
H.C. McEntire

Köln, Studio 672
18.11.2018

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Natalie Prass
Nun gut - da hat Natalie Prass also einen Titel namens "Sisters" auf ihrem aktuellen Album "The Future And The Past", das sie auf ihrer Show im Kölner Studio 672 natürlich auch ausführlich präsentierte - aber da denkt man sich doch nichts bei! Fakt war allerdings, dass Natalie sich auf diesem Song über das Thema Schwesternliebe Gedanken macht - im persönlichen wie auch im politischen Sinne - und diese Gelegenheit nutzte, darauf hinzuweisen, dass es ihre Schwester gewesen sei, die sie überhaupt zum Singen gebracht habe. Und nun wollte es der Zufall, dass gerade jene, in Deutschland lebende Schwester (und deren auf ähnliche Weise motivierten Freundinnen) vor Ort anwesend war, was im weiteren Verlauf des Abends dann zu einigen bemerkenswert hysterischen und schrillen Situationen führten, die weit über das hinausreichten, was Natalie Prass und ihre bemerkenswert perfekt agierende Band alleine auf musikalischer Ebene hätten erreichen können. Aber mal der Reihe nach...
Den Support-Act des Abends - Heather "H.C." McEntire - haben aufmerksame Musikfreunde ggf. schon länger auf dem Schirm, auch wenn Heather (wie sie scherzhaft erklärte) erstmals als sie selbst in der Domstadt zu Gast war. Heather steht nicht nur einer eigenen Band namens Mount Moriah vor, sondern ist auch als Mitglied der Band von Angel Olsen tätig - mit der zusammen sie gerade den Duett-Song "Wild Dogs" von ihrem Anfang des Jahres veröffentlichten Solo-Album "Lionheart" als Video veröffentlichte. Selbstredend ging es es bei dem Set im Studio darum ging, die Songs von "Lionheart" vorzutragen - was für Heather, die musikalisch eher aus einem Indie-Umfeld stammt, einen eher größerer Schritt darstellt, denn sie wollte mal sehen, wie sie ihre oft politisch motivierten Storyteller-Songs in einem für sie eher atypischen Country-Setting präsentieren könne. Nun: Country war es dann nicht ganz, was hier geboten wurde, aber Heather verzichtete tatsächlich auf die Rock-Elemente, die ihre Musik ansonsten zu bieten hatte und beschränkte sich darauf, die Songs mit einem beeindruckend klaren Klangbild (zu dem vor allen Dingen das voluminöse, mit einem Vibrato angereicherte Gitarrensetting beitrug) für sich selbst sprechen zu lassen. Dabei zeigte sie sich - etwa im Vergleich zum exaltierten Verhalten bei Konzerten mit Angel Olsen - als erfreulich zurückhaltende, songdienliche Performerin und hielt insbesondere ihre ansonsten gerne schon mal über das Ziel hinausschießende, expressive Mimik im Zaun. Dafür wurde sie dann von ihrer beeindruckend unkoordinierten Zupf- und Wuselfrisur überwältigt. Ein Song aus dem Mount Moriah-Repertoire rundete dann das kurze, aber aussagekräftige Set Heathers ab.
Musikalisch passte das Ganze nun zwar nicht zu 100% zu dem, was Natalie Prass & Co. im Folgenden boten - es gab jedoch eine erstaunliche Gemeinsamkeit zwischen H.C. McEntire und Natalie Prass: Beide gehören nämlich zur seltenen Spezies derjenigen Musikerinnen, die auf der Bühne eben nicht größer als im richtigen Leben erscheinen. Das bedeutete hier wie da, dass diejenigen Zuschauer, die nicht groß gewachsen waren oder direkt vor der Bühne standen, nicht sehr viel von dem sehen konnten, was das dort passierte. Und das war im Falle von Natalie Prass doch so einiges. Denn obwohl "The Future And The Past" ursprünglich mal als Break-Up-Scheibe angegangen worden war, hatte sich im Laufe der Produktion dann doch mehr daraus entwickelt. Statt also das Album (wie angedacht) mit eher desolaten Herzschmerz-Balladen wie "Ship Go Down" (was Natalie während der Show scherzhaft als Feelgood-Song titulierte) zu füllen, schlichen sich dann mehr und mehr mächtig groovende Soulpop-Songs wie der Opener "Oh My" oder "Short Court Style" (beim Konzert das grandiose, orgiastische Finale) ein, mit denen sich dann auch ganz gut Party machen ließ - wie etwa Natalies Drummer anregte. Und diese bildeten dann auch das Rückgrat der Show. Natalie Prass selbst verzichtete für einen Gutteil der Präsentation darauf, selbst zu der Gitarre (oder zum Piano) zu greifen und präsentierte stattdessen das Material gut gelaunt herumtanzend und mit groß angelegten, expressiven Gesten - gerne auch mal am vordersten Bühnenrand balancierend und im steten Kontakt zu ihren Musikern, dem Publikum im Allgemeinen und - mit der besagten hysterisch überdrehten Note mit viel Gekiekse und Gejohle - mit dem Fanblock ihrer Schwester.

Das Ganze gestaltete sich dann - dank der fabelhaft aufeinander eingespielten Band - eher jazzig und sophisticated als bei den von Matthew E. White ziemlich üppig angelegten, souligen Studioproduktionen. Das ging dann so weit, dass den Musikern - wie in den seligen und von Natalie offensichtlich bevorzugten 70er Jahren - ausufernde Instrumental-Soli inkl. Szenenapplaus zugestanden wurden. Das war dann für heutige Verhältnisse fast schon zu viel des Guten. Zum Glück gab es auf der anderen Seite dann aber auch Songs wie eben "Sisters", bei denen das Tempo dann man rausgenommen wurde oder auch Natalies berührende Hommage an Karen Carpenter - "Far From You" - bei der sie den Inhalt des Carpenter-Songs "Close To You" ins Gegenteil verkehrte und den sie in Köln solo am Piano vortrug. Zu Ende ging das Set dann mit der einzigen Zugabe - einem neuen, bislang unveröffentlichten Track namens "Jess" zu Ende, den Natalie noch ein Mal zu einem Showcase für die ganze Band aufbohrte und der demzufolge in einer waschechten Jamsession gipfelte. Fazit: Der eher überraschende Wandel Richtung Funk und Soul - der sich offensichtlich bei der Produktion des Albums "The Future And The Past" eingeschlichen hatte - setzte sich auf der Bühne nun nahtlos fort. Statt einer möglicherweise ursprünglich angedachten depressiven Besinnungsshow stand also so eher eine lebensbejahende, jazzige (und Dank der Schwestern-Situation) auch leicht überbordende Abschiedsparty im Raum.

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Surfempfehlung:
natalieprass.com
www.facebook.com/NataliePrass
www.hcmcentire.com
www.facebook.com/HCMcEntireNC
www.youtube.com/watch?v=SJsByerV0os
www.youtube.com/watch?v=0pv7rN-_IWU
www.youtube.com/watch?v=Dnux4JLY0Eo
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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