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Double Feature

The Wave Pictures
Norma

Köln, Die hängenden Gärten von Ehrenfeld
19.11.2018/ 20.11.2018

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The Wave Pictures
Thomas Pollmann war der erste gewesen, der die Wave Pictures weiland als Booker nach Deutschland geholt hatte. Aus diesem Anlass hatte sich die Band nun bereit erklärt, im Rahmen ihrer Tour zur aktuellen Scheibe "Look Inside Your Heart" an zwei Tagen in seinem Club "Die hängenden Gärten von Ehrenfeld" aufzutreten - und dort dann auch zwei unterschiedliche Shows zu spielen. Das war eine wirklich hübsche Idee - allerdings mit einem Denkfehler, denn wann hatten die Band um den songwriterischen Mastermind David Tattersall denn bitteschön schon mal zwei GLEICHARTIGE Shows gespielt? Es konnte also letztlich nur darum gehen, dem begeisterten Publikum an zwei Abend so viel Wave Pictures-Material wie möglich darzubieten.
Als Support dazu hatte man die charmante Norma aus Paris herangekarrt. Rein musikalisch gab es dafür eigentlich keinen Grund - außer vielleicht, dass Normas auf Piano und Gitarre vorgetragenen Indie-Pop-Songs auf ihre ganz eigene Art ebenso schrullig und herzallerliebst unterhaltsam rüberkommen, wie das was die Wave Pictures dann boten. Norma hatte indes vor zehn Jahren schon ein Mal die britische Band als Support-Act unterstützt - und das rechtfertigte dann zum Jubiläum eine Wiederholung. Außerdem steht Norma kurz vor der Veröffentlichung ihrer ersten LP im Januar des nächsten Jahres und konnte so die Gelegenheit nutzen, ein bisschen Werbung für ihre Songs zu machen. Seltsamerweise hat Norma vor allen Dingen die Sorge, dass sie das Publikum langweilen könne (was natürlich quatsch ist) und bemüht sich vielleicht auch deswegen, ihre Songs so abwechslungsreich, spontan und spielfreudig wie möglich darzubieten. Dabei wechselt sie dann zwischen dem Piano und der Gitarre hin und her und schaltet ab und an eine kleine Beatbox zu, auf der Beats, Grooves und Basslinien abgespeichert sind. "An dieser Stelle kommt normalerweise ein Gitarrensolo", informierte sie das Publikum an der entsprechenden Stelle ihrer grandiosen Power-Ballade "Lost & Found", "das müsst ihr euch dann halt dazu denken." Dann erzählte sie noch die Geschichte von ihrem Auftritt in New York, wo sie das erste Mal vor einem englischsprachigen Publikum gespielt und sich dabei nicht getraut habe, ihre zuweilen "exquisiten" Texte zu Ende zu singen. "Ihr kennt ja die Amerikaner", begründete sie das. Dabei sind die meisten Texte Normas überhaupt nicht anzüglich, sondern beschäftigen sich auf durchaus pfiffige Art mit ihrer Rolle als Frau im Unterhaltungszirkus. So singt sie etwa in ihrem Song "Woman" davon, dass es nicht in ihren Genen liege, die Bedürfnisse der Herren der Schöpfung zu befriedigen. Abgerundet wurde das Programm an beiden Tagen mit einer Coverversion des Marilyn Monroe-Songs "I Wanna Be Loved By You" und am zweiten Tag zusätzlich mit Christina Aguileras "Beautiful".
Mit Cover-Versionen brauchen sich The Wave Pictures ja nicht wirklich abzugeben, da sie selbst über genügend Material verfügen, beliebig viele Konzertabende dieser Art zu bestücken. Nun ist es ja so, dass die beiden in diesem Jahr erschienenen Wave Pictures-LPs "Brushes With Happiness" und "Look Inside Your Heart" ja durchaus recht unterschiedlich angelegt sind: Die erste als Sammlung eher schleppender, kontemplativer Blues-Prog-Drones und die zweite als munterer Showcase der vielfältigen Möglichkeiten, aus denen die Jungs so schöpfen zu können. Anstatt aber die beiden Shows in Köln nun auch so unterschiedlich zu gestalten, entschlossen sich Tattersall & Co dazu, das Material stattdessen lieber bunt zu mischen. Und so wurden die Tracks von "Brushes" energietechnisch deutlich aufgepimpt und die Songs von "Look Inside Your Heart" kamen dafür dann mit jener epischen Spielfreude angereichert daher, die ansonsten "Brushes" auszeichnete. Und das Ganze wurde dann mit dem Restmaterial aus immerhin auch schon wieder 20 Jahren Bandgeschichte aufgemischt. Und was die stilistischen Feinheiten betraf, die dieses Shows auszeichneten gipfelte das Ganze in der Frage: Was haben MC5, die Dire Straits, Paul Simon, Television, die Kinks oder die Rolling Stones miteinander zu tun? Sie alle werden im aktuellen Soundmix der Wave Pictures mehr oder minder respektvoll und mit großer Begeisterung referenziert - ohne dass es dabei um "klauen" oder "emulieren" gehen kann. Das ist schon alleine deswegen nicht möglich, weil sich Dave Tattersall als Songwriter ziemlich hemmungslos durch die Weltgeschichte treiben lässt. Wo andere etwa Beziehungsdramen entflechten oder Selbstbespiegelungen betreiben, singt der Meister lieber von Delphinen, Spaghetti, Hühnchen oder Möwen, wundert sich darüber, dass er das Telephon drei Stockwerke höher hören kann oder philosophiert über den Nebel, der die Golden Gate Bridge vor seinen Blicken verbirgt. Warum er solche Banalitäten zum Ziel seiner Betrachtungen macht, weiß er auch nicht immer so genau - bzw. muss man ja schließlich über irgend etwas seine Stücke schreiben; wie er an anderer Stelle schon ein Mal ausführte. Das und die große Begeisterung mit der seine Mitstreiter ihm bei diesen Exkursionen ins Absurde folgen, machen die Wave Pictures eh zu einer der sympathischsten Brit-Bands überhaupt. Und zu einem der unterhaltsamsten Live-Acts obendrein, wie auch diese Abende eindrucksvoll belegten. Alleine die lässige Begeisterung, mit der Tattersall seine bemerkenswert virtuosen Soli aus der Gitarre schüttelte und dann jedem seiner Mitspieler auch Gelegenheit gab, sich als Solist auszuleben, war schon den Eintritt wert. Und der Umstand, dass die Band - die ja in Köln schon in wesentlichen größeren Clubs gespielt hatte, bereit war, in einem Schuppen aufzutreten, in dem die Hälfte der Fans bauart- und beleuchtungsbedingt kaum etwas von dem sehen konnten, was da auf der wohnzimmereckenartigen Mini-Bühne passierte, zeugte davon, dass die Jungs ihre Bodenhaftung niemals verloren haben. So nah kommt man als Fan seinen Idolen jedenfalls ansonsten nicht. Das war dann wirklich Grassroots-Rock vom Feinsten und für Fans der Wave Pictures geradezu eine Offenbarung. Eine Wiederholung erscheint durchaus gerne gewünscht!

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Surfempfehlung:
www.thewavepictures.com
www.facebook.com/thewavepictures
www.facebook.com/iamnorma
www.youtube.com/watch?v=WQ6ZYs8HmQs
www.youtube.com/watch?v=pUuzCx9-sbA
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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