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Konzert-Bericht
 
Patsy Cline & Jack The Ripper

Ryan O'Reilly
Hayley Reardon

Köln, Die Wohngemeinschaft
06.12.2018

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Ryan O'Reilly & Hayley Reardon
Ein in mehrerlei Hinsicht hübsches Geschenk hatte der Berliner Exil-Ire Ryan O'Reilly dem Publikum zum Nikolaustag in der Kölner Wohngemeinschaft mitgebracht: Die amerikanische Songwriterin Hayley Reardon nämlich - der er auf diese Weise zu ihrem Deutschland-Debüt verhalf. Denn Ryan hatte die aus Boston stammende Hayley bei einem Konzert in ihrer Wahlheimat Nashville gesehen - und war von ihr dermaßen beeindruckt, dass er sie spontan eingeladen hatte, ihn auf seiner aktuellen Tour als Support-Act zu begleiten.
Was den selbst ja auch nicht ganz unbegabten Songwriter und Performer an Hayley so fasziniert hatte, wurde in Köln sehr schnell deutlich. Hayley, die zwar aussieht, als sei sie gerade erst 15 Jahre alt geworden, hat schon eine beeindruckende Laufbahn als Songwriterin hinter sich. Noch als Teenie veröffentlichte sie ihr Debüt-Album "Where The Artists Go", dem dann die EP "Wayfindings" und 2016 schließlich ihr Album "Good" folgte. Im kommenden Jahr nun steht - dieses Mal dann auch bei uns - die Veröffentlichung ihrer neuen EP "When I Knew You" an, deren Songs sie an diesem Abend dann auch vortrug und sich damit dann auch nachdrücklich für ihre erste Headliner-Tournee in Deutschland im kommenden Februar empfahl. Hayley hat als Songwriterin und Performerin jenen nonchalanten X-Faktor, den man schlicht nicht erlernen kann, sondern mit dem man geboren sein muss. Das machte sich an vielen Details deutlich: Die charmante Art etwa, mit der sie zwischen den Songs die Geschichten hinter den Geschichten ihrer Songs erläuterte, die unauffällig virtuose Art, mit der sie auf der Bühne ihre Tracks auf der akustischen Gitarre umspielte, die Vielzahl der Themen, die durch ihre Stücke geistern und nicht zuletzt die technisch makellose Weise auf der sie ihre Songs zwar betont kontrolliert und mit professioneller Routine, aber auch mit viel Herzblut und sympathischer Situationskomik auf wirklich anrührende Art darzubieten weiß.

Besonders deutlich wurde das anhand der Geschichte zu ihrem neuen Song "200 Years Old", den sie ihrer letztlich an Demenz verstorbenen Großmutter widmete. Denn diese hatte Hayley auf die Musik von Patsy Cline bekannt gemacht und damit dazu beigetragen, dass Hayley sich für das Musizieren interessierte. Als Hayley dann die Großmutter pflegte, gelang es ihr, diese über die Musik von Patsy Cline wenigstens zeitweise wieder in die Realität zurückzuholen. Dass es Hayley gelingt, aus solchen Geschichten ebenso glaubwürdige, unpeinliche und offenherzige Songs zu extrahieren wie zum Beispiel andererseits die Wuselfrisur ihrer Freundin "Julia" oder aber die residuale Qualität spiritueller Energien gerade nicht anwesender Personen in Stücken wie "Ghost" ist es letztlich, was den oben beschrieben X-Faktor dann auszeichnet. Dass es ihr darüber hinaus gelingt, das Ganze musikalisch ohne eine bestimmte stilistische Zielrichtung auf eine eigenständige Basis zu stellen, ehrt sie zusätzlich. Keine Frage: Hayley Reardon gehört zu jenen Songwriterinnen, die insbesondere Genrefreunde auf jeden Fall im Auge behalten sollten. Übrigens: Hayley Reardon kommt ohne weiteres damit durch, wie selbstverständlich mit den Händen in den Hosentaschen glaubwürdig zu performen. Das haben wir zuletzt bei Phoebe Bridgers beobachtet - und was aus der geworden ist, wissen wir ja mittlerweile.

Kurz gesagt: Da hatte Ryan durchaus ein geschicktes Händchen als Artist & Repertoire-Manager bewiesen. Und ein großes Herz - denn es ist ja durchaus nicht selbstverständlich, aus musikalischen Erwägungen heraus eher unbekannten Kolleg(inn)en dergestalt unter die Arme zu greifen. Ryan selbst hatte jetzt gar keine neue Scheibe am Start; was er freilich auch gar nicht nötig hat, um die Kölner Fans zu seinen Konzerten zu locken. Und so wunderte es dann auch nicht, dass es auch dieses Mal wieder recht voll in der Wohngemeinschaft geworden war. Es ging an diesem Abend also nicht darum, neues Material zu präsentieren... nun ja - bis auf einen neuen Song, den er zusammen mit der Kanadierin Jadea Kelley auf der letzten gemeinsamen Tour in einem Duisburger Kreativkeller geschrieben hatte und von dem er nicht so recht wusste, ob dieser schon fertig war. Stattdessen war dieses eine Show, bei der Ryan schlicht und ergreifend seine Lieblingstracks in besonders empathischen und druckvollen Solo-Versionen präsentierte und diese mit alten, neuen, geborgten und blauen Anekdötchen anreicherte - und sich dabei zudem im letzten Teil der Show von Hayley gesanglich unterstützen ließ.

"Ich habe mal in London als Führer für die Jack The Ripper-Tour in Whitechapel gearbeitet", erklärte er zum Beispiel seinen Song "Evil Quarter Mile", "da habe ich dann die Besucher nachts in die dunklen Ecken der Stadt geführt. Das mache ich allerdings auch, wenn das gar nicht mein Job ist." Nun ist das ja so, dass Ryans Songs selbst eigentlich eher nachdenklichen und melancholischen (oder auch düsteren) Charakters sind. Allerdings schafft es der Mann irgendwie, dabei selbst in den absurdesten und dramatischsten Beziehungskonstellationen (um die es bei ihm vor allen Dingen geht) immer noch irgendwelche Silberstreifen am Horizont zu sehen bzw. sich die Dinge schönzureden - mit defaitistischem Humor, aber ohne dabei gleich zum Comedian zu werden. Beispiele dafür gibt es viele: "The One", "The Best Part" oder natürlich "Your New Man" (ein Song, mit dem er seiner Ex zu ihrem neuen Lover "gratuliert"). Dieser Mix aus Desolation und Aberwitz ist es dann auch, die seine Präsentation auszeichnet. Jedenfalls an Abenden wie diesen, in dem es auch mal etwas expressiver zugehen durfte. Das ging dann von der Mimik (und der Frisur her) sozusagen als Hugh Jackman-Impression durch. Zwar fragt sich da zuweilen, ob der Mann noch irgendetwas anderes macht, als ständig sein eigenes Herz brechen zu lassen - aber Spaß macht das auch dann, wenn es mal etwas ruhiger und ernsthafter wird - wie zum Beispiel bei der mit Hayley Reardon unplugged gegebenen "extra traurigen" Zugabe. Ryan O'Reilly - so scheint es - lässt sich sein sonniges Gemüt durch so banale Sachen wie die Unbilden des Liebeslebens nicht verderben. Kurzum: Das war dann mal ein Folk-Abend fernab jedweder Kneipen- oder Lagerfeuer-Sentimentalitäten wie man ihn sich tatsächlich mal öfter wünschte.

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Surfempfehlung:
www.ryanoreilly.uk
www.facebook.com/ryanoreillyband
www.hayleyreardon.com
www.facebook.com/hayleyreardonmusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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