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Viva Colonia!

Hinds
Komplement

Köln, artheater
07.12.2018

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Hinds
"Dürfen wir eure Stadt 'Colonia' nennen?", fragte Ana Perrote gleich eingangs das Kölner Publikum, "denn es ist so schwer für uns, 'Köln' zu sagen." Im Grunde genommen fiel es den vier Mädels aus "Madriiid" im Folgenden dann eigentlich auch schwer, Englisch zu sprechen - von Deutsch ein Mal ganz zu schweigen. Und vergebene Liebesmüh war es obendrein, denn das Publikum bestand zu einem nicht unwesentlichen Teil aus spanischen Exil-Student(inn)en, die wohl gar nicht wegen der Musik, sondern der patriotischen Gesinnung wegen zu dem Konzert der vier Damen von Hinds gekommen waren. Kurzum: Sie wären wohl auch mit Spanisch ganz gut durchgekommen.
Nicht, dass die Musik des Quartetts indes besonders erklärungsbedürftig sei. Es gab genau jenen Mix aus angeschrägtem Indie-Trash-Power-Pop und Garage-Schrammel-Rock, der nach dem Studium der beiden Alben "Leave Me Alone" und "I Don't Run" auch zu erwarten gewesen wäre. Während sich die Damen auf dem zweiten Album in Sachen Songwriting, Performance und Produktionstechnik allerdings deutlich in eine professionellere Richtung bewegt hatten, blieb dieser Aspekt auf der Bühne eher unberücksichtigt - denn hier stand schlicht und ergreifend das Party-Machen und der Spaß an der Freude im Mittelpunkt (was ja keine schlechte Motivation ist). Für musikalische Finessen blieb da schlicht kein Platz. Das machte sich allerdings überhaupt nicht negativ bemerkbar, denn der naive Charme, mit dem die Mädels da ihre Kinderlied-Melodien im Proberaum-Charakter interpretierten, wäre in einem auf handwerkliche Perfektion ausgerichteten Setting schlicht verflogen. So aber hatten Hinds keine Mühe, das gleichgesinnte Publikum für das emsige Umeinander auf der Bühne zu begeistern - und einzubeziehen. "Können wir bitte wieder Licht auf der Bühne haben?", bat Ana etwa als der Lichtmischer des artheater das in dieser Location eigentlich übliche Zwielicht herstellen wollte und ergänzte dann "und können wir bitte auch Tänzer im Publikum haben?" Das Ganze ging dann in verschiedenen Modi weiter. Musikalisch gab es den Schrammelpop- und den Grunge-Modus - wobei die Damen ja eigentlich nachdrücklich darauf bestanden, vor allen Dingen ROCKEN zu wollen. Und choreographisch gab es entweder Freistil-Bop inklusive Kollisionsgefahr auf der Bühne oder aber Hüpf-Choreos, die durchaus dem Kinderlied-Charakter diverser Hinds-Tracks entsprachen. In dem Zusammenhang kam natürlich noch hinzu, dass die Mädels natürlich keine ausgebildeten Chorsängerinnen sind, sondern sich unter der Führung von Ana Perrote und Carlotta Cosials (die im Prinzip auch den Ur-Kern des Projektes bilden) mit mehr oder minder schrillem Gequieke auszudrücken pflegen. Immerhin: Trotz allem kommen gelegentlich alle vier Stimmen im Harmonie-Setting zur Geltung. Freilich: Eingedenk dessen, dass Hinds genau das machen, was alle Fans auch von den vier Damen erwarteten und dass sie ja auch gar nicht vorgeben, mehr als einfach gut gelaunten Indie-Girl-Pop machen zu wollen, machten sie ihre Sache auch durchaus gut. Ein kurzweiliger Partyabend kam jedenfalls allemal dabei heraus.
Was man sich indes dabei gedacht hatte, das Kölner E-Pop-Duo Komplement als Support-Act zu buchen, wurde nicht recht deutlich. Selbst den beiden Protagonisten schien das nicht ganz klar zu sein - zumal sie sehr kurzfristig eingeladen worden waren. Komplement bieten Electronica mit homöopathischen Pop-Versatzstücken, deutlich mehr R'n'B-Bezügen als dem Ganzen gut täte und zu wenig Club-Elementen, um ihr einen konkreten Gebrauchswert zuschlagen zu können. Zumal die Musik des Duos für eine Live-Darbietung denkbar ungeeignet ist, da beide Herren lediglich mehr oder minder introvertiert an ihren Knöpfen drehen und es somit nichts gäbe, was eine Live-Präsentation eigentlich rechtfertigte. Nun ja - wenn Leute bereit sind, für eine Hatsune Miku-Produktion 90 Euro auszugeben, muss man das auch gleich wieder relativieren. Der Punkt ist aber der, dass das einfach nicht zu der lebendigen, mitreißenden Gitarrenmusik von Hinds passte.

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Surfempfehlung:
www.hindsband.com
www.facebook.com/hindsband
www.facebook.com/komplementmusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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