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Konzert-Bericht
 
Alle Jahre wieder

Erdmöbel
Hanna Fearns

Köln, Kulturkirche
17.12.2018

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Erdmöbel
Endlich darf man diesen langweiligen Titel ein mal ungestraft für ein Live-Review verwenden - denn die zweiteiligen (in diesem Jahr durch ein zusätzliches Kinderkonzert sogar dreiteiligen) Weihnachtskonzerte in der Kölner Kulturkirche sind für Erdmöbel und die Fans in der wiederkehrenden Art mittlerweile schon zu einer Art traditioneller Brauchtumspflege geworden. "Mindestens schon fünf mal" sei man hier nun schon zugange gewesen resümierte Ekki Maas - selbst sichtlich beeindruckt - zu Beginn der diesjährigen Show.
Zu der Tradition der Veranstaltungsreihe gehört natürlich auch ein befreundeter Support-Act. In dem Fall war das die "kölsche Zufallsbekanntschaft" Hanna Fearns - die Ekki Maas am 11.11.18 in einer Kölner Kneipe angesprochen und gefragt hatte, ob sie denn nicht den Support für die diesjährigen Weihnachts-Konzerte machen wolle. Da konnte Hanna natürlich nicht "Nein" sagen. Musikalisch hat das, was Hanna macht, eigentlich gar nicht so viel mit dem zu tun, was Erdmöbel zu Weihnachten auf der Bühne veranstalten. Das macht allerdings gar nix, denn mit dem riesigen goldenen Stern, den die Jungs im Hintergrund über dem Altar aufgehängt hatten, wurden sogar die autobiographisch gefärbten, englischsprachigen Noir-Balladen von Hanna irgendwie zu Weihnachtsliedern. Vielleicht auch deswegen, weil die Songs Hannas so heimelig, persönlich, emotional und friedfertig daher kommen. Hanna hat sich dabei darauf konzentriert, auf ihrem aktuellen Album (dessentwegen Ekki auf Hanna aufmerksam geworden war) jenen Teil ihre Lebensgeschichte, der zu der besagten LP geführt hatte, im Songformat nachzuerzählen - angereichert durch ein paar Coverversionen (etwa Becks "Golden Age), die zufällig thematisch dazu passten. Außerdem kommt Hanna aus dem Kölner Dunstkreis - und das ist ja schon Grund genug für die Teilnahme an Kölns musikalisch effektivster Weihnachtsfeier. "Oh - ich kann ja Leute mit meiner Gitarre anleuchten", freute sich Hanna, als eine Reflektion auf ihrer antiken Jazz-Gitarre die Gesichter im Publikum erhellte. Nicht dass die Erdmöbel einen Anheizer im klassischen Sinne brauchten - aber die thematische Grundstimmung legte Hanna mit ihrem sympathischen Solo-Vortrag alle mal - auch ohne klassische Weihnachtslieder.
Nun ja, so richtig klassisch sind die Weihnachtslieder von Erdmöbel ja eigentlich auch nicht. Es ist da eher so, dass die Songs, die die Band zum Jahresende seit Jahren als Single-Titel veröffentlicht mit Markus Berges verdrehtem Wortwitz irgendwie Bezug auf die Weihnachtszeit nehmen und dabei zufällig oft genug im mitreißenden Hitformat daherkommen. Ganz so schwungvoll wie der "goldene Stern" vom letzten Jahr ist der neue Xmas-Hit "Sie nannten ihn Putte" zwar nicht - allerdings hauptsächlich deswegen, weil bei dem brandneuen Tracks das Publikum noch nicht als Chor missbraucht werden konnte, wie es im Folgenden oft genug passieren sollte. Und einen Chor gibt es natürlich bei der Studioversion des "Putte"-Songs auch wieder.

Ekki Maas machte aber deutlich, dass es auch in diesem Jahr nicht nur Quatsch geben würde, sondern auch ernsthaftere Themen zum Tragen kommen sollten. Wie zum Beispiel die Depression zwischen Weihnachten und Neujahr - wie Markus Berges erklärte - die in dem Song "Raketen zwischen den Jahreszeiten" thematisiert wird oder das eher dystopisch angelegte "Ich wollte die Welt ginge immer bergab" - das in diesem Jahr zu einem erstaunlichen Epos ausgewalzt wurde. Freilich: Das Partymachen stand natürlich auch wieder im Zentrum der Betrachtungen. Zumal das Publikum in Münster bei der ersten Weihnachtsshow gut vorgelegt habe, so Ekki, und bereits beim dritten Stück mit einer Polonäse am Start gewesen sei. Freilich: Der Kölner taut langsam auf - verflüssigt sich dann aber doch recht schnell. Spätestens als Markus Berges das Publikum anleitete beim Stück "Blinker" zu blinken was das Zeug hielt, Ekki den Kinder-Ausdruckstanz zum "Goldenen Stern" erklärte und schließlich die ganze Band zum Gassenhauer "Ding Ding Dong" selbst eine nicht enden wollende Polonäse durch die ganze Kulturkirche anleitete, gab es kein Halten mehr. Selbst der alte Misting-Hit "Das Leben ist schön" geriet danach nur noch zu einer vorgezogenen Zugabe. Das Motto des Abends - "Nonstop Christmas" - das zu Beginn der Show a cappella eingeleitet wurde, wurde in diesem Jahr dabei konsequenter durchgezogen als zuweilen zuvor - als noch aktuelle CDs zusätzlich abgearbeitet werden mussten. Aber mittlerweile haben Erdmöbel ja auch mehr als genug Moritaten angehäuft, um gleich mehrere Weihnachtsfeiern gestalten zu können. Und so gab es dann auch alle Repertoire-Songs in feinen Tanzmucken-Versionen: "Fräulein Frost" (mit eigens aufgesetzter Russenmütze), "Russisch Brot" als Polka, "Lametta", "Muss der heil'ge Nikolaus sein", Weihnachten in Tamarui" oder "Der letzte deutsche Schnee" - als Kommentar zur gerade zu Ende gegangenen Weltklimakonferenz in Kattowitz etwa.

Da fehlte so gut wie nichts, was das Herz begehren mochte. Unterstützt wurden die Erdmöbel dabei von Henning Nierstenhöfer und Christa Becker an diversen Blasinstrumenten, Hanna Fearns als Duettpartnerin in zwei Fällen und Wasserrohren, die die Beine von Wolfgang Proppes Piano verlängerten, damit er erstmals stehend ein Erdmöbel-Konzert genießen konnte. Musikalisch taten sich da zwar keine Offenbarungen hervor - die Bläsersätze waren weniger hakelig als im Studio, die Chor-Momente logischerweise unberechenbarer und Ekkis beeindruckende Bass-Sammlung verheißungsvoll glitzernd - aber um musikalische Finesse geht es ja Weihnachten auch nicht. Und das Publikum machte ja sowieso alles mit. Kinderkram zum Beispiel - mitten in der Nacht bei "Svenja & Paul"; auch im Weltall - oder Bundeskanzler aufzählen etwa: "Merkelschröderkohlschmidtbrandtkiesingererhardadenauer" in einem Wort. "Das nächste Mal machen wir dann etwas mit Kramp Karrenbauer", meinte Ekki Maas. Mal sehen, ob das was gibt...

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Surfempfehlung:
erdmoebel.de
www.facebook.com/erdmoebel
www.fearns.com
www.facebook.com/hannafearnsmusic
www.youtube.com/watch?v=-afjA2vOIyg
www.youtube.com/watch?v=YlAvjAQDi8g
www.youtube.com/watch?v=9KN3gM5y0_w
www.youtube.com/watch?v=a1AgX1TJEtk
www.youtube.com/watch?v=GGUoFWbRX0I
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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