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La La Land

Lala Lala
Faira

Köln, Bumann & Sohn
26.02.2019

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Lala Lala
Eigentlich tritt die Kölner Indie-Songwriterin Faira - zusammen mit ihren Geschwistern - im Trio-Format auf. Aus irgendwelchen Gründen musste es bei dem Support-Slot beim Deutschland Debüt von Lillie Wests Chicagoer Bandprojekt Lala Lala aber ein abgespecktes Duo-Setting sein, bei dem Faira selbst zwar akustische Gitarre und Bass spielte - ansonsten aber nur bei einigen Stücken von einem Drummer begleitet wurde. Musikalisch machte sich das im Folgenden nicht besonders störend bemerkbar, denn Fairas Fundament sind bemerkenswert clever konstruierte, bärenstarke und erstaunlich abwechslungsreich inszenierte Indie-Pop-Songs die glasklar demonstrieren, dass Faira ganz genau verstanden hat, worum es in diesem Genre geht und dass sie zweifelsohne die richtigen Acts als Inspirationsquelle studiert hat.
Auch inhaltlich gefällt das Material von Faira durch einen durchaus humorvollen sprachlichen Bilderzirkus: "Lass mich dein Wasser sein, wenn du mit trockenem Mund sprichst" heißt es etwa sinngemäß in dem Song "Dry Mouth", von dem es auch ein Live-Video gibt. Soweit war da also alles in trockenen Tüchern - aber dann gab es da diesen Gesang. Woran genau es lag, war nicht erkennbar, aber Fairas Intonation lag betont wankelmütig jeweils mehrere Tonlagen ober- oder unterhalb der eigentlich angestrebten Gemengelage. Das war insofern schade, als dass sich das durchgängig irritierend bemerkbar machte. Freilich: An der Qualität des Materials änderte das ja nichts - und das ist auf der ganzen Linie überzeugend. Das fand auch Lillie West, die Faira gleich nach der Show erklärte, wie gut ihr das Set gefallen habe - und bei ihrem eigenen Set gleich mehrfach die Show Fairas lobte.
Es gab dann auch eine musikalische Gemeinsamkeit zwischen den Show von Faira und Lala Lala: So schreibt auch Lillie West Songs, die sich musikalisch jenseits aller Harmonieregeln, gängiger Gitarrentunings und dem, was ein Musiklehrer als "richtig" bezeichnen würde bewegen. Freilich: Lillie West hatte dann keine Mühe, dieser Stimmungslage stimmlich zu folgen. Mehr noch: Aufgrund dessen, dass die Vocals im Live-Kontext mit weniger Hall und Effekten belegt wurden, konnte man sogar die destruktiven Lyrics, die Lillie in ihren eleganten Selbstzerfleischungs-Songs favorisiert, besser verstehen als auf der Konserve. Dann gehören Lillie und ihre Musiker(innen) zu jener Spezies von Musikanten, die auf der Bühne tighter und kompakter agieren, als im Studio - denn gegen das, was Lala Lala auf der Bühne in Sachen punktgenauem Timing und knackiger Dynamik präsentieren, wirken die Studio-Aufnahmen im Vergleich zuweilen geradezu unentschlossen wirken. Nun ja: Zugegebenermaßen arbeite Lillie auf ihrem letzten Album "The Lamb" aber auch mit anderen Leuten. Dennoch: Die Songs wurden im Vergleich zu den Studioversionen knackig auf den Punkt gedeichselt, druckvoller präsentiert und mit anderen Akzenten versehen. "I Get Cup" etwa geriet so zum beinahe fröhlichen Power-Pop-Song und "See You At Home" wurde mit Jam-Elementen aufgebohrt (wobei etwa das Saxophon per Sample eingespielt wurde). Etwas überraschend war dann noch der Umstand, dass Lala Lala nicht als reine Grunge-Pop-Kapelle aufspielten, sondern mit einem Keyboard und einem Pad aufwarteten und den Sound so noch vervollständigten.

Performerisch gab es dann einige Merkwürdigkeiten. Und damit ist nicht gemeint, dass sich Drummer und Gitarristin mehrfach abwechselten, sondern dass sich die Musiker auch schon mal auf den Boden legte oder sich mit dem Rücken vor dem Publikum vor die Bühne stellten. "Ich würde ja gerne noch mehr da draußen rumlaufen", erklärte Lillie anschließend, "dann bräuchte ich aber ein Kopfmikro wie Britney - aber das klingt dann ja nicht so gut. Aber ich könnte ja mit Playback arbeiten und nur so tun als würde ich singen und Gitarre spielen." Das tat sie dann zum Glück aber nicht. Stattdessen band sie sich zum Schluss aber ein paar Ballons an die Gitarre, die ihr Bassist im Kölner Karneval-Trubel erstanden hatte. So richtig fröhlich wurde die Sache trotzdem nicht wirklich - was aber auch nicht Wunder nimmt, denn schließlich hat sich Lillie ja eher die paranoiden Elemente des Lebens als Thema auserkoren. Rein musikalisch war diese Show eine Power-Pop-Veranstaltung, wie es sie seit den 90ern in dieser Qualität nicht mehr gegeben hat.

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Surfempfehlung:
www.lalabandlala.com
www.facebook.com/lalalalabandlalalala
www.facebook.com/fairamusic
www.youtube.com/watch?v=SQJqNvlGi3c
www.youtube.com/watch?v=HwVgGRd6QxQ
www.youtube.com/watch?v=wu9zw0CDtnA
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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