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Simply Good

Hayley Reardon

Wiehl, artfarm
15.03.2019

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Hayley Reardon
Gegen Ende ihrer ersten (von Gaesteliste.de präsentierten) richtigen Headliner-Tour trat die Songwriterin Hayley Reardon aus Boston nun im beschaulichen Bergischen Land auf und schaffte es auch dort, die Zuhörer mit ihren betont sanftmütigen und friedfertigen Folk-Balladen in ihren Bann zu ziehen, wie sie es zuvor bereits als Support des irischen Songwriters Ryan O'Reilly gemacht hatte. Was Hayley als Songwriterin und Performerin auszeichnet ist der Umstand, wie sich da alles wie selbstverständlich zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammenfügt. Wenn Hayley etwa ihre einfühlsamen Geschichten erzählt, aus denen sie ihre bemerkenswert genau beobachteten Stücke zusammen bastelt, bleibt im übertragenen Sinne wirklich kein Auge trocken, denn auf die emotionale Art - die nun wirklich keinen Raum für laute Töne oder aggressive Spitzfindigkeiten zulässt -, mit der sie ihre Stories mit kleinen Details, Namen, Referenzen und Vignetten ausschmückt, machen die Sache nun wirklich für jedermann nachvollziehbar. Und das gilt nicht nur für Songs wie das mit Ryan O'Reilly geschriebene neue Stück "Awake In Berlin" - in dem Hayley über den deutschen Begriff Einsamkeit resümiert, sondern auch die Tracks, in denen sie ihre Familie, ihre Idole, ihre Freunde und ihre Bekanntschaften beobachtet, beschreibt und analysiert und die Stories mit humorvollen Anekdoten und Überlegungen ausschmückt.
In "200 Years Old" etwa reflektiert sie anhand der Geschichte ihrer dementen Großmutter, die sie mittels der Stimme von Patsy Cline aus der Demenz reißen konnte, über das Thema "Alter", in "Work More" erzählt sie von ihrer Arbeit als Tutorin für jugendliche Songwriter - und über die unterschiedlichen Ansichten, die sie selbst und ihre Co-Tutor 50 Cent dabei hatten, "Ghost" von ihrer letzten LP "Good" ist eine Reflektion spritueller Natur, "Booze & Blueberries" ist eine Hommage an eine inspirierende Freundin (via Joni Mitchell), "Tennessee" und auch "Where I Know You" sind metaphysische Reisen in den tiefen Süden der USA und die Lyle Lovett-Coverversion "If I Had A Boat" basiert schließlich auf einem Missverständnis (Hayley dachte, dies sei ein populärer Klassiker, weil das Stück bei ihr zu Hause ständig lief). Und dann sind da ja auch noch die Charakterstudien etwa von Leiten wie "Julia" oder "Bethany", die Hayley auf ihrer aktuellen EP "Where I Know You" versammelt hat.
Dass Hayley bei all dem musikalisch keiner bestimmten Richtung zuzuordnen ist (außer der, dass sie aufgrund ihres akustischen Einschlages der Folkmusik zuzusortieren ist) und dass sie in der Lage ist, so ziemlich über alles und jedes Songs schreiben zu können, ist dabei gleichermaßen Fluch wie Segen. Ein Segen nämlich für die Zuhörer, die so ständig mit anderen Perspektiven, Schattierungen, Variationen und Akzenten konfrontiert werden (und sich ergo nicht zu langweilen brauchen) und ein Fluch für Hayley, die zuweilen einfach nicht weiß, wie sie ihre Songs gruppieren oder einsortieren soll - wie etwa das atypisch düstere "Everything Else", das es deswegen auch noch nicht auf einen Tonträger geschafft hat. Auf musikalischer Ebene überzeugt die Performerin Hayley bei all dem mit einer totalen Kontrolle über ihre Stimme und ihr Gitarrenspiel - was es ihr ermöglicht selbst die subtilsten Nuancen effektiv zu implementieren. Auch wenn Hayley das eine oder andere mit einer gewissen professionellen Routine darbietet, die sie sich im Laufe ihrer angesichts ihres nach wie vor jugendlichen Alters erstaunlich langen Laufbahn angeeignet hat, nimmt man ihr als Zuhörer alle Facetten ihres Tuns dabei ohne weiteres ab - denn da wirkt bei aller handwerklichen Nonchalance schlicht nichts gekünstelt oder aufgesetzt. Hayley Reardon gehört einfach zu jener Spezies von Songwriterinnen, die keinen Zweifel an der Notwendigkeit ihrer Berufung zulassen - und das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass hier jemand aus den richtigen Gründen bei der Sache ist. Momentan sieht die Sache so aus, dass Hayley plant, im Herbst - womöglich gar mit einer neuen LP - zu uns zurückzukehren. Freunde gediegenen Songwritings sollten das schon mal im Hinterkopf behalten.

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Surfempfehlung:
www.hayleyreardon.com
www.facebook.com/hayleyreardonmusic
www.youtube.com/watch?v=W3AdEbMUBik
www.youtube.com/watch?v=seHk9suRXJc
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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