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Joie de vivre

Francofolie Festival

Köln, Lutherkirche
05.04.2019

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Fredda
Das Francofolie Festival ist eine Veranstaltung, die mit Unterstützung des Institut Française und des ebenfalls in Köln ansässigen Le Pop Labels die französische Lebensart und Musikkultur fördern soll. Dass "francofolie" wörtlich übersetzt eigentlich "der französische Wahnsinn" heißt, soll dabei mal außer Acht gelassen werden. Aber es erklärt, warum die Sache - mit französischem Wein, Quiche, Baguette und Gästen aus Kamerun, Rumänien, Deutschland und im Falle des zentralen Gaststars Fredda sogar exklusiv aus Paris - deutlich über den Rahmen eines normalen Konzertereignisses französischer Künstler in Köln hinausging. Die Kölner Lutherkirche ist gemeinhin eh auf Konzerte aus dem Bereich Folklore und Weltmusik spezialisiert, deswegen machte der internationale Charakter der Veranstaltung dann auch durchaus Sinn.
Der erste Act des Abends war der in Bonn lebende Kameruner Melchi VE. Der junge Mann ist gerade mal seit zwei Jahren in Deutschland - spricht aber deutlich besser Deutsch als so mancher Bio-AFD-Sympathisant. Kamerun, so erklärte er, ist ein Land mit so vielen verschiedenen Sprachen (nicht Dialekten!), dass man in der Schule auf Englisch oder Französisch unterrichtet werde, damit man sich überhaupt verständigen könne. Ergo verwendet Melchi in seinen Songtexten - neben diversen kameruner Sprachen - dann auch französische und englische Bestandteile. Melchi arbeitet dabei als One Man Band - denn es ist ihm bisher nicht gelungen, eine eigene "richtige" Band zusammenzustellen, wie er es eigentlich geplant hatte. Dabei benutzt er - neben einem kamerunischen Rhythmusinstrument namens Niass und an den Schuhen festgeschnallten Beatboxes - vor allen Dingen seine Gitarre, in die er sich mit Klangabnehmern eine Art Finger-Schlagzeug eingebaut hat - und ein ausladendes Effektpedal mit Sampler und Loop-Station, die er nonchalant in seine Performance einbaut. Musikalisch orientiert sich Melchi weniger an französischen, denn an afrikanischen Stilistiken - reichert diese aber gerne mit psychedelischen Rockgitarrensoli und Blues-Elementen an (und im Studio auch mit Reggae und Dub-Grooves) - wohl auch um den Eindruck des reinen Folklore-Künstlers entgegenzuwirken. Melchi bereitet gerade seine erste Solo-LP vor und hat dafür eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen , bei der es alle möglichen Goodies gibt und zu der er auf seiner Facebook-Seite aufruft.

Über die Pariser Künstlerin Fredda ist an dieser Stelle ja schon so einiges geschrieben worden. Ihr letztes Album "Land" stammt bereits aus dem Jahre 2017 und so war es denn mal interessant zu sehen, was sie aus dem Material in der aktuellen Trio Besetzung mit Gitarrist/Bassist und Drummer/Bassist machen würde. Zunächst ein mal fiel auf, dass das charakteristische Wüstenrock-Flair, das sich bei der Produktion des Albums in Tucson, Arizona (an der auch Partner Pascal Parisot und der Exilfranzose Naim Amor beteiligt waren) weiland eingeschlichen hatte, auch in der aktuellen Besetzung noch Bestand hatte - wenn auch weniger in Richtung Rock als mit dezentem, frankophilen Chanson-Flair. Im Wesentlichen übertrug sich das - die gelegentliche Rumba hin oder her - auch auf die Präsentation älteren Materials, wobei die zunehmend poppige Note mit der Fredda ihre Tracks zusammenstellt, sich angenehm bemerkbar machte. Freilich stellte Fredda das Album "Land" mit seiner bewusst ambivalenten Bedeutung und der universellen Friedens-Botschaft nach wie vor ins Zentrum der Betrachtungen. Fredda leitete die Show mit ausgesuchten, theatralischen Gesten (und einer Einlage mit zu Perkussion-Instrumenten umfunktionierten Küchengeräten) eigentlich eher aus dem Hintergrund - ließ aber keinen Zweifel daran, dass sie der eigentliche Star des Abends war. Ein neues Album stellte Fredda nur indirekt in Aussicht, spielte aber immerhin neues Material "...that I almost don't know" - wie sie in gebrochenem Englisch formulierte. Dem Publikum gefiel die Sache immerhin so gut, dass es Fredda nicht gelang, sich ohne Zugabe von der Bühne zu schleichen.

Die Marion & Sobo Band besteht normalerweise aus offensichtlich studierten Kölner und Bonner Jazzmusikern (sie schauen jedenfalls beim Vortrag selbst bei improvisierten Passagen gerne auf die mitgebrachten Notenblätter) und der franco-amerikanischen Sängerin Marion Lenfant-Preuss. Nun war allerdings ausgerechnet genau diese Frontfrau erkrankt, so dass die Band kurzfristig die rumänische Kollegin Asthantine als Ersatz verpflichtet hatte. Das hatte dann gewisse Vor- und Nachteile. Auf der Habenseite zu verbuchen war der Umstand, dass Asthantine aufgrund ihres Backgrounds Lieder auf rumänisch und romani (der Sprache der Roma) im Angebot hatte. Der Nachteil war der, dass das nun wirklich nichts mehr französisches war und das Programm somit thematisch verfehlt wurde. Musikalisch spielt die Band orthodoxen Retro-Swing im Stile des seligen Django Reinhardt, aus dessen Programm sie auch einige Stücke im Repertoire führen (etwa "Cou Cou"). Na ja: Dann gab es zumindest noch eine swingende Version von "La vie en rose". Das Ganze wurde ziemlich aggressiv als "Tanzmusik" beworben - obwohl der dünnbrüstige Sound, bei dem der Bass im Auditorium kaum zu hören war und die demzufolge spröde Darbietung gar nicht dazu geeignet erschien. Dennoch bewegten sich einige unentwegte mehr oder minder gleichzeitig. Freilich blieb das Ganze dann im technisch versierten, aber blutleeren, akademischen Verwalten des Materials stecken.

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Surfempfehlung:
www.facebook.com/MelchiVEofficial
www.facebook.com/officiellepageFreddamusic
www.facebook.com/marionandsobo
www.youtube.com/watch?v=mOAMZdsIexo
www.youtube.com/watch?v=yaaHH2hxDmk
www.youtube.com/watch?v=MLeuHxYPz3g
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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